Zeit 03.06.2026
10:35 Uhr

Südtirol: Forschende finden Hinweise auf lebende Mikroorganismen an Ötzi


Seit mehr als 5.000 Jahren ist Ötzi tot. Forschende haben jetzt Hinweise auf Mikroorganismen in seinem Magen gefunden, die noch leben.

Südtirol: Forschende finden Hinweise auf lebende Mikroorganismen an Ötzi
Im Gewebe von Ötzi hat ein Forschungsteam Hinweise auf Leben gefunden, obwohl die Gletschermumie mehr als 5.000 Jahre lang in eisiger Kälte lag. Hefestämme mit moderner DNA seien gefunden worden. Sie müssen sich in jüngerer Zeit vermehrt haben, teilten die Forschenden um Mohamed Sarhan vom Bozener Institut für Mumienforschung im Fachjournal Microbiome mit. Unklar ist, ob die Mikroorganismen sich über die Jahre weitervermehrten oder eine Vermehrung durch das Auftauen bei der Untersuchung aktiviert wurde. Das Team hatte das Mikrobiom der Mumie, also die Gesamtheit der sie besiedelnden Mikroorganismen, untersucht. Die Forschenden verglichen dafür die Mikroorganismen aus Proben der Mumie mit Proben von Mikroorganismen im Gletschereis und im Boden der Fundstelle. Unter anderem in Proben der Haut und des Mageninhalts fanden sie speziell an Kälte angepasste Hefen. Sie stammen vermutlich aus der damaligen Gletscherumgebung. Im Rahmen ihrer Erforschung war die Mumie zwischenzeitlich stundenweise aufgetaut worden, um Proben zu entnehmen. Eine Vermehrung der Hefe könne die Unversehrtheit der Mumie gefährden. Konservierung begünstigt möglicherweise bestimmte Mikroorganismen Laut der Direktorin des Südtiroler Archäologiemuseums, Elisabeth Vallazza, stellt ein engmaschiges mikrobiologisches Monitoring sicher, dass Ötzi keinen Schaden nehme. Für die Konservierung ist unter anderem die Regulierung der Feuchtigkeit eine Herausforderung. Auch die Konservierung könnte bei der Vermehrung der Hefen eine Rolle spielen. So könnten bestimmte Hefestämme durch den Einsatz von Phenol zur Befreiung der Mumie von Pilzbefall nach deren Bergung begünstigt worden sein. Drei der vier entdeckten Hefen hätten die genetischen Voraussetzungen dafür, den Wirkstoff Phenol abzubauen. Sie könnte den Hefen als Nahrung gedient haben. Ötzi war 1991 in den Ötztaler Alpen an der österreichisch-italienischen Grenze entdeckt worden. Der Gletschermann lebte vor 5.300 Jahren. Aufbewahrt wird der gut erhaltene Körper im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen in einer Kühlkammer bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Aus Untersuchungen sind mittlerweile unter anderem Ötzis Blutgruppe und die Augenfarbe bekannt.