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10.03.2026
15:16 Uhr
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Nach der Absage der Buchhandelspreisverleihung kritisiert der Grüne Sven Lehmann den Kulturstaatsminister. Wolfram Weimer sei seinem Amt nicht gewachsen.

Der Grünenpolitiker Sven Lehmann hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wegen des Eklats um den Deutschen Buchhandlungspreis kritisiert. "Kein Jahr ist Wolfram Weimer im Amt, und schon hat er tonnenweise Porzellan zerschlagen", sagte der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag. Weimer habe bereits sowohl die Berlinale als auch den Buchhandlungspreis beschädigt. "Offenbar ist er dieser wichtigen Aufgabe nicht gewachsen." Zugleich lobte Lehmann die Kulturbranche. "Ich bin sehr froh, dass sich die Buch- und Verlagsbranche gewehrt und mit den drei ausgeschlossenen Buchhandlungen solidarisiert hat", sagte er. Er kündigte an, dass der Vorgang auch ein Nachspiel im Bundestag haben werde. Schon nach Bekanntwerden der Streichungen hatte Lehmann "ein Klima der Vorzensur, in dem Kultur nicht mehr angstfrei arbeiten kann", kritisiert und von Willkür gesprochen. Weimer hatte vergangene Woche entschieden, drei Buchhandlungen wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Liste der Preisträger streichen zu lassen , die eine Jury für die Auszeichnung ausgewählt hatte. Daran gab es heftige Kritik. Die drei Buchhandlungen The Golden Shop aus Bremen, Rote Straße aus Göttingen und Zur schwankenden Weltkugel aus Berlin kündigten zudem an, sowohl Weimer als auch den Verfassungsschutz wegen des Eingriffs in die Juryentscheidung zum Buchpreis verklagen zu wollen . Am Dienstag teilte ein Sprecher Weimers mit, die für nächste Woche auf der Leipziger Buchmesse geplante Verleihung des Buchhandlungspreises werde abgesagt , weil ein würdevoller Festakt für die Preisträger nicht möglich sei. Die Preise und Urkunden würden den Buchhandlungen direkt zugeschickt, die Bekanntgabe der Hauptpreise solle in gesonderter Form erfolgen. Der Deutsche Buchhandlungspreis für etwa 100 besonders engagierte kleine Buchläden ist mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro dotiert. Linke fordert Konsequenzen Auch die Linke warf Weimer vor, seine Aufgabe als Kulturstaatsminister nicht richtig zu machen. "Dieser Kulturstaatsminister ist eine absolute Fehlbesetzung und Gefahr für die Kunst- und Kulturfreiheit hierzulande", sagte David Schliesing, der medienpolitische Sprecher der Linkenfraktion im Bundestag. "Nachdem er bereits die Berlinale mit seiner politischen Einflussnahme an den Rand des Untergangs gebracht hatte, zündelte Weimer jetzt beim Deutschen Buchhandlungspreis weiter und schädigt damit nicht nur den Preis, sondern auch die Branche nachhaltig." Dass eine angemessene und würdige Preisverleihung nicht mehr möglich ist, gehe einzig auf Weimers Kappe, sagte Schliesing. Dieses Vorgehen müsse Konsequenzen haben. Zudem müsse die "motivierte Streichung von drei Jury-Vorschlägen" umgehend rückgängig gemacht werden. "Eine politische Einflussnahme des Staates auf die Kunst- und Kulturfreiheit verbietet sich." Kritik aus Kulturbranche Nach Bekanntwerden der Preisverleihungsabsage schrieb der Mitbegründer der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, auf X : "Wo es Cancel Culture gibt, ist Feigheit meist nicht weit." Die angekündigte Dialogveranstaltung dazu werde aber "bestimmt lustig". Der Schriftsteller Saša Stanišić warf Weimer auf Bluesky "Inkompetenz, paternalisierende Übergriffigkeit, Willkür, Illiberalität, ideologische Einflussnahme auf Kultur" und Angst vor, und zählte ihn zu den "schlechten Politikern". Ebenfalls auf Bluesky schrieb der Autor Max Czollek, Weimers Entscheidung zeige eine "völlige Fehleinschätzung der Literaturszene und ihrer Solidarität". "Weimer ist von nun an als Kulturminister nicht mehr tragbar." Zuvor hatte bereits der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erhebliche Zweifel an dem Verfahren Weimers geäußert . Das Prüfverfahren und dessen Ergebnisse blieben für die Betroffenen geheim und seien daher nicht anfechtbar, kritisierte dieser. Diskussionen um Berlinale Zuvor hatte es bereits Kritik an Weimers Agieren gegenüber der Berlinale gegeben. Er kündigte einen "Verhaltenskodex" für die Preisverleihung in der Filmbranche an. Nach der diesjährigen Berlinale hatte es Diskussionen um politische Äußerungen auf der Berlinale gegeben. Weimer argumentierte mit der "politischen Polarisierung bei der Preisverleihung am Abschlusstag" – der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib hatte der Bundesregierung in seiner Dankesrede "Beihilfe zum Genozid" in Gaza vorgeworfen . Kritiker sehen in dem geplanten Verhaltenskodex einen möglichen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit .