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05.10.2026
19:46 Uhr
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In Frankreich haben erneut Tausende Schüler für bessere Lernbedingungen protestiert. In Lens wurde ein Jugendlicher durch eine Polizeigranate schwer verletzt.

In Frankreich haben erneut Tausende Schüler gegen Missstände im Schul- und Bildungssystem protestiert . An fast 600 Schulen gab es Proteste, viele Bildungseinrichtungen blieben geschlossen . Auch für Dienstag kündigten Schülervertreter einen landesweiten Protesttag für eine bessere Ausstattung der Schulen sowie bessere Lernbedingungen an. In Paris ist für 14 Uhr eine Demonstration auf dem Place de la République geplant. Auch in anderen Städten wurden Versammlungen angekündigt, darunter Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Straßburg. Unterstützung kommt von mehreren großen Bildungsgewerkschaften, die zur Beteiligung an den Aktionen und teils auch zu Streiks aufrufen. Damit könnte der Protest über die Schülerbewegung hinaus an Breite gewinnen. Unterdessen wächst die Sorge vor einer Gewalteskalation. Für Bestürzung sorgte der Fall eines 15-jährigen Gymnasiasten, dem im nordfranzösischen Lens am Montag durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand abgerissen wurde. Beamte hatten das Geschoss zuvor in eine Gruppe demonstrierender Schüler abgefeuert. Laut Polizei soll der Schüler die Granate aufgehoben haben, um sie zurückzuwerfen. Bildungsminister Édouard Geffray sagte, die genauen Umstände des Vorfalls seien noch unklar. Die Generalinspektion der Polizei ermittelt gegen die eingesetzte Bereitschaftspolizei. Der Fall könnte den von teils drastischen Gewaltszenen geprägten Protest weiter anheizen. Wachsende Kritik am Vorgehen der Polizei Schon an vorherigen Protesttagen hatte es Verletzte gegeben. In Tours verlor ein 16-Jähriger ein Auge – vermutlich durch ein Hartgummigeschoss der Polizei. In Saint-Ouen-l'Aumône wurden einem 14-Jährigen beim Abschuss einer Tränengasgranate sämtliche Zähne ausgeschlagen oder beschädigt. Aufgrund dieser und zahlreicher weiterer Fälle wächst in Frankreich die Kritik an den Sicherheitskräften. Die linke Opposition warf der Regierung unverhältnismäßige Gewalt vor, der linkspopulistische Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon kritisierte »immer brutalere Methoden«. Die Internationale Liga für Menschenrechte sprach angesichts des Vorgehens der Polizei von einer »weitgehenden Abkehr vom Rechtsstaat«. Mehr als 5.000 Festnahmen Auch gegen mehrere Jugendliche wird wegen teils gravierender Gewalt ermittelt. In Marseille soll ein 15-Jähriger einer Passantin eine brennende Substanz ins Gesicht gesprüht haben, in La Ciotat soll ein 16-Jähriger einen Lehrer mit Benzin besprengt haben. Seit Beginn der Proteste wurden nach offiziellen Angaben mehr als 5.000 Menschen festgenommen , der Großteil von ihnen Minderjährige. Insgesamt wurden 190 Schüler verletzt, die meisten von ihnen durch »unglückliche Umstände«, wie das Bildungsministerium mitteilte. Premierminister fordert, Schülern Gehör zu geben Die Proteste hatten vergangene Woche an einem Gymnasium in einem Pariser Vorort begonnen und sich anschließend landesweit ausgebreitet . Premierminister Sébastien Lecornu beauftragte daraufhin fünf Ministerien, nach Lösungen zu suchen. Er rief dazu auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten und den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben. Die Regierung hatte hingegen von Beginn an auf die Repression der Bewegung gesetzt. So sagte etwa Innenminister Laurent Nuñez, er rufe die Sicherheitskräfte nicht zur Zurückhaltung auf.