Zeit 29.05.2026
00:17 Uhr

Bundeskanzler: Kanzleramtschef Frei weist Personaldebatte als »unfruchtbar« zurück


Umfragewerte änderten sich nicht, indem man »über Personen quatsche«, sagt Thorsten Frei. Die Koalition müsse sich jetzt auf aktuelle Herausforderungen konzentrieren.

Bundeskanzler: Kanzleramtschef Frei weist Personaldebatte als »unfruchtbar« zurück
Nach Spekulationen über einen möglichen Kanzlerwechsel in der CDU hat Kanzleramtschef Thorsten Frei vor weiteren Personaldebatten rund um Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) gewarnt. »Ich will vor allen Dingen eine solche unfruchtbare Debatte nicht weiter verlängern. Das bringt uns doch nirgendwo hin«, sagte Frei in der ZDF-Sendung Maybrit Illner. Der CDU-Politiker räumte schlechte Umfragewerte für die Regierung ein, sagte aber zugleich: »Das lösen wir doch nicht dadurch auf, dass wir über Personen quatschen.« Hintergrund sind Medienberichte über Gedankenspiele in der Union zu einem möglichen Kanzlerwechsel angesichts der schwierigen Lage der schwarz-roten Koalition. Im Umfeld des Kanzlers hieß es daraufhin am Mittwoch, die Idee zeuge von einer »gefährlichen Lust an der Zündelei«. Diese »wüste Spekulation« demonstriere bemerkenswerte Unkenntnis der Verfassung und der politischen Realität. »Wir müssen unangenehme Entscheidungen treffen« Frei sagte im ZDF, man müsse sich jetzt auf gewaltige Herausforderungen konzentrieren. Entlastungen würden dort gebraucht, wo sie helfen, Wachstumskräfte zu entfalten. Reformen würden aber auch mit Einschnitten verbunden sein. »Wir müssen unangenehme Entscheidungen treffen«, sagte der Kanzleramtschef und sprach von einer »Phase hoher Anspannung«. Geplant sind derzeit unter anderem Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung, der Einkommensteuer, der Rente und der Pflege . Zwischen den Koalitionspartnern gibt es jedoch Uneinigkeiten über mehrere der Reformvorhaben. Zugleich wächst in der Bevölkerung die Unzufriedenheit. Weniger als jeder Fünfte befürwortete in Umfragen von Anfang Mai 2026 den aktuellen Kurs der Bundesregierung. Roland Koch drängt Koalitionsspitzen zu Mut und Geschlossenheit Auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat Merz den Rücken gestärkt. »Ich glaube, dass er der richtige Kanzler in dieser Zeit ist. Auch wenn er es im Augenblick schwer hat, weil die Zeiten schwierig sind«, sagte Koch in der ZDF-Sendung Markus Lanz . Zur Frage, ob es einen Putsch gegen Merz gebe, antwortete Koch, das sei »Unsinn.« »Das Problem von Friedrich Merz ist nicht Friedrich Merz, sondern das Problem ist die politische Konstellation«, sagte Koch. Die klare Abgrenzung von CDU-Chef Merz zur AfD bedeute auch, dass sich die Partei in einer »gewissen Gefangenschaft zur SPD« befinde. Koch, der auch Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung ist, warnte vor einem Scheitern der Koalition. »Wir kommen in ein sehr gefährliches Fahrwasser – ökonomisch und politisch –, wenn es nicht gelingt, in dieser Regierung der Mitte zu einer Einigung zu kommen«, sagte der 68-Jährige. Koch zufolge kommt es auf die Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD an. Sie müssten sich zusammensetzen und sagen: »Wir nehmen unseren Mut in die Hand und treten vor die Parteien und sagen: dies oder nichts. Ein Beschluss über alles, sonst wird das nicht gehen.«