Zeit 07.08.2026
16:18 Uhr

Lkw-Fahrverbot: Ver.di wendet sich gegen Lockerung des Lkw-Fahrverbots aus


Der Bundesverkehrsminister will das Lkw-Sonntagsfahrverbot aussetzen, um Lieferengpässen durch das extreme Niedrigwasser in Flüssen zu begegnen. Ver.di ist dagegen.

Lkw-Fahrverbot: Ver.di wendet sich gegen Lockerung des Lkw-Fahrverbots aus
Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di stellt sich ​gegen Pläne, wegen des extrem niedrigen Wasserstands des Rheins und anderer Wasserstraßen das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen zu lockern. »Der Vorstoß geht zulasten der Beschäftigten im Transport- und Logistikgewerbe und ​stellt die gesetzlich geschützten Sonn- und Feiertage ⁠als Tage der Ruhe und ​Erholung infrage«, sagte Ver.di-Logistikexperte Uwe Köpke. »Wer das Sonn- und Feiertagsfahrverbot aus ‌reinen ⁠wirtschaftlichen Erwägungen teilweise abschaffen will, ​greift direkt in die Arbeits- und Lebensbedingungen von Hunderttausenden Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrern ein.« Die Branche sei aber ​bereits von Fachkräftemangel, hohem Zeitdruck und belastenden Arbeitsbedingungen geprägt. Mit einer Lockerung würde die Erwartung wachsen, auch an sieben Tagen der Woche Dienstleistungen bereitzustellen, warnte Köpke. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hatte am Donnerstag angekündigt, zur Vermeidung von Lieferengpässen durch das extreme Niedrigwasser deutscher Flüsse mit den Ländern unter anderem über Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw für besonders betroffene Güter zu sprechen. In dieser Frage habe er bei Länderverkehrsministern die Bereitschaft festgestellt, die entsprechenden Verbote so lange wie nötig auszusetzen, sagte der CDU-Politiker. Katherina Reiche stellt sich hinter Steffen Bilgers Vorstoß Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) unterstützt die Idee ihres Parteifreundes. Es sei gut, dass schnell erste Maßnahmen identifiziert worden seien. »Eine Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lkw kann für die betroffene Industrie eine echte ‌Erleichterung sein«, sagte Reiche. Das Niedrigwasser beeinträchtige wichtige ​Transportwege und führe zu höheren Transportkosten. »Erste Institute befürchten negative Auswirkungen für ⁠unsere Wirtschaft ​insgesamt.« Betroffen vom Niedrigwasser ist unter ‌anderem die Stahlbranche. Der Stahl-Verband-Saar sprach von einem positiven ersten Signal durch Bilger. Neben dem ‌Lkw-Vorstoß sei auch die Zusage der Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo positiv, zusätzliche Kapazitäten ​bereitstellen zu wollen. Der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) sieht den Vorschlag indes skeptisch. Die Vorgaben der Lenk- und Ruhezeitenverordnung müssten eingehalten werden, sagte Vorstandssprecher Dirk Engelhardt der Rheinischen Post.