Zeit 27.05.2026
10:22 Uhr

Wirtschaftswachstum: Wirtschaftsweise senken wegen Irankriegs ihre Konjunkturprognose


Der Rat der Wirtschaftsweisen erwartet in diesem Jahr ein Wachstum von nur 0,5 Prozent. Auch 2027 soll die Wirtschaftsleistung um weniger als ein Prozent steigen.

Wirtschaftswachstum: Wirtschaftsweise senken wegen Irankriegs ihre Konjunkturprognose
Der Sachverständigenrat erwartet für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur ein geringfügiges Wachstum. Das schreiben die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Frühjahrsbericht . Sie gehen nur noch von 0,5 Prozent mehr BIP aus. Damit hat das Gremium, das die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen berät, seine Wachstumserwartungen gegenüber der Schätzung im vergangenen Herbst fast halbiert. Für das kommende Jahr erwarten die Ökonominnen und Ökonomen mit 0,8 Prozent ebenfalls ein nur geringes Wachstum. Die Wirtschaftsweisen veröffentlichen zweimal jährlich eine Bestandsaufnahme zum Zustand der deutschen Wirtschaft, wobei das im November erstellte Jahresgutachten als maßgeblich gilt. Im Jahresgutachten 2025 hatten die Ökonominnen und Ökonomen für dieses Jahr noch einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,9 Prozent prognostiziert und waren damit bereits zurückhaltender als die Bundesregierung, die damals mehr als ein Prozent erwartet hatte. Hohe Ölpreise erschweren Handel und senken Konsum Diese Prognose ist im nun veröffentlichten Frühjahrsgutachten von der US-Handelspolitik und den hohen Energiepreisen infolge des Irankrieges stark beeinflusst worden. Führende Wirtschaftsinstitute und auch die Bundesregierung haben ihre Konjunkturerwartungen vor diesem Hintergrund gegenüber den Prognosen im Vorjahr ebenfalls halbiert. Die Wirtschaftsweisen begründen ihre pessimistischeren Erwartungen mit den hohen Ölpreisen. Diese würden die Bedingungen für Handel verschlechtern, heißt es in ihrem Bericht: »Das senkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und damit den privaten Konsum. Höhere Produktionskosten belasten die Unternehmen und reduzieren die Investitionsnachfrage.« Dass Ungewissheit über die Dauer des Irankrieges herrsche, stelle ein »erhebliches Risiko« dar. Dramatische Folgen für Inflation und Arbeitsmarkt erwarten die Wirtschaftsweisen allerdings nicht. So gehen sie von 3,0 Prozent Inflation in diesem Jahr und 2,8 Prozent im kommenden Jahr aus – ein moderater Anstieg gegenüber 2,2 Prozent 2025 und deutlich weniger als während der Energiekrise 2022 nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine. Auch die Arbeitslosenquote soll in diesem Jahr gegenüber 2025 um nur 0,1 Prozentpunkt auf 6,4 Prozent steigen und bereits 2027 wieder auf 6,2 Prozent sinken. Ökonomen hoffen auf staatliche Investitionen und Bauwirtschaft Die etwas verbesserten Wachstumserwartungen für das kommende Jahr begründet das Gremium mit den staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur. Dieses wirke »stützend«. Wachstumsimpulse erwarten die Ökonomen auch aus der Privatwirtschaft, wenngleich vor allem aus nur einem Sektor: »Auch die Frühindikatoren im privaten Wohnungsbau deuten zuletzt auf eine Expansion hin«, heißt es in dem Gutachten. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, wie der Rat der Wirtschaftsweisen vollständig heißt, berät die Bundesregierung seit den Sechzigerjahren in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Das Gremium besteht aus fünf Personen, die für jeweils fünf Jahre berufen werden. Aktuelle Vorsitzende des Rats ist die Ökonomin Monika Schnitzer.