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02.10.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Freitag – Mit Zuspruch für Rot-Grün, einem neuen Technoclub im Oberhafen und dem geschassten Ballettchef Demis Volpi

Liebe Leserin, lieber Leser, am Wochenende waren die Norddeutschen Apfeltage, ein Fest im Botanischen Garten, das jedes Jahr in der Haupterntezeit stattfindet. 12.000 Leute waren da. Ich nicht, ich habe es vergessen. So, wie die ganze Apfelsaison beinah an mir vorbeigezogen wäre. Das ist das Pech der in Deutschland beliebtesten Frucht: Sie ist schon so lange allzeit verfügbar, dass man sie für selbstverständlich nimmt. Was vielleicht ein Fehler ist. Neulich brauchte ich zum Kochen einen sauren Apfel. Ich fand aber keinen in den Supermärkten meiner Nachbarschaft. Solche Themen werden auf den Apfeltagen verhandelt, denn viele der passionierten Gärtner und Sortenbestimmer eint das Credo, dass Monokultur und Globalisierung die Geschmacksvielfalt verarmen. Und dass es darum wichtig ist, die alten Sorten zu retten. Von Obstbauprofis habe ich das Gegenteil gehört. Da spricht man lieber von einer jahrtausendelangen Veredelung des kaum genießbaren Wildapfels, an deren Spitze jetzt Elstar, Gala und Jonagold stehen. Und wenn die einander bis zur Langweiligkeit ähneln, dann nur darum, weil die meisten Verbraucher sie genau so schätzen. Ich weiß nicht, was stimmt, es klingt beides plausibel. Also probiere ich es aus. Mehrere Höfe im Alten Land verschicken Verkostungspakete. Meines stammt vom Herzapfelhof Lühs in Jork: 30 Sorten für 40 Euro. Manche der Äpfel sind klein wie Golfbälle, andere ähneln eher einer Paprika. Das heißt wohl: Steve-Jobs-Diät für die nächsten paar Wochen. Aber schon die Namen machen Lust: Roter Astrachan, Geheimrat Dr. Oldenburg, Horneburger Pfannkuchenapfel ... Und wer wird im Lokalderby der Hamburger Sorten punkten: der Finkenwerder Herbstprinz oder der Wohlschmecker aus Vierlanden? Was noch mehr Spaß macht: die Äpfel selbst pflücken. Im Garten des Herzapfelhofs sind 250 Sorten gepflanzt – 250 Bäume der Erkenntnis. Nehmen Sie nur einen Rat von mir: jeden Apfel beschriften. Sofort. Sonst wird das nichts mit der Erkenntnis. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Wenn am Wochenende in Hamburg gewählt würde, könnten SPD und Grüne weiter regieren. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Trend Research im Auftrag von Radio Hamburg. Die SPD käme demnach auf 29 Prozent (bei der letzten Bürgerschaftswahl 2025 erreichte sie 33,5 Prozent) und die Grünen auf 18 Prozent (zuvor: 18,5). Die AfD könnte ihren Anteil verdoppeln und käme auf 14 Prozent (7,5), die Linke würde noch stärker mit 15 Prozent (11,2). Die CDU müsste erhebliche Verluste hinnehmen und zöge mit 12 Prozent (19,8) als kleinste Fraktion in die Bürgerschaft ein. Unser Archivbild zeigt die Unterschrift des Koalitionsvertrags 2025. Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel gibt sein Amt auf. Er will laut Innenbehörde aus persönlichen Gründen nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren. In Köln soll er im Frühjahr 2027 ein neu eingerichtetes Dezernat für Sicherheit, Ordnung und Recht übernehmen. Der 57-Jährige hatte das Amt vor knapp drei Jahren übernommen, zuvor war er Polizeipräsident in Köln. Hamburg war zum Jahresende 2025 das Bundesland mit der jüngsten Bevölkerung. Laut Statistischem Bundesamt waren die Menschen hier durchschnittlich 42,3 Jahre alt. Die älteste Bevölkerung wies Sachsen-Anhalt auf (48,4 Jahre). Deutschlandweit ist das Durchschnittsalter innerhalb der letzten 15 Jahre um gut ein Jahr auf 45 Jahre gestiegen. Wegen Rissen im Gemäuer eines Wohn- und Geschäftshauses in der Bremer Reihe in St. Georg hat die Feuerwehr mehr als 30 Menschen in Sicherheit gebracht . Die Risse waren bei Bauarbeiten entdeckt worden. Ein Baustatiker des Bezirks prüfe vor Ort den Schaden, so ein Sprecher der Feuerwehr. Martin Hofmann wird der neue Hauptpastor am Michel . Er setzte sich im dritten Wahlgang mit 73 von 92 Stimmen gegen seinen Mitbewerber Georg Knauer durch, wie der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Hamburg-Ost mitteilte. Hofmann tritt die Nachfolge von Alexander Röder an, der Ende Januar 2027 in den Ruhestand geht. Hofmann ist seit 2007 Pastor an der Christuskirche in Hamburg-Othmarschen. Nachricht des Tages Heute Abend eröffnet ein neuer Club in Hamburg: Das glimmer befindet sich im historischen Lokschuppen des