Zeit 18.03.2026
23:44 Uhr

Deutscher Buchhandlungspreis: Kulturstaatsminister Weimer bei Leipziger Buchmesse ausgebuht


Bei der Eröffnung der Leipziger Buchmesse hat das Publikum Wolfram Weimers Rede mit Buhrufen unterbrochen. Er hatte drei Buchläden vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen.

Deutscher Buchhandlungspreis: Kulturstaatsminister Weimer bei Leipziger Buchmesse ausgebuht
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) ist auf der Eröffnungsfeier der Leipziger Buchmesse von Teilen des Publikums ausgebuht worden. Dadurch wurde seine Rede immer wieder unterbrochen. Die Kritik an Weimer richtet sich vor allem gegen seine Entscheidung, drei linke Buchläden wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandelspreis zu streichen . Weimer steht weiterhin zu seinem Vorgehen. "Ich selber habe für die Meinungsfreiheit als Journalist und Verleger mein halbes Leben lang leidenschaftlich gekämpft. Immer wieder und gerade gegen den übergriffigen Staat", sagte er. "Die Kategorie der Freiheit und die Kategorie der Förderung aber sind zwei ganz unterschiedliche Dinge." Wenn es um eine aktive Förderung mit Steuergeld gehe, habe der Staat eine Sorgfaltspflicht, sagte der Kulturstaatsminister. "Mein Staat sollte alle Extremisten gleichermaßen ablehnen: Rechte, Linke, Islamisten." Weimer schlug vor, den Buchhandelspreis mit dem Börsenverein und anderen Partnern weiterzuentwickeln. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nahm Weimer in Schutz. Das Vorgehen des Kulturstaatsministers, Buchläden von einem Preis aus Gründen des Verfassungsschutzes auszuschließen, sei "im Prinzip in der Logik in Ordnung", sagte Dobrindt in der ARD-Sendung maischberger . Zugleich betonte er, Weimer nicht um diese verfassungsschutzrechtliche Überprüfung gebeten zu haben. Proteste gegen Weimer in Leipzig Bereits vor Beginn des Festaktes der Leipziger Buchmesse hatten mehrere Hundert Menschen vor dem Gewandhaus gegen Weimers Kulturpolitik demonstriert. Ausgeschlossen vom diesjährigen Deutschen Buchhandlungspreis wurden der Buchladen zur schwankenden Weltkugel in Berlin, The Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen. "Wir haben uns auf einen Preis beworben, hätten ihn bekommen, wurden belogen und nachträglich gestrichen, weil wir einem erzkonservativen Minister nicht in den Kram passen", teilten die drei Buchläden in einer Stellungnahme mit. Die Buchläden klagen gegen ihre Streichung von der Nominierungsliste. Börsenverein reagiert mit Kritik Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels äußerte sich kritisch zu Weimer. Die Buchbranche lasse sich nicht einschüchtern durch politische Interventionen, sagte Vorsteher Sebastian Guggolz. "Wir lassen uns auch nicht spalten und gegeneinander ausspielen durch drohenden Einsatz von Verfassungsschutz ." Mit dem Buchhandlungspreis werden inhabergeführte Buchhandlungen ausgezeichnet, die mit Veranstaltungen besonderes Engagement für das kulturelle Leben vor Ort oder in der Literaturförderung zeigen. Das Preisgeld beträgt laut der Website des Preises bis zu 25.000 Euro.