Zeit 17.03.2026
07:16 Uhr

Bertelsmann Stiftung: Viele Langzeitarbeitslose sehen keine besseren Chancen durch Jobcenter


Fast jeder zweite Langzeitarbeitslose hat das Gefühl, dass Termine beim Jobcenter "nichts bringen". Verbesserungsbedarf gebe es bei Erreichbarkeit und Stellenangeboten.

Bertelsmann Stiftung: Viele Langzeitarbeitslose sehen keine besseren Chancen durch Jobcenter
Fast die Hälfte der Langzeitarbeitslosen sieht durch Termine beim Jobcenter keine besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt . Zwar sind 68 Prozent der Leistungsbezieher mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden, 72 Prozent finden die Mitarbeitenden "kompetent", wie aus einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Dennoch sagen demnach 47 Prozent, dass ihnen die Termine "nichts bringen". 39 Prozent der Befragten kritisierten, dass die Beraterinnen und Berater oft schlecht erreichbar sind. Rund 44 Prozent sagten, ihnen würden im Jobcenter nur Forderungen gestellt, statt dass ihnen wirklich geholfen werde. Etwa 60 Prozent der Befragten gaben an, das Jobcenter unterstütze sie genau da, wo sie Hilfe bräuchten. Mehr Coaching und konkrete Stellenangebote "Beratung und Vermittlung sind Kernaufgabe der Jobcenter. Vermittlungshemmnisse müssen abgebaut werden", forderte Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. Laut der Studie haben 46 Prozent der Bürgergeldempfänger mehrere Vermittlungshemmnisse, wie etwa Krankheiten oder fehlende Qualifikationen. In diesen Fällen fordern die Studienautoren mehr Coaching, Qualifikation und konkrete Stellenangebote. Das führe zu einem deutlich positiveren Urteil bei der Bewertung der Jobcenter. Bei den Langzeitarbeitslosen ohne Vermittlungshemmnissen müsse die eigenständige Jobaufnahme stärker gefordert werden. 82 Prozent der befragten Langzeitarbeitslosen waren der Meinung, der Staat müsse Menschen "in schwierigen Lebenslagen finanziell unterstützen". Zugleich stimmt eine Mehrheit (55 Prozent) zu, dass von Bürgergeld -Empfängerinnen und -Empfängern dafür eine Gegenleistung erwartet werden könne. Die Befragten gaben in Interviews an, mittel- bis langfristig durch eine Arbeitsaufnahme "ein von staatlichen Leistungen unabhängiges und eigenverantwortliches Leben" anzustreben. Für die Studie hatte die Bertelsmann Stiftung im Frühjahr 2025 mehr als 1.000 Langzeitarbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren befragen lassen, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen. Ergänzend dazu wurden mit 20 Befragten tiefergehende Einzelinterviews geführt. Anfang März hat der Bundestag eine Reform der Sozialleistungen beschlossen . Am 1. Juli löst die neue Grundsicherung das Bürgergeld ab. Dann gelten strengere Regeln.