Oberhafenquartiers (Stockmeyerstraße 43). Hier habe sich Hamburg »mal angefühlt wie Berlin«, sagt Egbert Rühl, Chef der städtischen Kreativgesellschaft. Ende der 2010er-Jahre sei das gewesen, als ein Club namens Moloch hier tagelange Raves veranstaltete und die Schlangen teils bis zur Oberhafenkantine reichten. Nun eröffnet an derselben Stelle ein neuer Club. Weil die Wohnungen der HafenCity inzwischen in Hörweite herangerückt sind, musste das alte Gemäuer entkernt und lärmgeschützt neu errichtet werden. Ohne öffentliches Geld ging das nicht – ein Teil der rund drei Millionen Euro Bundesförderung für die Sanierung des Oberhafens steckt im glimmer . »Wir wollen unseren Teil zur Hamburger Clubgeschichte beitragen«, sagt Anton Burmester, der gemeinsam mit zwei Mitstreitern das glimmer betreibt. »Hier soll es nicht nur Wochenend-Hedonismus geben, es soll auch ein Begegnungsort sein«, sagt Burmester. Unter anderem werde es eine Werkstatt geben und ein Tonstudio. An diesem Wochenende geht es erst mal mit Livekonzerten von Carlo Karacho, Just For Fun und Tam Nook los (heute ab 21 Uhr, DJ-Set ab 0 Uhr) sowie einer Clubnacht mit Ani con Gas, DJ Sportschuh, BNZN, Fenimore, KVLR und vielen anderen (morgen ab 0 Uhr). Von Christoph Twickel AUS HAMBURG »Es fühlte sich an wie Verrat« Demis Volpi war gerade mal neun Monate Chef des Hamburg Balletts, dann musste er gehen. Jetzt spricht er zum ersten Mal über die Vorwürfe seiner Tänzer. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview von Stella Schalamon und Florian Zinnecker aus der ZEIT-Redaktion DIE ZEIT: Im Sommer 2024 haben Sie die Leitung des weltberühmten Hamburg Balletts übernommen. Neun Monate später waren Sie den Job wieder los – unter Umständen, die auch heute nicht geklärt sind. Wie ist es Ihnen seither ergangen? Demis Volpi: Es war nicht einfach. Anfangs fühlte ich mich wie gelähmt. Ich bin kein Politiker, so was prallt nicht an mir ab. Mittlerweile freue ich mich, mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren zu können. Aber es fiel mir schwer, das Vertrauen in meine Wahrnehmung zurückzugewinnen. ZEIT: Wie haben Sie dieses Vertrauen verloren? Volpi: Wenn man Woche um Woche Dinge über sich liest, die so anders sind als das, was man selbst erlebt hat, dann beginnt man, an sich zu zweifeln. Ich wurde als eine Person dargestellt, die zwei Gesichter hat: nach außen hin freundlich, aber mit einer geradezu sadistischen Lust daran, andere zu demütigen. Das ist deshalb so perfide, weil man sich dagegen sehr schwer wehren kann. Das Bild, das von mir gezeichnet wurde, war das Porträt eines Monsters. ZEIT: Es gab also keine Momente, über die Sie rückblickend sagen: Da haben Sie Fehler gemacht? Volpi: Mein größter Fehler war sicher, Zuversicht zu wagen. Ich habe ein Grundvertrauen in andere Menschen. Mit diesem Grundvertrauen bin ich in Hamburg an die Arbeit gegangen. Das war naiv. Wie Demis Volpi den öffentlichen Konflikt um seine Person erlebte und wieso er sich von Kultursenator Carsten Brosda (SPD) im Stich gelassen fühlt, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Und plötzlich: ein Krater im Asphalt Ein Loch in einem Wasserrohr stört gerade den Hamburger Verkehr erheblich – und die Reparatur könnte noch Monate dauern. Überraschend ist das nicht, schreibt ZEIT-Redakteur Frank Drieschner. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Heute beginnt das 20. Hamburger Comicfestival für die unabhängige internationale und deutsche Comicszene. Das Programm wird unter anderem von Hamburger Künstlerinnen und Studierenden der HAW zusammengestellt. Neben einer Fachmesse gibt es im Gängeviertel, in St. Pauli und in der Neustadt Ausstellungen, Workshops, Lesungen und ein Kinderprogramm. Die Festivaleröffnung findet mit der kanadischen Künstlerin Lee Lai statt. Hamburger Comicfestival, 2.–4.10., Festivaleröffnung am 2.10. im Mom ART Space, ab 18 Uhr Valentinskamp 34A; alle Tage Veranstaltungen in diversen Orten; das umfangreiche Programm finden Sie hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Neulich an der Bushaltestelle. Auf der Sitzbank liegen Secondhand-Kinderbücher, über die kommt man ins Gespräch. Eine Dame, geschätzt 90 Jahre alt, erzählt, dass sie vier Kinder habe, dazu sechs Enkel und einen Urenkel. Sie fragt mich: »Haben Sie auch Enkel?« Ich verneine das. Sie: »Das ist aber schade, da sterben wir alle aus.« Gehört von Margret Silvester Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .