Zeit 11.08.2026
10:32 Uhr

Arvid Michel: »Das Spannende ist das Zusammensetzen des Klangs«


Arvid Michel stimmt für Theater und Orchester Klaviere und Flügel. Im Podcast verrät er, woran er merkt, dass auf einem Klavier die »Dreigroschenoper« gespielt wurde.

Arvid Michel: »Das Spannende ist das Zusammensetzen des Klangs«
»Ich muss das Klavier in einem Bereich hören können, den die meisten gar nicht wahrnehmen«, sagt Arvid Michel im Podcast Frisch an die Arbeit . Nur so könne er die 88 Töne eines Klaviers so aufeinander abstimmen, dass sie nicht nur für sich, sondern auch gemeinsam richtig klingen. Bei der Dreigroschenoper erkenne er zum Beispiel ein bestimmtes Muster, sagt Michel. Nach dem Stück seien die Töne immer auf eine spezielle Art verstimmt. Michel arbeitet als freiberuflicher Klavierstimmer an Theatern sowie für Rundfunkorchester und Chöre. Anders als die Instrumente in Privathaushalten werden die Konzertflügel teilweise mehrmals im Monat, manchmal sogar mehrmals am Tag gestimmt. Bei Proben und Aufführungen werden die Saiten stark beansprucht, außerdem werden die Instrumente ständig zwischen Bühne, Orchestergraben und Proberäumen bewegt. »Dadurch entsteht so viel Verstimmung im Instrument, die dann hörbar ist«, sagt Michel. Seine Liebe zum Klavier begann in der Kindheit bei seiner Großmutter. »Ich habe das Instrument gesehen und war sofort verliebt«, sagt er. Erst mit 16 Jahren nahm er Unterricht und wollte Pianist werden. Während des Studiums spielte er als Barpianist und verdiente sich einen eigenen, nicht mehr ganz neuen Flügel – einen, der ständig gestimmt werden musste. Weil er sich das nicht leisten konnte, bat er einen befreundeten Klavierbauer, ihm alles beizubringen. Später half er in der Werkstatt des Klavierbauers mit und begann eine Ausbildung. Einer der besonderen Momente seiner Karriere war für Michel ein Auftrag des Berliner Ensemble: Das Theater wollte einen neuen Steinway-Flügel anschaffen, der den Ansprüchen des Pianisten Igor Levit genügen sollte. Michel durfte nach Hamburg fahren und aus fünf Instrumenten eines auswählen. »Er hat gespielt, ich habe gelauscht«, sagt Michel. Im Podcast erzählt er außerdem, warum Klimaanlagen Klaviere verstimmen und weshalb ihn die Kritik einer Professorin dazu brachte, seine Arbeitsweise grundlegend zu verändern. »Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek. Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de .