Zeit 09.10.2026
08:47 Uhr

Extreme Luftverschmutzung: Smog und Hitze in Singapur: Wie geht die Formel 1 damit um?


Extreme Luftverschmutzung: Smog und Hitze in Singapur: Wie geht die Formel 1 damit um?
Wie ein Schleier liegt Smog \u00fcber Singapur. Nach Waldbr\u00e4nden in Indonesien ist der Dunst bis in den Stadtstaat gezogen und besch\u00e4ftigt auch die F\u00fchrungsetage der Formel 1. Am Sonntag (14.00 Uhr/Sky) soll schlie\u00dflich das schillernde Nachtrennen \u00fcber die B\u00fchne gehen. Die Fahrer haben in erster Linie mit Hitze und Luftfeuchtigkeit zu k\u00e4mpfen. Einige von ihnen verzichten sogar freiwillig auf spezielle K\u00fchlsysteme. Was hat es mit dem Smog auf sich? Starker, giftiger Smog, der durch die grassierenden Wald- und Torfbr\u00e4nde in Indonesien entstanden ist, hat weite Teile S\u00fcdostasiens eingeh\u00fcllt. Das hat in Singapur kurz vor dem Grand-Prix-Wochenende zu alarmierend hoher Luftverschmutzung gef\u00fchrt. Die Werte f\u00fcr Luftqualit\u00e4t waren so schlecht wie noch nie in diesem Jahr. Der Nachrichtenkanal Channel NewsAsia und \u00abThe Straits Times\u00bb berichten heute, dass der Schadstoffindex des Inselstaates in den f\u00fcr die Gesundheit bedenklichen Bereich geraten ist. Der Motorsport-Weltverband Fia hatte tags zuvor erkl\u00e4rt, dass der Smog aus Indonesien keine Bedrohung f\u00fcr das Formel-1-Rennen darstelle. Sollte sich die Luftverschmutzung verschlimmern, k\u00f6nne es aber zu Einschr\u00e4nkungen bei Aktivit\u00e4ten im Freien kommen. Diese w\u00fcrden sich aber vor allem auf das Unterhaltungsangebot, aber weniger auf das Fahrerlager und die Rennstrecke beziehen. Der Veranstalter des Nachtrennens wiederum wiegelte ab. Es gebe \u00abderzeit keine Pl\u00e4ne\u00bb, das Unterhaltungsprogramm zu \u00e4ndern. \u00abWir werden im Rahmen unserer \u00fcblichen Veranstaltungsplanung und -durchf\u00fchrung weiterhin alle Wetterbedingungen, einschlie\u00dflich Smog, genau beobachten\u00bb, sagte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Adam Firth. Was macht das Rennen zum k\u00f6rperlich vermutlich anspruchsvollsten der Saison? Das hat zun\u00e4chst mit dem Klima in Singapur zu tun. Auf dem Marina Bay Street Circuit wird zwar seit 2008 ein Nachtrennen in der Formel 1 ausgerichtet, dennoch liegen die Temperaturen auch zu dieser Zeit bei rund 30 Grad. Zudem herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent. Im Cockpit k\u00f6nnen die Temperaturen auch mal \u00fcber 60 Grad steigen. 19 Kurven unter Flutlicht verlangen von den Fahrern h\u00f6chste Konzentration. \u00dcber 62 Runden gibt es kaum M\u00f6glichkeiten, einmal durchzuschnaufen. Die Streckenmauer ist nur Zentimeter von der Ideallinie entfernt. Zudem bringen Safety-Car-Phasen und die recht niedrige Durchschnittsgeschwindigkeit das Rennen regelm\u00e4\u00dfig in die N\u00e4he des Zwei-Stunden-Limits. Schwerstarbeit. Oder wie es Red Bull formuliert: Der Grand Prix sei \u00abwie zwei Stunden lang in einer Sauna zu boxen, w\u00e4hrend man auf einer Achterbahn sitzt.