Zeit 08.08.2026
17:28 Uhr

Osteuropa: Ukraine und Serbien planen bis Jahresende ein Freihandelsabkommen


Serbien und die Ukraine wollen ihre Handelsbeziehungen vertiefen. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hofft, damit den EU-Beitritt seines Landes zu beschleunigen.

Osteuropa: Ukraine und Serbien planen bis Jahresende ein Freihandelsabkommen
Die Ukraine und Serbien streben eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit an und wollen bis Jahresende ein Freihandelsabkommen abschließen. Darauf einigten sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der serbische Präsident Aleksandar Vučić zum Abschluss von Selenskyjs Besuch in der serbischen Hauptstadt Belgrad . Dem ukrainischen Präsidenten zufolge ging es bei den Gesprächen um die Zusammenarbeit bei der Energie- und Ernährungssicherheit für den kommenden Winter. Selenskyj besuchte Belgrad zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt 2019. Serbien ist ein langjähriger Verbündeter von Russland, stark von russischen Gaslieferungen abhängig und hat sich den westlichen Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen. Vučić sicherte der Ukraine Unterstützung ⁠für ihre Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit, jedoch keine Sanktionen gegen Russland zu. Für Serbien ist das geplante Freihandelsabkommen wichtig, da dieses eine Voraussetzung für den angestrebten Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) und zur Europäischen Union ist. Seit 2005 hatte die Ukraine ein solches Abkommen blockiert, da es Streitigkeiten über Quoten und Zölle für ihren Agrarsektor gab. Vučić sicherte der Ukraine Unterstützung bei der Bewerbung für den EU-Beitritt zu, äußerte sich allerdings skeptisch über einen schnellen Beitritt beider Länder. Vučić: Serbien erkennt ukrainische Grenzen an Auch die Frage territorialer Grenzen spielt zwischen den beiden Ländern eine Rolle. Der serbische Präsident sagte, Serbien erkenne die ukrainischen ‌Grenzen einschließlich der seit 2014 von Russland besetzten Gebiete an. Die Ukraine wiederum erkennt die 2008 erklärte Unabhängigkeit des Kosovo nicht an, den Serbien weiterhin als Teil des eigenen Landes betrachtet. Militärische Zusammenarbeit stand bei dem Treffen nicht auf der Agenda. Vučić steht in den kommenden Monaten vor Neuwahlen, wobei er immer wieder die Spannung zwischen dem Ziel des EU-Beitritts und der engen historischen und wirtschaftlichen Verbundenheit mit Russland zu manövrieren hat. Vor dem Treffen hatte ein ukrainischer Regierungsvertreter gesagt, der Besuch sei für Russland »ein Schlag ins Gesicht«. In der Vergangenheit hatte Russland Serbien zudem mehrfach vorgeworfen, über ‌Mittelsmänner Munition an die Ukraine zu verkaufen. Serbien weist dies zurück, man beliefere lediglich andere Käufer weltweit. Zuletzt hat Belgrad die Ukraine wiederholt mit ziviler Hilfe unterstützt. Die Reise Selenskyjs nach Belgrad fällt in eine Zeit schwerer russischer Angriffe . »Die russischen Raketen zielen ganz konkret darauf ab, das Leben der Ukrainer unerträglich zu machen«, sagte Selenskyj in der serbischen Hauptstadt. Mit Vučić habe er über die »Herausforderungen gesprochen, vor denen die Ukraine in diesem Winter stehen wird«. Er dankte dem serbischen Präsidenten zugleich für einen konstruktiven Dialog und ein neues humanitäres Hilfsprogramm für die Ukraine.