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18.03.2026
10:29 Uhr
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Wo endet die Kunstfreiheit, Wolfram Weimer? Der Staatsminister sagt, warum er Buchläden von einer Preisverleihung ausgeschlossen hat und wie er Regeln durchsetzen will.

DIE ZEIT: Herr Weimer, vor fünf Monaten haben wir an diesem Tisch im Kanzleramt gesessen, und Sie haben im Interview dazu aufgerufen, den Kulturkampf in der politischen Mitte zu beenden. Stattdessen gab es erst einen Eklat bei der Berlinale rund um das Thema Gaza, dann haben Sie drei linke Buchhandlungen von einem Preis ausgeschlossen – und nun tobt ein zweiter Kulturkampf, der zwischen der Kultur und dem Kulturstaatsminister. Was ist schiefgelaufen? Wolfram Weimer: Da muss man unterscheiden. Insgesamt hat sich der Kulturkampf etwas entspannt. Die AfD ist offensichtlich über ihren Zenit hinaus, die Auseinandersetzungen sind nicht mehr so scharf, weil diese Partei und ihr Umfeld in die Defensive geraten sind. Die Migrationskrise ist weitgehend unter Kontrolle, und die Leute sehen, dass die Rechtspopulisten in der internationalen Politik keine Probleme lösen, sondern sie verschlimmern. Ressentiment allein ist eben keine Politik. Auch die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zeigen: Wenn die Mitte attraktive Angebote macht und die zentralen Themen anspricht, dann kriegt sie die Ränder klein. Man könnte sogar sagen: Die Mitte gewinnt zusehends die Diskurshoheit zurück.