\u00bb W\u00e4hrend einem typischen Singapur-Rennen verlieren die Fahrer dann bis zu vier Kilogramm Gewicht, das entspricht etwa vier Litern Schwei\u00df. Wie reagieren die Regelh\u00fcter auf diese besonderen Bedingungen? Der Motorsport-Weltverband Fia hat f\u00fcr Singapur eine Hitzewarnung ausgesprochen. Das ist eine zu Beginn der Saison 2025 eingef\u00fchrte Regel, wenn die Wettervorhersage f\u00fcr das Rennwochenende Temperaturen von mindestens 31 Grad erwarten l\u00e4sst. Unter diesen Bedingungen k\u00f6nnen die Teams ein spezielles K\u00fchlsystem einsetzen, um die k\u00f6rperliche Belastung der Fahrer w\u00e4hrend des Rennens zu reduzieren. Hintergrund war der physisch extrem belastende Grand Prix von Katar 2023. Der damalige Williams-Pilot Logan Sargeant musste in der Hitze dehydriert und k\u00f6rperlich am Ende seinen Wagen vorzeitig abstellen. Wie sieht dieses spezielle K\u00fchlsystem aus? Es handelt sich dabei im Kern um eine K\u00fchlweste. Das System besteht aus einer Pumpe, Leitungen und einem thermischen Speicher. In einer speziell angepassten feuerfesten Weste flie\u00dft gek\u00fchlte Fl\u00fcssigkeit durch Schl\u00e4uche und k\u00fchlt so den K\u00f6rper. Dieses System, von dem Komponenten im Auto verbaut werden, ist aber nicht verpflichtend. Jeder Fahrer, der darauf verzichtet, muss dann f\u00fcnf Kilogramm Ballast in seinem Wagen mitf\u00fchren, um keinen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Warum sollte man auf so eine Weste \u00fcberhaupt verzichten? Das System ist nicht ausgereift. Deshalb verzichten Max Verstappen (Red Bull) oder Kimi Antonelli (Mercedes) auch darauf. Der WM-F\u00fchrende aus Italien erinnerte an das Versagen seines Pumpsystems beim Rennen in Austin im vergangenen Jahr. Damals sorgte ein Defekt der Weste daf\u00fcr, dass auf einmal 50 Grad hei\u00dfes Wasser durch die Schl\u00e4uche lief. \u00abIch erlitt einen Hitzschlag nach der Einheit\u00bb, erz\u00e4hlte Antonelli. \u00abSeitdem trainiere ich lieber hart, um es nicht am Wochenende zu brauchen.\u00bb Verstappen geht lieber mal zur Vorbereitung in die Sauna oder das Dampfbad, um sich mit dem \u00abUnbequemen anzufreunden\u00bb, wie er es selbst schon in Malaysia ausdr\u00fcckte. \u00abSelbst, wenn es f\u00fcr eineinhalb Stunden funktionieren und k\u00fchlen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich es nicht gebrauchen.\u00bb Die Schl\u00e4uche im Chassis w\u00fcrden seinen Bewegungsradius zudem unn\u00f6tig einengen. Ferrari-Fahrer Charles Leclerc zieht die K\u00fchlweste dagegen gerne an. \u00abIch bekomme wenigstens 15 bis 20 Runden Abk\u00fchlung. Daf\u00fcr bin ich schon dankbar\u00bb, sagt er. Und weshalb ist das Rennen f\u00fcr Verstappen noch besonders? Der viermalige Weltmeister bestreitet seinen 250. Grand Prix. Mit gerade einmal 29 Jahren. 72 Rennen hat der Niederl\u00e4nder gewonnen - nur Lewis Hamilton (106) und Michael Schumacher (91) haben mehr. Erst am Sonntag in Malaysia feierte Verstappen seinen ersten Saisonsieg im Red Bull. In Singapur hat er allerdings noch nicht gewinnen k\u00f6nnen. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261009-930-812973/2