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28.09.2026
16:35 Uhr
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Die Elbvertiefung am Montag – Mit »Red Storm Charlie«, freier Fahrt auf der A7 (aber nur südlich des Elbtunnels) und sehr viel Sparpolitik

Liebe Leserin, lieber Leser, am Wochenende haben sich 19 Professorinnen und Professoren der HafenCity Universität in einem Brief an den Senat und die Presse gewandt. Sie seien in »großer Sorge« um ihre Universität – und um die Zukunft der Stadt Hamburg. Wie kommen sie darauf? Die HafenCity Universität, oder kurz HCU, ist eine kleine, aber feine Hochschule. An der Uni Hamburg gibt es rund 43.000 Studierende, an der HCU 2.600. Auf die Uni kommen 720 Professuren, auf die HCU 45. Viele Universitäten versuchen, das Wissen der Welt in ihren Mauern zu bündeln, von der Dinoforschung bis zur Astrophysik. Beide Fächer würde man in der HCU vergeblich suchen. Hier wurden bei der Gründung vor zwanzig Jahren nur jene Fachbereiche aus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, der Technischen Universität und der Hochschule für bildende Künste gebündelt, die sich mit der Stadt und dem Bauen befassen. An der HCU lehren und lernen also Architektinnen, Bauingenieure, Stadtkulturforscherinnen und Fachleute für Gebäudetechnik. Sie haben unterschiedliche Methoden, aber ein gemeinsames Ziel: Lösungen zu finden für eine Stadt der Zukunft, die klimaresilient, digitalisiert und hoffentlich auch bezahlbar ist. Auf diese Expertise, heißt es im offenen Brief, könne Hamburg nicht verzichten. Es gibt aber noch etwas, das die HCU von anderen Hochschulen unterscheidet: ihr Finanzpolster. So sagte es Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) Ende August vor der Bürgerschaft . Sie will das Budget der HCU im Jahr 2028 einmalig um mehr als ein Drittel kürzen. Jetzt, wo ihre Behörde zweimal rund 40 Millionen Euro pro Jahr einsparen müsse, sei es an der Zeit, dass die HCU ihre Reserven aufbrauche. So einfach gehe das nicht, schreiben die Professorinnen und Professoren. Die Rücklagen seien zweckgebunden, etwa für zusätzlich angemietete Räume. Diese brauche die HCU, weil sie so viele zusätzliche Forschungsvorhaben eingeworben habe, dass ihr 2014 eröffneter Neubau in der HafenCity nicht mehr ausreiche. Demnach würde die HCU nun bestraft werden für ihren Erfolg. Ein Stellen- und Studienplatzabbau seien unvermeidlich, der drohende Imageschaden hoch. Die Verbände von Architekten und Bauingenieuren haben bereits Anfang des Monats protestiert. Dass Einsparungen die HCU treffen, zeuge von einer »falschen Priorität« . Mehr über die Sparpolitik des Senats lesen Sie heute auch in unserer Rubrik »Aus Hamburg«: Mein Kollege Christoph Twickel schreibt dort über den Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Kommen Sie gut in die neue Woche, Ihr Oskar Piegsa PS. Am Dienstag, 6. Oktober, findet die Hamburger Podcast-Nacht im Hansa-Theater statt. Ab 19 Uhr werden insgesamt vier Shows live auf der Bühne aufgezeichnet, darunter auch die »Elbvertiefung«. Tickets gibt es für 10 Euro hier . Wir verlosen zudem fünfmal zwei Karten. Schreiben Sie uns dafür bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff »Elbvertiefung live« an hamburg@zeit.de . Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück! WAS HEUTE WICHTIG IST Südlich des Elbtunnels ist jetzt mehr Platz auf der A7: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat die auf acht Spuren erweiterte Autobahn freigegeben. Nach sechs Jahren Bauzeit soll dort heute der Verkehr wieder rollen. Nördlich des Tunnels dauern die Bauarbeiten für den Ausbau und die Überdeckelung der Autobahn noch an, voraussichtlich bis Ende 2029. