Zeit 13.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: "Stint, das ist eigentlich nur Geselligkeit und Panade." Stimmt’s?


Die Elbvertiefung am Freitag – Mit Tränen am Thalia-Theater, einem Granatsplitter und Balkonen, auf denen nicht Polka getanzt wird

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg:
Liebe Leserin, lieber Leser, gönnen Sie sich jetzt endlich den Stint, auf den Hamburg nach diesem Winter so lange warten musste? Ich tue das gerade. Zwar bin ich in Armenien, das keinen Elbzugang hat; doch ich habe vorgesorgt. Die ideenreichen Betreiber des Gasthauses zur Post in Cranz lassen neuerdings Stint in Dosen abfüllen. Er schmeckt gar nicht übel in seiner süßsauren Tunke. Aber man hat Mühe, zwischen Gräten, Flossen, Zwiebelstücken und Haut mit aufgeweichter Panade ab und an ein Stück Fleisch freizulegen. Dies ist vielleicht der rechte Moment, Ihnen etwas zu beichten: Auch nach 20 Jahren in Hamburg ist dieser Stint-Kult mir fremd. Er trieb mich stets in den einen oder anderen Landgasthof, wo alles noch so aussah wie zur Kanzlerschaft Helmut Kohls: Bierdeckel, Sparvereinskästen, Speisekarten in Klarsichtfolie, wortkarger Service durch die Besitzer. Und Stammgäste, die misstrauisch schauten. Auch scheint man diesen Fisch nur auf eine einzige Art zubereiten zu dürfen: in Mehl gewälzt und ausgebraten, flankiert von Kartoffeln und Alibi-Salat. Wer sich ansonsten von Matjes oder Sprotten ernährt, mag dem Stint zugutehalten, dass er um einiges feiner schmeckt. Neulich las ich sogar, ganz frisch entfalte er ein feines Gurkenaroma. Trotzdem verblüfft mich immer wieder, wie Leute Platte um Platte davon verputzen können. Einmal hörte ich, wie eine Frau am Nebentisch etwas Denkwürdiges sagte: Sie freue sich schon auf den Mai, wenn es wieder Schollen gibt. "Stint, das ist doch eigentlich nur Geselligkeit und Panade." Ist da was dran, oder war ich bis jetzt nur in den falschen Lokalen? Falls Sie einen Tipp für mich haben, gern an hamburg@zeit.de . Ich schaffe jetzt mal die Stint-Konserve aus dem Hotelzimmer, sonst fällt das Zimmermädchen nachher in Ohnmacht. Denn – so lieb mir das gerade wäre – nach Gurke riecht es hier nicht. Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins Wochenende Ihr Michael Allmaier PS: Heute um 17.30 Uhr erscheint eine neue Folge unseres Podcasts. Dieses Mal spricht Ressortleiterin Maria Rossbauer mit Tom Kroll und Christoph Heinemann darüber, was der Krieg im Iran für Exil-Iranerinnen und -Iraner sowie für die Sicherheitslage in Hamburg bedeutet. Die Folge und unser Archiv finden Sie hier Was heute wichtig ist Ein Containerschiff von Hapag-Lloyd ist westlich der Straße von Hormus von einem Granatsplitter getroffen worden. Auf der Source Blessing sei daraufhin ein Feuer ausgebrochen, teilte die Reederei mit. Die Besatzung konnte das Feuer löschen. Seit dem Krieg im Iran ist der Verkehr in der Meerenge südlich des Landes nahezu zum Erliegen gekommen. Lesen Sie dazu ein Interview mit der Flottenchefin Silke Lehmköster . Hamburg die höchste Ärztedichte Deutschlands : Auf 100.000 Einwohner kommen 315 Ärztinnen und Ärzte (inklusive Psychotherapeuten). Das geht aus Zahlen des Bundesarztregisters hervor. Dabei ist der Frauenanteil mit 58,9 Prozent der bundesweit zweithöchste. Bei der Versorgung mit Hausärzten ist Hamburg auf Rang 2. Die sieben Anbauvereinigungen in der Stadt haben im vergangenen Jahr 230 Kilogramm Cannabis an ihre etwa 1.700 Mitglieder weitergegeben. Das stehe nicht im Verhältnis zu den Verwaltungskosten von etwa 800.000 Euro bei Behörden und Ämtern, kritisiertet die CDU-Fraktion in der Bürgerschaft; auch die anvisierte Verdrängung des Schwarzmarktes sei nicht erfolgt. BUND und NABU haben eine Machbarkeitsstudie für die ökologische Aufwertung der Außenalster vorgestellt. Geplant sind im Rahmen des Projekts unter anderem mehr Rückzugsmöglichkeiten für Fische, der Umbau fester Uferbebauungen und bepflanzte Inseln. Wegen des Pilotenstreiks bei der Lufthansa fallen auch heute wieder Flüge aus. Der Flughafen rät betroffenen Reisenden, ihren Flugstatus direkt bei der Airline zu prüfen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit erwartet bundesweit rund 300 Flugausfälle pro Tag. Aus Hamburg Trittschalldämmung auf Balkonen? "Haben wir nie gemacht." Vor einem Jahr rief Hamburg die Revolution im Wohnungsbau aus – ein neuer Baustandard soll weit günstigere Mieten ermöglichen. Nun zeigt sich: So einfach ist das nicht. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autor Christoph Twickel. "Ich möchte keine vier Zentimeter zu dicken Decken mehr sehen", ruft die Senatorin ins Auditorium: "Und wir haben den Brandschutz wirklich erleichtert für Sie!" Es ist der 19. Februar 2026, Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD) spricht im Hotel Hafen Hamburg beim jährlichen Immobilienforum. Etwa 200 Branchenvertreter – überwiegend Männer in dunkelblauen Anzügen – hören zu, wie die Senatorin erläutert, dass die Baukosten in den vergangenen zehn Jahren um fast 70 Prozent gestiegen seien. Doch mit dem neuen "Hamburg-Standard" solle der Wohnungsbau endlich wieder günstiger werden. "Wer von Ihnen hat schon mal vom Hamburg-Standard gehört?", fragt die Senatorin. Fast alle Hände gehen in die Luft. "Wer von Ihnen baut schon mit diesen Hinweisen?" Nur zwei Teilnehmer des Immobilienforums melden sich. Vor einem Jahr, im Februar 2025, hatte Pein den Hamburg-Standard mit großem Tamtam der Öffentlichkeit präsentiert , flankiert von einem Dutzend Vertreterinnen und Vertretern aus der Baubranche, den Behörden, der Architektur, aus Universitäten und Ingenieurbüros. Der Hamburg-Standard ist Peins großes Versprechen an die Stadt. 4.600 Euro kosten Bau und Planung eines Quadratmeters Wohnfläche in Hamburg derzeit durchschnittlich. Mit dem neuen Programm soll man ein Drittel dieser Kosten einsparen können – wenn alle mitmachen: Wenn die Behörden schneller und einfacher genehmigen, und die Baufirmen, Planerinnen, Planer und Bauherren besser kooperieren und überzogene Standards überdenken. Das neue Programm ist der "langersehnte Durchbruch" für den Wohnungsbau, sagt Karen Pein. Kosten von 3.000 Euro pro Quadratmeter sollen wieder möglich sein, dann läge man bei 12 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, so das Credo der Senatorin. Sogar der Bürgermeister unterstützte vor einem Jahr die Senatorin. Flure müssten keine Fußbodenheizung haben, und Balkone keine Trittschalldämmung, sagte Peter Tschentscher bei der Präsentation: "Auf dem Balkon wird ja nicht Polka getanzt." Womit der Hamburg-Standard überzeugt – und wo in der Praxis Schwächen liegen, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Man hört, es seien Tränen geflossen Milo Rau hat Mitte Februar ein Verbot der AfD durchspielen lassen, spektakulär und kontrovers. Warum der Ärger am Thalia Theater danach richtig losging, hat ZEIT-Redakteur Sven Behrisch aufgeschrieben. → Zum Artikel (Z+) Darauf können Sie sich freuen Noch bis Ende März widmet das Barlach Kunstmuseum Wedel Michael Jackson eine Ausstellung: Sie nähert sich dem Popstar über seine zehn Studioalben an. Versprochen wird ein differenzierter Blick auf Jackson mit einer Fülle an Bild- und Textmaterial. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der gleichnamige Film This Is It von 2009, der die Proben zu Jacksons Comeback-Konzert dokumentiert. 19 Tage vor dem geplanten Auftritt starb er. "This Is It" , bis 29.3; Barlach Kunstmuseum Wedel ; Mühlenstraße 1; Di–So 11–19 Uhr Meine Stadt Hamburger Schnack Durchsage im Bus der Linie 5: "Liebe Fahrgäste. Können Sie bitte Tür 2 freimachen, damit wir weiterfahren können. Auch Tür 4 und 5 fahren zum Hauptbahnhof. Sie können also ruhig nach hinten durchgehen." Günter Daubenmerkl Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .