Zeit 19.03.2026
18:07 Uhr

Coronavirus: Karl Lauterbach verteidigt Coronamaßnahmen und Impfstrategie


Vor einer Bundestagskommission hat Karl Lauterbach gesagt, Deutschland sei verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen. Ex-RKI-Chef Wieler zog ein gemischtes Fazit.

Coronavirus: Karl Lauterbach verteidigt Coronamaßnahmen und Impfstrategie
Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Schutzmaßnahmen und die Impfstrategie in der Coronapandemie insgesamt verteidigt. "Es ist nicht alles perfekt gelaufen", sagte der SPD-Politiker vor der Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Krise. "Aber Deutschland ist verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen, und das verdanken wir auch den Impfungen." Lauterbach sagte in der Anhörung: "Es ist in der wissenschaftlichen Literatur Konsens, dass tatsächlich die Zahl der Toten nur deshalb nicht wesentlich höher ist, weil wir den Segen der Impfungen gehabt haben." Er wies auch auf seltene Komplikationen der Impfungen wie Herzmuskelentzündungen hin. Die Sicherheit der Impfung sei aber sehr gut untersucht worden. Der damalige Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler , zog ein gemischtes Fazit des Krisenmanagements. Eine unzureichende Datenlage, etwa zur Krankheitslast, habe zur Verunsicherung der Bevölkerung in Deutschland beigetragen, sagte Wieler. Ausdrücklich dankte er "der großen Mehrheit" in Deutschland, "deren kontinuierliche Unterstützung die Eindämmung der Covid-19-Pandemie erst ermöglicht hat". Anfangs sei die Unterstützung außerordentlich groß gewesen, sie habe im Laufe der Pandemie jedoch nachgelassen. Wieler machte auf mögliche Gründe aufmerksam. So habe man zwar gewusst, dass die Impfungen weltweit Millionen Todesfälle verhinderten. Zahlen zur Wirksamkeit der Impfungen in Deutschland hätten mangels ausreichender Daten aber erst mit Verzögerung vorgelegt werden können, sagte Wieler. "Dies verzögerte wichtige Erkenntnisse im Inland und sorgte für Unsicherheit." Kommission gibt Empfehlungen für Zukunft ab Die Pandemie habe wichtige Lernprozesse angestoßen, sagte Wieler. Er forderte, dass der öffentliche Gesundheitsdienst sowie die Kapazitäten des RKI und der anderen zentralen Einrichtungen ausgebaut werden müssten. Außerdem sei eine "Verbesserung der Gesundheitsdaten-Infrastruktur" wichtig. Diese Informationen müssten in viel stärkerem Maß automatisiert fließen sowie "ohne exzessiven Datenschutz" verknüpft und ausgewertet werden können. Dies sei wichtig für ein besseres Krisenmanagement. "Das ist aber auch Grundlage für gesellschaftliches Vertrauen", sagte Wieler. Hierfür fehlten noch finanzielle, technische und gesetzliche Voraussetzungen. Die Kommission zur Aufarbeitung der Pandemie soll dem Bundestag bis Mitte 2027 einen Bericht mit Empfehlungen für den Umgang mit künftigen Krisen vorlegen. Die akute Corona-Krise hatte 2020 begonnen, die letzten bundesweiten Alltagsauflagen endeten zu Ostern 2023. Toxikologe bezeichnet Studien zu Impfstoffen als unzureichend Auch der Intensivmediziner Christian Karagiannidis mahnte besser nutzbare und automatisierte Daten an. Nutzen aus den damals entwickelten Maßnahmen ziehe man heute etwa beim Abwassermonitoring, bei dem die Viruslast im Abwasser gemessen wird. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Reinhard Berner, hob die Rolle des unabhängigen Gremiums hervor, das im Laufe der Pandemie 25 Empfehlungen veröffentlicht habe. Er wies darauf hin, dass die Ressourcen der Stiko-Geschäftsstelle für einen Pandemiefall nicht ausreichend seien. Stärker berücksichtigt werden müssten Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. Der Toxikologe Helmut Sterz machte deutlich, dass er damalige Studien zu Coronaimpfstoffen als unzureichend einschätzt. Die Sicherheit der Vakzine sei nur "vorgetäuscht" worden. Die Infektiologin Maria Vehreschild kritisierte aus ihrer Sicht teils suboptimale Bedingungen für Forschungsbereiche, die für Gesundheit und Pandemiebekämpfung zentral seien.