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat gegen Sozialkürzungen protestiert . Laut Veranstalter waren am Wochenende in Hamburg 13.000 Menschen auf der Straße. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstrierenden dagegen nur auf unter 5.000 ein. Bei dem bundesweiten Aktionstag demonstrierten Menschen in 15 deutschen Städten. Das SPD-Parteibüro in St. Georg ist mit Flaschen und Farbbeuteln beworfen worden. Bereits zuvor war das Haus mit Schriftzügen beschmiert worden, die sich unter anderem gegen die Militärübung »Red Storm Charlie« richteten. Auch die SPD-Zentrale in Altona wurde beschmiert. Mehr zu der Übung lesen Sie heute in unserer »Nachricht des Tages«, weiter unten in diesem Newsletter. In der Nacht zu Sonntag wurden 21 Menschen aus einem brennenden Haus in Harburg evakuiert. Das Feuer war im Treppenhaus des Gebäudes im Stadtteil Wilstorf ausgebrochen. Verletzt wurde niemand. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Eine 23 Jahre alte Fußgängerin hat lebensgefährliche Verletzungen erlitten , als sie in der Nacht auf Sonntag beim Überqueren des Lokstedter Steindamms in Eimsbüttel von einem Auto erfasst wurde. Schon vor einer Woche war es an der Straße zu einem ähnlichen Unfall gekommen. Nachricht des Tages Als Bundeswehr, Behörden und Firmen in Hamburg drei Tage lang den Kriegsfall übten , gab es dramatische Szenen. Am Samstagmorgen etwa schlugen Flammen aus einem Gebäude der Hamburg Port Authority (HPA). Männer von der Berufsfeuerwehr gingen mit Atemschutz ins Haus, um eingeschlossene Personen zu retten. Freiwillige Feuerwehrleute unterstützten sie. Militärpolizisten ermittelten. Explosion, Feuer, Verwundete, all das gehörte zur Übung »Red Storm Charlie«, bei der die zivil-militärische Zusammenarbeit erprobt wurde. Die HPA war schon vor drei Jahren bei »Red Storm Alpha« dabei, als eine von damals drei teilnehmenden Organisationen. Inzwischen beteiligen sich mehr als 60 Institutionen und Unternehmen, darunter Edeka, Lidl und der Arbeiter-Samariter-Bund. Insgesamt waren rund 1.700 Menschen eingebunden, darunter 500 Soldaten. Zunächst fuhr in der Nacht auf Freitag eine Kolonne aus Militärfahrzeugen und zivilen Lastern durch die Stadt. Geübt wurde das Verlegen von Truppen und Material über den Hafen an die »Ostflanke« der Nato. Danach stand ein Chemieunfall auf dem Programm, dazu ein Sabotageangriff mit Drohne. Am Samstagvormittag wurde eine Notaufnahme in einer Tiefgarage eingerichtet, am Nachmittag bei Lufthansa Technik die Massenversorgung von Verletzten geübt. »Wir sind ein starkes Netzwerk in Hamburg«, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) zum Ende der Übung. Sie und Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos, zogen ein positives Fazit – und kündigten für das kommende Jahr »Red Storm Delta« an. Von Hauke Friedrichs AUS HAMBURG Er muss jetzt ganz stark sein Finanzsenator Andreas Dressel hat eine neue Rolle: Er ist der Spar-General. Auch wenn das gar nicht zu ihm passt. Das Porträt von Christoph Twickel können Sie in der aktuellen Hamburg-Ausgabe der ZEIT lesen, die jetzt am Kiosk erhältlich ist. Einen Auszug gibt es auch hier: Es gibt einen Scherz, den Andreas Dressel gern macht: Wenn er Gäste bei sich in der Finanzbehörde empfängt, zeigt er auf die Wasserflasche oder die Kaffeekanne und fragt, ob er ein bisschen Liquidität einschenken darf. Heute geht das leider nicht, denn wir treffen uns in einem Café in Berlin, nahe der Hamburger Landesvertretung. Was sagt Dressel? »Ich schau mal, was unsere Liquidität macht«, und holt ein Kännchen Tee und eine Tasse Kaffee von der Theke. »Schon haben wir das Gespräch aufgelockert!