Zeit 30.09.2026
07:12 Uhr

Right Livelihood Award: Alternativer Nobelpreis für Frauen im Kampf gegen Machtstrukturen


Mit dem Right Livelihood Award werden eine US-KI-Expertin und eine pakistanische Anwältin gewürdigt. Auch NGOs in Georgien und dem südlichen Afrika erhalten den Preis.

Right Livelihood Award: Alternativer Nobelpreis für Frauen im Kampf gegen Machtstrukturen
Der Right Livelihood Award, auch bekannt als alternativer Nobelpreis, geht in diesem Jahr an Frauen sowie von Frauen geführte Organisationen. Sie würden »sich den besonders tief verwurzelten Machtstrukturen unserer Zeit entgegenstellen«, teilte die Right Livelihood Stiftung mit, die den »Preis für die richtige Lebensweise« seit 1980 jährlich verleiht. Zu den diesjährigen Preisträgerinnen gehören eine KI-Expertin aus den USA, eine Anwältin aus Pakistan sowie zivile Organisationen aus Georgien und Ländern im Süden Afrikas. Die Preisträgerinnen würden sich »autoritärer Herrschaft, patriarchaler Gewalt und einer unkontrollierten Entwicklung künstlicher Intelligenz« entgegenstellen, begründet die Stiftung ihre Auswahl. »Was sie verbindet, ist der Widerstand gegen Systeme, die Menschen an den Rand drängen.« Preis für ethische KI und Einsatz für Frauenrechte in Pakistan Die in Äthiopien geborene KI-Forscherin Timnit Gebru leitete der Stiftung zufolge in der Vergangenheit ein Team für ethische Fragen künstlicher Intelligenz bei Google, sei aber wegen ihrer Warnungen vor den Risiken von KI entlassen worden. Als Gründerin eines Instituts, das sich dem Kampf gegen Diskriminierung unterprivilegierter Gruppen durch KI widmet, setze sich Gebru für eine digitale Technologie ein, »die auf Gerechtigkeit, gelebter Erfahrung und menschlicher Selbstbestimmung beruht«, teilte die Stiftung mit. Die pakistanische Anwältin Jalila Haider wird nach Angaben der Stiftung dafür ausgezeichnet, dass sie »als erste weibliche Rechtsanwältin ihrer Hasara-Gemeinschaft erfolgreich gegen ethnische, staatliche und patriarchale Verfolgung vorgeht«. Haider habe 2018 einen siebentägigen Hungerstreik aus Protest gegen gezielte Tötungen von Vertretern ihrer Minderheit geleitet und den damaligen Armeechef Pakistans zu Verhandlungen mit Frauen der Hasara gezwungen. Zudem habe ihrer Kanzlei mehr als 600 Aktivistinnen und Aktivisten ermöglicht, »sich wieder frei bewegen und ihren Aufenthalt frei wählen zu können« sowie 400 Witwen von Terroropfern dabei unterstützt, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Juristinnen aus Georgien und Schutz von Frauen im Süden Afrikas Mit der georgischen Organisation Georgian Young Lawyers' Association (GYLA) werde »die älteste und bekannteste Menschenrechtsorganisation« des Landes ausgezeichnet, teilte die Stiftung mit. Die seit 1994 bestehende Gruppe habe eine »zentrale Rolle« im georgischen Demokratisierungsprozess gespielt und »gilt als moralischer Kompass der georgischen Gesellschaft«. GYLA habe »wegweisende juristische Erfolge« erzielt und sei mit bislang 1,5 Millionen kostenlosen Rechtsberatungen in einem Land mit rund 3,7 Millionen Einwohnern »eine tragende Säule der georgischen Zivilgesellschaft«. Die Organisation wird von der Anwältin Tamar Oniani geleitet. Die vierte Preisträgerin ist The Rural Women's Assembly (RWA), eine länderübergreifende Bewegung im Süden des afrikanischen Kontinents, die sich für die wirtschaftliche Unabhängigkeit und körperliche Selbstbestimmung von Frauen in ländlichen Gebieten einsetzt. Die Bewegung vertritt nach Angaben der Stiftung »mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern« und widersetze sich »der Kontrolle regionaler Ernährungssysteme durch internationale Konzerne«. So habe die RWA Hunderte einheimische Sorten von Saatgut katalogisiert, »um traditionelle Saatgutsysteme vor Kommerzialisierung zu schützen«. Zugleich habe die Organisation »Frauen, denen Landbesitz lange verwehrt blieb, zu einer geeinten und unüberhörbaren politischen Stimme zusammengeführt«. »Macht muss nicht auf Hierarchie und Gewalt begründet sein. Sondern Macht ist auch die Fähigkeit, zusammenzuhalten, zusammenzuarbeiten, allein eine Stimme zu geben«, teilte die Right Livelihood Stiftung mit. Die diesjährigen Preisträgerinnen stünden für »grundlegende menschliche Werte wie Kooperation, Freiheit, Frieden mit der Natur.« »Alternativer Nobelpreis« wird seit 1980 vergeben Für die Auszeichnung wurden nach Stiftungsangaben 200 Nominierungen aus 72 Ländern eingereicht. Seit 1980 ging der Right Livelihood Award an mehr als 200 Personen und Organisationen aus mehr als 80 Ländern. Die Auszeichnung wurde von dem deutsch-schwedischen Publizisten Jakob von Uexküll ins Leben gerufen, der sich in den Siebzigerjahren erfolglos bei der Nobelstiftung dafür eingesetzt hatte, offizielle Nobelpreise für die Bekämpfung von Armut und den Umweltschutz auszuschreiben. Darauf geht die Bezeichnung des von ihm daraufhin ins Leben gerufenen Right Livelihood Awards als »Alternativer Nobelpreis« zurück.