Zeit 18.03.2026
15:48 Uhr

Seenotrettung: "Sea-Watch 5" ruft Notstand aus und steuert trotz Verbot Sizilien an


Mit 57 Überlebenden an Bord steuert die "Sea-Watch 5" auf der Suche nach einem sicheren Hafen Trapani an. Zuvor hatten die Seenotretter den Notstand ausgerufen.

Seenotrettung:
Die Crew des Seenotrettungsschiffs Sea-Watch 5 will entgegen den Anweisungen der italienischen Behörden den Hafen von Trapani auf Sizilien ansteuern. "Wir lassen nicht zu, dass 57 Überlebende den Preis für Italiens Machtspiel zahlen! Jede Verzögerung ist unverantwortlich", schrieben die Seenotretter auf X . Es ist mittlerweile zur Regel geworden, dass Italien private Seenotrettungsmissionen erschwert. Das Schiff fährt unter deutscher Flagge. Zuvor hatte die Crew bereits den Notstand ausgerufen. "Italien blockiert unsere Sea-Watch 5 auf See und bringt damit 57 Überlebende in Gefahr – wir rufen den Notstand aus! Wir brauchen einen sicheren Hafen – und zwar sofort", schrieb Sea-Watch auf X . In einer Pressemitteilung schreiben die privaten Seenotretter, sie hätten bereits "angesichts der akuten medizinischen Notlage und der völkerrechtswidrigen Verweigerung eines sicheren Hafens durch Italien" den Notstand ausrufen müssen. "Das Anlaufen eines Hafens ist in dieser Situation die einzige Möglichkeit, das Grundrecht auf Leben (Art. 2 EMRK) der 57 Überlebenden zu schützen und eine weitere Eskalation der gesundheitlichen Krise an Bord abzuwenden." Nach Angaben der Seenotretter hatte die Crew am Wochenende bereits 93 Menschen aus Seenot gerettet und an Bord genommen. 36 Gerettete konnten demnach bereits an Land gebracht werden, darunter ein zweijähriges Kind in lebensbedrohlichem Zustand sowie 23 Minderjährige und ihre Familien. Die anderen müssten seit der Rettung auf dem Schiff ausharren. Dem Schiff sei ein Hafen in Norditalien zugewiesen worden, der mehr als 1.100 Kilometer entfernt liege, die Fahrt dorthin sei für die Mitfahrenden jedoch zu gefährlich. Die Geretteten litten an "Seekrankheit, Erschöpfung und Treibstoffverbrennungen, welche unter angemessenen klinischen Bedingungen behandelt werden" müssten. Mehrere Menschen würden bereits medizinisch betreut, auch eine Schwangere sei an Bord. Sea-Watch wirft den italienischen Behörden vor, sich mit ihren Anweisungen nicht an geltendes Recht zu halten. "Das Seerecht, internationale Konventionen und EU-Verordnungen verpflichten zur Rettung von Menschen in Seenot und zu ihrer Versorgung im nächsten sicheren Hafen", schrieb die Crew. Menschenrechtsbeauftragter fordert staatliche Seenotrettung Es gibt keine staatliche Seenotrettungsmission im Mittelmeer. Die EU hat sich aktiv dagegen entschieden, deshalb sind private Rettungsmissionen die einzigen, die zur Rettung von Menschen auf dem Meer vor Europa unterwegs sind. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci, drückte Sea-Watch seine Unterstützung aus. "Weder Gerettete noch Besatzung dürfen in eine solche Gefahr gebracht werden. Die Sea-Watch 5 muss nach internationalem Seerecht den nächstgelegenen Hafen anlaufen können", schrieb er auf X. Weiter forderte Castellucci eine Verbesserung der Situation. "Solange es keine funktionierende staatliche Seenotrettung gibt, dürfen private Retter nicht an ihrer lebensrettenden Arbeit gehindert werden", schrieb er. "Und wichtiger: Verfolgte sollten nicht auf Schlepper angewiesen sein, sie brauchen sichere, legale Wege." Bisher gibt es keine öffentlich bekannten Pläne für Seenotrettungsmissionen im Mittelmeer. Im Jahr 2025 starben mindestens 1.756 Menschen im Mittelmeer .