Zeit 10.08.2026
05:43 Uhr

Klimawandel: Westeuropa erlebte heißesten Juni und Juli seit Aufzeichnungsbeginn


Im Schnitt lag die Temperatur in beiden Sommermonaten bei 21,62 Grad. Auch die Weltmeere sind so warm wie nie. Das zeigen neue Daten des EU-Klimadienstes Copernicus.

Klimawandel: Westeuropa erlebte heißesten Juni und Juli seit Aufzeichnungsbeginn
Im Juni und Juli war es in Westeuropa so heiß wie nie zuvor in den beiden Sommermonaten. Die Durchschnittstemperatur in der Region, zu der auch Deutschland gehört, betrug über beide Monate hinweg 21,62 Grad, teilte der EU-Klimadienst Copernicus mit. Damit lagen die Temperaturen im Juni und Juli 2,79 Grad über dem langjährigen Durchschnittswert der Jahre 1991 bis 2020. Bereits der Monat Juni war der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Klimabeobachtungsdienst verweist in seinem jüngsten Lagebericht auf ein ausgeprägtes Temperaturgefälle zwischen Westeuropa einerseits sowie Osteuropa und Skandinavien andererseits, wo es in den beiden Monaten wesentlich kühler war. Auch für Deutschland zeigen die Daten, dass der Südwesten im Juni und Juli deutlich wärmer war als der Nordosten. Zum Wochenstart hat der Deutsche Wetterdienst für Süddeutschland erneut eine Hitzewarnung ausgegeben. Sie gilt für einen Großteil von Bayern und Baden-Württemberg sowie für Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz und des Saarlands. Zugleich steige die Gefahr von Gewittern. An diesem Montag soll es nach der Vorhersage im Süden bis zu 36 Grad heiß werden. Im Nordwesten und Norden liegen die Höchstwerte indes nur zwischen 19 und 25 Grad. Juli 2023 bleibt der heißeste Monat Der Juli war vor allem im Westen Europas extrem heiß. Blickt man auf Gesamteuropa, war der abgelaufene Monat mit einer Durchschnittstemperatur von 20,49 Grad aber nur der elftwärmste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Global gesehen war der Juli in diesem Jahr der zweitwärmste je gemessene Monat. Im weltweiten Vergleich lagen die Temperaturen im Juli 2026 im Schnitt bei 16,90 Grad und damit um 1,47 Grad über dem vorindustriellen Juliniveau. Ähnlich warm war es im Juli 2024 weltweit. Global betrachtet bleibt der heißeste Monat den Daten zufolge der Juli 2023: Vor zwei Jahren lag die Temperatur in dem Monat im Schnitt bei 16,95 Grad. Copernicus hebt in den Analysen für Westeuropa in diesem Jahr auch die extrem lang anhaltende Hitze seit dem späten Frühjahr hervor. Zwischen Mai und Ende Juli 2026 habe es vier Hitzewellen gegeben , das sei für die Region außergewöhnlich. Copernicus nutzt Daten, die bis ins Jahr 1950 zurückgehen, teilweise sind noch frühere Daten verfügbar. »Hitze und Dürre verstärken sich gegenseitig« Die extreme Trockenheit setzte sich im Juli in vielen europäischen Regionen fort. Wie schon im Juni und teilweise im Mai war es auch im vergangenen Monat in vielen Gegenden trockener als im Durchschnitt. Dies betraf vor allem Teile der iberischen Halbinsel, Frankreichs, Deutschlands, Österreichs, Ungarns und Großbritanniens. Der Feuchtigkeitsgehalt der Bodenoberfläche sei im Juli in Westeuropa deutlich niedriger gewesen als im Dürrejuli 2022. »Wenn Böden austrocknen, verlieren sie ihre Fähigkeit, auf natürliche Weise für Abkühlung zu sorgen, sodass sich die Hitze noch leichter aufbauen kann«, sagt Samantha Burgess, strategische Leiterin für Klima bei Copernicus. »Dies ist ein deutliches Beispiel dafür, wie der Klimawandel Hitzeextreme verstärkt: Hitze und Dürre verstärken sich zunehmend gegenseitig.« Hitze und Dürre machten sich auch in den europäischen Flüssen bemerkbar. Deren Wasserstand lag in den meisten der von Trockenheit betroffenen Regionen deutlich unter dem langjährigen Mittel und sank örtlich auf außergewöhnlich niedrige Werte. Besonders betroffen waren demnach die Seine, der Rhein und die Donau. In Deutschland warnten die Binnenschiffer , der Rhein könnte Mitte der Woche wegen des Wassermangels in zwei Teile geteilt werden. Auch Meere sind so warm wie nie Auch die Weltmeere erwärmten sich auf das bisher höchste Niveau. An den Meeresoberflächen wurden im Juli so hohe Temperaturen gemessen wie noch nie für diesen Monat. Die durchschnittliche Meerestemperatur lag im gerade abgelaufenen Juli bei 20,96 Grad und damit noch über dem bisherigen, im Juli 2023 gemessenen Höchstwert von 20,89 Grad. Die Messwerte beziehen sich auf die Meere außerhalb der Polarregionen. Copernicus zufolge sind die Temperaturen im äquatornahen Pazifik infolge des beginnenden Klimaphänomens El Niño besonders hoch. Der El-Niño-Effekt dürfte sich in den kommenden Monaten noch verstärken. Entlang der Atlantikküste und im westlichen Mittelmeer erreichten die Wassertemperaturen Höchstwerte, begleitet von starken maritimen Hitzewellen. Der Klimawandeldienst Copernicus der EU veröffentlicht regelmäßig Daten etwa zur Temperatur an der Erdoberfläche, zur Meereisdecke und zu Niederschlägen. Die Erkenntnisse beruhen auf computergenerierten Analysen, in die Milliarden von Messungen von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen auf der ganzen Welt einfließen.