Zeit 11.03.2026
15:09 Uhr

Krieg im Iran: Tankstellen sollen Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen


Die Bundeswirtschaftsministerin kündigt die Regulierung von Preiserhöhungen an Tankstellen an. Wegen des Irankriegs gibt Deutschland seine Öl-Notfallvorräte frei.

Krieg im Iran: Tankstellen sollen Preise nur noch einmal täglich erhöhen dürfen
Die Bundesregierung reagiert auf die gestiegenen Öl- und Spritpreise infolge des Irankriegs: Deutschland gibt einen Teil seiner Ölreserven frei, außerdem sollen Preiserhöhungen an Tankstellen stärker reguliert werden. Das kündigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an. Die Energieminister der G7-Staaten hatten zuvor gesagt, sie seien gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur (IEA) dazu bereit, die Notfallvorräte freizugeben. Die Vorräte stellen sicher, dass im Kriegs- oder Katastrophenfall genug Öl zum Tanken, Heizen und für die Industrie zur Verfügung steht. Eine Freigabe soll zudem den Preisanstieg abschwächen. Um die Belastung ⁠für Pendler und Unternehmen zu dämpfen, solle die Häufigkeit ​der Preisänderungen an den Zapfsäulen eingeschränkt werden, sagte Reiche weiter. Nach dem Vorbild des "österreichischen Modells" dürften Tankstellen ihre Preise dann nur ‌noch ⁠einmal am Tag erhöhen. Preissenkungen blieben ​dagegen jederzeit zulässig. Zudem will Reiche mit einer Änderung des Kartellrechts die Preis- und Missbrauchsaufsicht verschärfen. Ziel der Begrenzung der Erhöhungsschritte an den Tankstellen sei es, ​den vom Bundeskartellamt beschriebenen "Raketen- und Federeffekt" zu durchbrechen, sagte Reiche. "Kraftstoffpreise steigen bei höheren Rohölkosten extrem schnell an, die Rakete, und sinken dann bei fallenden Kosten aber nur langsam, die Federn. Und diesen Mechanismus wollen wir durchbrechen." IEA soll Rekordmenge an Öl freigeben Die IEA hatte ihre Mitglieder nach Reiches Angaben zur Freigabe von Ölreserven im Umfang von insgesamt 400 Millionen Barrel gebeten. Das sei die größte Freigabe in der Geschichte der Agentur, sagte die CDU-Politikerin. Dies sei ein sichtbares Signal an den Markt, um hohe Risikoaufschläge und Spekulationsgewinne einzudämmen. "Wenn dem Markt Sorge genommen wird vor Knappheit, entspannen sich Preise und wir gehen definitiv von einem dämpfenden Effekt aus." Die IEA koordiniert dabei die Freigabe großer Mengen aus den Reserven, damit kein Land von den Auswirkungen auf die Preise überrascht wird. Weltweit sind 32 Länder Mitglied der IEA. Sie verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Nettoimporte entsprechen. 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat Deutschland hatte Zahlen der IEA zufolge im November vergangenen Jahres 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat. Ein großer Teil davon ist Rohöl, das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vor allem in Norddeutschland gelagert wird. Diesel-, Benzin-, Heizöl- und Kerosinvorräte sind hingegen über das Bundesgebiet verteilt. 400 Millionen Barrel würden die bisherige Höchstmenge von 182 Millionen Barrel zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich übertreffen. Es entspräche in etwa der Menge, die vor dem Krieg innerhalb von 20 Tagen durch die Straße von Hormus transportiert wurde. Weiter hieß es, dass 19,5 Millionen davon aus der deutschen Reserve kommen sollen. Das wäre rund ein Fünftel der Vorräte hierzulande. Die Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus ist praktisch zum Erliegen gekommen. Zuletzt haben Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung befeuert. Spritpreise deutlich gestiegen In Deutschland sind die Spritpreise seitdem deutlich gestiegen . In der Politik läuft eine Debatte über mögliche Gegenmaßnahmen und Entlastungen der Verbraucher. Am Abend kommen die Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD zusammen, um über Entlastungen zu sprechen. Deutschland bezieht sein Rohöl überwiegend nicht aus dem Nahen Osten. Seit Gründung der IEA im Jahr 1974 gab es fünf koordinierte Freigaben aus den Reserven: vor dem Zweiten Golfkrieg 1991, nach den Hurrikans Katrina und Rita 2005, während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und zweimal nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022.