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09.10.2026
04:00 Uhr
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Im Raum herrscht eine wuselige Atmosph\u00e4re. Ein halbes Dutzend neugieriger Kinder rennen durch das Zimmer der Kita H\u00f6lderlinstra\u00dfe in Gro\u00df-Gerau in S\u00fcdhessen. Noch wissen sie nicht, was sie erwartet. Anne Muster, Erste-Hilfe-Ausbilderin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), kommt herein und rollt einen Wimmelbildteppich aus. Neugierig lehnen sich die Vier- bis F\u00fcnfj\u00e4hrigen dar\u00fcber. Muster gibt Erste-Hilfe-Kurse, die vom DRK und anderen Hilfsorganisationen angeboten werden. Sie sollen Menschen darauf vorbereiten, wie sie sich selbst, ihre Familie und ihre Nachbarschaft in Notlagen unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Die Kurse werden f\u00fcr alle Generationen angeboten. Helfen k\u00f6nnen im Notfall auch schon Kinder - wenn sie wissen wie. \u00abDer Mann hat Aua\u00bb, \u00abAutos sind kaputt\u00bb und \u00abWarum schreit der um Hilfe?\u00bb beschreiben die Kita-Kinder Szenen auf dem Wimmelteppich. Gemeinsam mit Anne Muster besprechen sie die Situationen und gehen m\u00f6gliche Hilfestellungen durch. Was kann ich tun, wenn? Die Kinder wissen bereits, wen sie in Notf\u00e4llen kontaktieren m\u00fcssen. \u00abDie Feuerwehr\u00bb, \u00abdie Polizei\u00bb oder \u00abdie Erzieherin\u00bb lauten ihre Antworten. \u00ab1 Mund, 1 Nase und 2 Augen\u00bb gibt Muster den Kindern als Merksatz mit. So sollen sie sich einpr\u00e4gen, wie der Notruf 112 abgesetzt werden kann. Gummihandschuhe, Verband und Verletzungen Die Kinder lernen auch, wie sie einen Verband anlegen k\u00f6nnen. Mit hellblauen Gummihandschuhen an den H\u00e4nden begr\u00fc\u00dfen sie sich mit \u00abGuten Tag\u00bb. Trotz der Vorbereitung auf Krisensituationen ist die Stimmung im Raum alles andere als krisenhaft. In Zweiergruppen \u00fcben die kleinen Kursteilnehmer, wie man einen Verband anlegt. Die Denkweise, dass das sch\u00f6n aussehen muss, habe sich im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert, erkl\u00e4rt Muster. Fr\u00fcher musste alles irgendwie perfekt aussehen und der Verband war nur toll, wenn er von links gewickelt wurde. Das sei heute nicht mehr so. Heute gelte, er muss \u00abzweckm\u00e4\u00dfig sein, funktionieren, eine Blutung stillen und diese keimfrei abdecken\u00bb, betont Muster. Spielerisch lernen Um die Kinder auf verschiedene Gefahrensituationen vorzubereiten, gibt es das Spiel \u00abHochwasser, Feuer, Blitz\u00bb. Bei Hochwasser klettern sie, bei Blitz rollen sie sich als P\u00e4ckchen zusammen und bei Feuer robben sie \u00fcber den Boden. Das Programm der Erste-Hilfe-Kurse hat sich laut Muster im Laufe der Zeit weiterentwickelt. \u00abPflasterkleben haben wir mit Kindergartenkindern schon immer ge\u00fcbt\u00bb, erz\u00e4hlt sie. Aber dass auch eine Hochwassersituation besprochen wird, sei neu. Es gehe in den Kursen nicht nur darum, anderen zu helfen. Sie sollen auch sich selbst in Sicherheit bringen k\u00f6nnen. Das Allerwichtigste lernen die Kleinsten ebenfalls: zu tr\u00f6sten. Erste Hilfe f\u00fcr jedes Alter Seit \u00fcber 30 Jahren bietet der DRK-Kreisverband Gro\u00df-Gerau Kurse \u00abErste Hilfe mit Selbstschutzinhalten\u00bb an. Die inhaltlichen Schwerpunkte variieren je nach Altersgruppe. F\u00fcr Vorschulkinder und Kinder im Grundschulalter seien die Unterrichtseinheiten wesentlich k\u00fcrzer. Im Zeitraum von 2021 bis heute seien \u00fcber 3.000 Kinder in Erster Hilfe geschult worden. Der Fokus liege \u00abauf einfachen Erste-Hilfe-Ma\u00dfnahmen\u00bb, teilte Maike Weber vom Kreisverband mit. Dazu geh\u00f6rten unter anderem das Tr\u00f6sten, das Absetzen eines Notrufs und der Umgang mit einfachem Verbandmaterial. Auch das Erkennen von Gefahren- und Notfallsituationen werde mit den J\u00fcngeren behandelt. Dabei k\u00e4men insbesondere Bilder, Geschichten und Rollenspiele zum Einsatz. Die Kurse f\u00fcr Erwachsene seien ebenfalls praxisnah gestaltet. Bei den \u00c4lteren gehe es nach Angaben des Kreisverbandes \u00abprim\u00e4r um lebensrettende Sofortma\u00dfnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung, die stabile Seitenlage\u00bb oder \u00abdas Stillen von bedrohlichen Blutungen\u00bb. Tat\u00fc Tata F\u00fcr den letzten Teil des Kita-Kurses geht es nach drau\u00dfen. Vor der Einrichtung steht ein Krankenwagen des DRK. Anne Muster \u00f6ffnet die Fahrzeugt\u00fcr. Zun\u00e4chst z\u00f6gern die Kinder, dann gehen sie doch auf Erkundungstour. Ein Junge und ein M\u00e4dchen liegen Probe auf der Trage, zwei andere Kinder setzen sich ans Steuer des Krankenwagens. Dann schaltet Muster das Blaulicht ein und zeigt den Kleinen den Notfallrucksack. Ein Junge versucht ihn aufzuziehen, merkt aber schnell, wie schwer er ist. Zum Abschluss testet Muster noch einmal die Kursteilnehmer und -teilnehmerinnen, wie sie in einem Notfall Hilfe holen k\u00f6nnen. \u00ab112\u00bb, rufen zwei M\u00e4dchen zeitgleich. \u00abDen Arzt rufen\u00bb, fl\u00fcstert ein Junge und wartet gespannt darauf, ob seine Antwort stimmt. Auf die Frage, was ihm heute am meisten Spa\u00df gemacht hat, antwortet er sp\u00e4ter: \u00abEinen Krankenwagen von innen zu sehen.\u00bb Kursleiterin Muster zieht ein positives Fazit: \u00abAlso was mich \u00fcberrascht hat, dass hier in der Kita sehr, sehr viel im Rollenspiel mit Verb\u00e4nden gewickelt wird. Also das war f\u00fcr die Kinder fast schon wirklich Alltag. Das fand ich toll.\u00bb \u00a9 dpa-infocom, dpa:261009-930-812438/1