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18.08.2026
14:11 Uhr
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In Mecklenburg-Vorpommern dürfte die AfD bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden. Welche Regierungsoptionen gibt es? Und wie steht es um die Brandmauer? Ein Überblick

In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September ein neuer Landtag gewählt. In Umfragen liegt die AfD derzeit deutlich vor der regierenden SPD. Chancen auf eine absolute Mehrheit hat sie – anders als in Sachsen-Anhalt – aber eher nicht. Welche Koalitionen wären möglich? Und hält die Brandmauer? Warum ist die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern so wichtig? Im September werden drei Landtage neu gewählt: Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Stand jetzt dürften sich die politischen Kräfteverhältnisse fast überall grundlegend verschieben. Die rechte AfD verzeichnet in Umfragen einen deutlichen Zuwachs, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern strebt sie sogar eine Alleinregierung an. In Sachsen-Anhalt ist das aktuellen Umfragen zufolge nicht unrealistisch; in dem Bundesland liegt AfD bei 43 Prozent . In Mecklenburg-Vorpommern sind es derzeit 36 Prozent . Die SPD, die in Mecklenburg-Vorpommern seit 1998 mit wechselnden Koalitionspartnern regiert, liegt mit 29 Prozent weit dahinter. Manuela Schwesig, die seit 2017 Ministerpräsidentin des Landes ist, setzt im Wahlkampf alles daran, eine absolute Mehrheit für die AfD zu verhindern. »Ich will mein Bundesland vor der AfD retten«, sagte sie. 2021 hatte die SPD die AfD noch deutlich hinter sich lassen können. Dieses Mal ist unklar, ob und wie die SPD weiter regieren kann. Die Wahl ist eine Richtungsentscheidung für die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig gilt sie – wie auch die Wahlen in Berlin und insbesondere in Sachsen-Anhalt – als politischer Stimmungstest für ganz Deutschland – und könnte damit auch Auswirkungen auf die Bundespolitik haben. Es gibt sogar Spekulationen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz bei einem schlechten Abschneiden der CDU bei den Landtagswahlen seinen Posten abgeben könnte. Wie ist die politische Ausgangslage? Seit 2021 führt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig eine gemeinsame Regierung mit den Linken. Die SPD hatte die Wahl mit rund 40 Prozent der Stimmen klar gewonnen . Für die Linken stimmten rund zehn Prozent der Wählerinnen und Wähler. Die CDU – voriger Koalitionspartner der SPD – erzielte mit rund 13 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis in dem Bundesland und landete hinter der AfD, die auf mehr als 16 Prozent kam. Auch Grüne und FDP schafften den Wiedereinzug in den Landtag. Wie wahrscheinlich ist es, dass die AfD regieren wird? Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern liegt in Umfragen zwar deutlich vorn. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Partei die absolute Mehrheit erreichen könnte – anders als in Sachsen-Anhalt , – nicht besonders hoch. Für eine absolute Mehrheit braucht es in den Landtagen nicht 50 Prozent aller Stimmen, sondern mindestens 50 Prozent der Stimmen der ins Parlament eingezogenen Parteien. Für den Einzug müssen die Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Je weniger Parteien einziehen, desto wahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit der Sitze für die AfD. Alle Stimmen für Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, gehen verloren und zählen nicht für die Sitzverteilung. In Mecklenburg-Vorpommern sollten es SPD, Linke und CDU in den Landtag schaffen. Bei Grünen und BSW könnte es knapp werden. Welche Koalitionen wären möglich? Es gibt noch einige Unwägbarkeiten: Schaffen es die Grünen und das BSW über die Fünf-Prozent-Hürde? Hält die CDU daran fest, nicht mit der Linken regieren zu wollen? Abhängig davon sind unterschiedliche Szenarien möglich. 