«, sagt er. Na klar, er ist der Finanzsenator, zuständig für die Liquidität. Seit 2018 wacht der 1,94 Meter große Sozialdemokrat mit der immer akkurat zurückgegelten Frisur darüber, was die öffentliche Hand in Hamburg einnimmt und was sie ausgibt. In Berlin ist er heute, weil hier jeden September das Fest der Hamburger Landesvertretung stattfindet, für das der Bürgermeister sowie die Senatorinnen und Senatoren rund 2.500 Gäste einladen. Meistens leert sich das Fest abends gegen halb zehn, weil viele Behördenvertreter um 22.09 Uhr den letzten ICE zurück nach Hamburg erwischen wollen. In diesem ICE, so geht die Legende, versammeln sich dann alle Hamburgerinnen und Hamburger im Speisewagen und umringen den Tisch, an dem der Finanzsenator sitzt. Im September nämlich gibt es – jedenfalls alle zwei Jahre – einen neuen Haushaltsplanentwurf. Und alle wollen noch mal mit Dressel sprechen, ob er nicht hier oder da etwas nachbessern kann. Dieses Jahr hätte man Dressel jedoch vergeblich im Speisewagen gesucht. Er ist in Berlin geblieben. Hamburg hat nämlich gerade ein Problem mit der Liquidität, die Stadt gibt mehr aus, als sie einnimmt. Und dafür ist, so sieht man es im Hamburger Senat, nicht zuletzt die Bundesregierung verantwortlich. Sie nämlich beschließe lauter Reformen und Leistungen, die auf Kosten von Ländern und Kommunen gehen. Mit dem »lieben Lars« – seinem Parteigenossen, dem Bundesfinanzminister Lars Klingbeil – will Dressel deshalb über die Einkommenssteuerreform sprechen und über die Senkung der Körperschaftsteuer. Beides koste Hamburg jährlich rund 175 Millionen Euro, schätzt er. Mit der »lieben Bärbel« – der Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas, ebenfalls Genossin – möchte er über die stetig anwachsenden sozialstaatlichen Leistungen reden. »Jedes Jahr müssen wir 500 bis 600 Millionen Euro im Haushalt nachbewilligen«, sagt Dressel: »Das kann nicht so weitergehen.« Wie Dressel nun bei den Ausgaben auf die Bremse treten muss, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Wie wird man zum Menschenfreund, Andrea Wulf? Die in Hamburg aufgewachsene Autorin Andrea Wulf hat ein Buch über den Naturforscher Georg Forster geschrieben. Im Gespräch mit ZEIT-Redakteur Fritz Habekuß erläutert sie, wieso dieser hochaktuell sei. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Am 30. September laden Übersetzerinnen und Übersetzer aus Hamburg zu einer Staffellesung ins Nachtasyl, die Bar des Thalia-Theaters, ein. Unter dem Titel »Buch, Beine, Po« stehen »übersetzerische Leibesübungen« auf dem Programm. Zu hören sind Texte aus dem Italienischen, Lettischen, Russischen, Spanischen und Englischen sowie aus literarischen Genres wie Belletristik, Essay und Sachbuch. »Buch, Beine, Po« , 30.9., 20 Uhr; Nachtasyl, Alstertor 1 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Neben mir steht eine 5. Klasse am Hauptbahnhof. Die Lehrerin sagt: »So, alle merken sich bitte ihren Platz. Emilio: Sechsundsiebzig.« Emilio grinst breit, macht schon die typische Handbewegung und sagt triumphierend: »Six–« Lehrerin: »NEIN! SIEBEN UND SECHS!« Gehört von Lena Schwarzer Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. 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