1. Szenario: Rot-Rot-Grün erhält eine Mehrheit: Sollten es die Grünen in den Landtag schaffen, könnte Manuela Schwesig möglicherweise Ministerpräsidentin bleiben. 2. Szenario: Die AfD wird stärkste Kraft, aber ohne eigene Mehrheit: In diesem Fall müsste die Partei zumindest eine Duldung durch eine andere Partei erreichen. Das wird derzeit offiziell ausgeschlossen. 3. Szenario: Keine Mehrheit ohne CDU: Die CDU schließt eine Zusammenarbeit mit der Linken und der AfD aus. Die Frage ist, ob sie daran festhält. 4. Szenario: Eine Minderheitsregierung ohne AfD: Diese ist für Mehrheiten auf die Unterstützung mindestens einer Oppositionsfraktion angewiesen. Wie steht es um die Brandmauer? Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat Zweifel daran äußert, ob die Abgrenzung der CDU gegenüber der AfD nach der Landtagswahl noch steht. »Ich kann dafür nicht meine Hand ins Feuer legen, dass das nicht so kommen würde«, sagte die SPD-Politikerin im Politico -Podcast Berlin Playbook. Die Landes-CDU lehnt eine Zusammenarbeit mit der AfD offiziell ab. Auf kommunaler Ebene sieht die Realität aber anders aus. Einer Studie zufolge sind zwischen 2019 und 2024 mehr als 100 Fälle belegt, in denen Vertreter anderer Parteien AfD-Anträgen in Kreistagen zustimmten – auch von der CDU. Landeschef Daniel Peters sagte im Frühjahr 2025 : »In Ostdeutschland gibt es auf Kommunalebene keine Brandmauer mehr mit der AfD.« Ein »Weiter so« funktioniere nicht. »Wenn wir die AfD ausgrenzen und dämonisieren, drücken wir die AfD genau in jene Rolle, in der sie sich besonders wohlfühlt – nämlich in die Opferrolle«, sagte Peters. Vorpommern-Rügens Landrat Stefan Kerth (parteilos) zeigte sich offen für eine Regierungsbeteiligung der AfD. Nur wenn Koalitionen mit der AfD nicht mehr per se ausgeschlossen würden, entstehe im linken Lager echter Handlungsdruck, sagte Kerth dem NDR . Kerth war 2023 wegen Kritik an der Asyl- und Migrationspolitik aus der SPD ausgetreten. Auch im BSW gibt es Streit über den Umgang mit der AfD. Die Spitze der Bundespartei hatte der AfD eine punktuelle Zusammenarbeit nach den Landtagswahlen angeboten. Im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern gab es einem NDR-Bericht zufolge daraufhin Rücktritte. Auch in der Bevölkerung scheint die Abgrenzung zur AfD nicht eindeutig. In einer Umfrage im Auftrag des NDR hielten 50 Prozent eine AfD-Beteiligung für möglich; 51 Prozent lehnten allerdings einen AfD-Ministerpräsidenten ab. Mit welchen Spitzenkandidaten und Themen treten die Parteien an? Der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern ist in vollem Gange. Das sind die Schwerpunkte der Parteien und ihre Spitzenkandidatinnen und -kandidaten: SPD: Für die SPD tritt erneut Manuela Schwesig an. Die 52-Jährige ist seit 2017 SPD-Parteivorsitzende und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Zuvor war sie Bundesfamilienministerin. In ihrem Wahlprogramm setzt die SPD drei Schwerpunkte: Wirtschaft, Familie und Demokratie. Die Partei will die Wirtschaft stärken, Arbeitsplätze schaffen und sichern. Zwei Milliarden Euro, die dem Land aus dem Bundes-Sondervermögen zustehen, sollen in die Infrastruktur fließen. Zudem will die SPD in Bildung und soziale Sicherheit investieren und Familien entlasten. Sie verspricht, die beitragsfreie Kinderbetreuung beizubehalten und eine Milliarde Euro in Schulen einzusetzen. Dritter Schwerpunkt ist die Stärkung von sozialem Miteinander, Demokratie und Ehrenamt: Bürgerinnen und Bürger sollen etwa durch die Einführung der qualifizierten Volksbefragung mehr Mitsprachemöglichkeit bekommen. Geplant sind auch deutliche Investitionen in die Feuerwehren. AfD: Für die AfD tritt Leif-Erik Holm an. Der 56-Jährige ist seit 2017 Bundestagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. In Mecklenburg-Vorpommern hat er keinen Platz auf der Landesliste, tritt aber im Wahlkreis von Schwesig als Direktkandidat an. Auf Listenplatz 1 der AfD-Landesliste steht Enrico Schult. Der 47-Jährige wurde 2021 in den Landtag gewählt, zusammen mit Holm ist er Landessprecher der Partei. In ihrem Wahlprogramm ( PDF ) strebt die AfD eine »blaue Wende« in nahezu allen Politikfeldern an: Wirtschaft, Familie, Bildung, Sicherheit. Ein Schwerpunkt liegt auf der Begrenzung der Migration. Im Wahlprogramm ist die Rede von einem »Aufnahmestopp als Ultima Ratio« und »Remigration« (der Begriff wird in rechtsextremen Kreisen verwendet) von Menschen aus Syrien aus Mecklenburg-Vorpommern. Zudem strebt die AfD landeseigene Abschiebehaft-Einrichtungen, eine »Rückführungspolizei« und eine »Taskforce gegen ausländische Straftäter« an. Asylbewerber sollen ausschließlich Sachleistungen erhalten, die AfD nennt es das »Bett-Brot-Seife-Prinzip«. Schülerinnen und Schüler, deren Deutschkenntnisse aus Sicht des Landesverbands nicht ausreichend sind, sollen in sogenannte Vorschaltklassen. Inklusion lehnt der Landesverband ab. Das Waffenrecht soll ebenso wie die Dokumentationspflicht für Polizeibeamte gelockert werden. Die AfD will wieder in die Kernenergie einsteigen. Die Nord-Stream-Pipeline soll repariert werden, um wieder Erdgas aus Russland zu importieren. Die AfD will den Medienstaatsvertrag abschaffen und die Berichterstattung des NDR in Mecklenburg-Vorpommern einstellen. Linke: Simone Oldenburg war auch schon 2021 Spitzenkandidatin der Linken. Die 57-Jährige hat ihr Landtagsmandat nach der letzten Wahl niedergelegt, weil sie Bildungsministerin wurde. Die Linke setzt in ihrem Wahlprogramm auf einen starken Sozialstaat, Demokratieförderung sowie eine klare Haltung gegen Hass, Ausgrenzung, Rechtsextremismus und Militarismus. Die Linke will 300 Millionen Euro für Bildung ausgeben. Die Partei setzt auf mehr Personal und individuelle Förderung; sie will an jeder Schule Sozialarbeiter etablieren. Wohnkosten für niedrige und mittlere Einkommen sollen Plänen der Partei zufolge dauerhaft unter 30 Prozent des Haushaltseinkommens gehalten werden. Die Linke will die Schuldenbremse und das Ehegattensplitting abschaffen und die Vermögenssteuer wiedereinführen. Ein weiterer Kernpunkt des Wahlprogramms ist der Schutz der Demokratie. Die Linke will politische Bildung fördern, Rechtsextremismus bekämpfen und den Rechtsstaat vor Angriffen schützen – personell und organisatorisch. Sie lehnt Investitionen in die Rüstungsindustrie strikt ab. CDU: Spitzenkandidat für die CDU ist Daniel Peters. Der 45-Jährige ist seit 2024 Vorsitzender der CDU und Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Landtag Mecklenburg-Vorpommern. Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern verspricht in ihrem Wahlprogramm ( PDF ) einen Politikwechsel in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und innere Sicherheit. Teil des Programms ist auch ein Neun-Punkte-Plan. Die CDU will etwa junge Familien beim Immobilienkauf finanziell unterstützen – geplant sind 15.000 Euro pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die CDU will die Digitalisierung vorantreiben und macht sich für eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen stark, in der alle wichtigen Behördengänge gebündelt erledigt werden können. Azubis sollen bei Abschluss einer Ausbildung in Engpassberufen (Pflege, Handwerk oder Gastronomie) 3.000 Euro erhalten. Die Partei will Videoüberwachung ausweiten und plant zusätzliche Stellen bei Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten zur Bekämpfung von Cyberkriminalität und sexualisierter Gewalt gegen Kinder im digitalen Raum. Zudem will die Landes-Partei soziale Medien erst ab 16 Jahren erlauben; vorher nur mit Zustimmung der Eltern. Private Handys sollen an Schulen bis zur 10. Klasse verboten werden. Grüne: Claudia Müller sitzt im Bundestag, steht aber auf Platz 1 der Grünen-Landesliste. Zwischen 2023 und 2025 war die 44-Jährige Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium sowie im Bildungsministerium. Die Grünen setzen in ihrem Wahlprogramm Schwerpunkte auf Klimaschutz, bezahlbares Leben und faire Chancen. Sie will Klimaschutz als Staatsziel in die Landesverfassung aufnehmen. Bis 2035 soll Mecklenburg-Vorpommern klimaneutral werden. Sie fordert einen »Erneuerbaren-Nachbarschaftsbonus«, der vorsieht, dass Anwohner in der Nähe von Wind- oder Solarparks keine Netzentgelte mehr zahlen. Außerdem soll die Ostsee mehr geschützt werden. Der ÖPNV soll ausgebaut werden, Radfahren sicherer, das Deutschlandticket günstiger. Die Partei will die Wirtschaft stärken; etwa indem günstige Rahmenbedingungen für die Ansiedlung energieintensiver Industrien wie Rechenzentren, Batterieproduktion und Zementherstellung geschaffen werden. Handwerk, Mittelstand und Start-ups sollen durch Bürokratieabbau und Digitalisierung gestärkt werden. Zudem wollen sich die Grünen für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Kita-Gruppen sollen kleiner, Bildung gerechter werden. BSW: Für das BSW wird ihr Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern , Peter Schabbel, als Spitzenkandidat antreten. Das BSW will im September das erste Mal in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einziehen. Im Wahlprogramm stellt die Partei die Friedenspolitik in den Mittelpunkt. Sie spricht sich gegen Aufrüstung, Wehrpflicht und den Ausbau der Bundeswehr aus. Zudem setzt die Partei auf soziale Gerechtigkeit. Das BSW will die kostenfreie Kita weiter finanzieren, kostenlose Fahrkarten für Jugendliche unter 27 Jahren und eine bessere medizinische Versorgung. Das BSW ist außerdem gegen einen schnellen Ausbau der Windkraft. Polizei und Justiz sollen gestärkt werden, sie will Zuwanderung begrenzen und steuern. Wie wird gewählt? Die Wahllokale in Mecklenburg-Vorpommern haben am 20. September von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer am Wahltag verhindert ist, kann die Stimme auch per Briefwahl schon vorher abgeben; der Antrag erfolgt online oder per Post. Wählen dürfen deutsche Staatsbürgerinnen und -bürger, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind und seit mindestens 37 Tagen in Mecklenburg-Vorpommern wohnen. Sie können mit der ersten Stimme einen Direktkandidat wählen. Wer im Wahlkreis die meisten Stimmen erhält, zieht in den Landtag ein. Zusätzlich darf jeder Wahlberechtigte mit der Zweitstimme für eine Partei stimmen. Die Zweitstimme entscheidet, wie viele weitere Sitze die Parteien im Landtag bekommen. Um in den Landtag einzuziehen, benötigen Parteien mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen.