Das ZDF will mit einem Fünf-Punkte-Programm erneute Fehler mit KI-generierten Bildern und dem Umgang mit Quellen verhindern. Dazu zählen unter anderem Schulungsprogramme zu Künstlicher Intelligenz und Verifikation von Quellen und Informationen sowie verbesserte interne Abläufe, wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten in einer Sitzung des Fernsehrats des öffentlich-rechtlichen Senders in Mainz erläuterte. Auch das interne Frühwarnsystem solle verbessert werden, um Hinweise auf Fehler in Sendungen schneller zu erkennen und ihnen nachgehen zu können. Im Wortlaut hat sich der Sender auf folgende Maßnahmen verständigt: • Die Chefredaktion stärkt das Wissen zu Künstlicher Intelligenz im redaktionellen Zusammenhang systematisch und nachhaltig. • Die Chefredaktion baut die Kompetenzen zur Verifikation von Bildmaterial in den Redaktionen aus. • Fremdmaterial kommt nur im Rahmen einer verbindlichen Quellenhierarchie zur Ausstrahlung. • Die Abnahmeprozesse werden an die Herausforderungen des Digitalen angepasst. • Es wird eine Fehlerkultur gestärkt, in der Fehler transparent benannt, konsequent aufgearbeitet und korrigiert werden. In einem Beitrag für das ZDF-„Heute Journal“ wurden Mitte Februar Videosequenzen gezeigt, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt und nicht als solche gekennzeichnet waren. Es ging um Einsätze der US-Migrationsbehörde ICE und Abschiebungen von Minderjährigen. Zum anderen wurde eine Szene mit realen Aufnahmen gezeigt, die jedoch aus einem anderen Kontext aus dem Jahr 2022 stammten und nicht von einem aktuellen ICE-Einsatz. Das ZDF entschuldigte sich später für den Fehler. „Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut“ ZDF-Intendant Norbert Himmler sprach in der Sitzung des Gremiums von einem „gravierenden Vorgang“. „Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut“, sagte er. Auch mit entsprechender Kennzeichnung hätten die KI-Bilder in diesem Kontext nicht verwendet werden dürfen. Die Verstöße gegen Richtlinien und Standards seien so schwerwiegend gewesen, dass die für den Beitrag verantwortliche New-York-Korrespondentin abberufen worden sei. „Ein harter, aber meiner Ansicht nach an dieser Stelle auch sehr notwendiger Schritt“, sagte Himmler. Es habe auch große Mängel bei der Aufarbeitung des Fehlers am ersten Tag gegeben, sagte der Intendant. „Es hat einfach zu lange gedauert, bis die handwerklichen Fehler im ‚Heute Journal‘ vom 15. Februar und auch deren Tragweite erkannt wurden. Auch daraus müssen wir lernen und unsere Konsequenzen ziehen.“ Mehr „handmade“ gegen KI-Zweifel Chefredakteurin Schausten stellte die Bedeutung von selbstgedrehtem Material in den Fokus. „Denn wir drehen ja viel selbst im Inland und im Ausland.“ Sie sehe eine Chance als öffentlich-rechtlicher Rundfunk, wenn man mit einer „stärkeren Betonung des Eigenmaterials“ sagen könne, das sei alles „handmade“. Schausten sprach auch davon, dass es eine Lernkultur brauche, „in der Fehler schnell zugegeben werden und nicht erst noch mal Erklärungen gesucht werden“. Man müsse diese Fehler dann anschließend auch sehr konsequent aufarbeiten und korrigieren. An ebenjener geforderten Fehlerkultur zweifelt CDU-Politikerin Saskia Ludwig. „Ich nehme eher eine Wagenburg-Mentalität wahr“, sagte sie im Gespräch mit WELT TV. „Wir haben es jetzt gerade bei den KI-Bildern mitbekommen. Es hat lange gedauert, bevor man überhaupt bereit war, zuzugestehen, dass es ein Fehler war.“ Stattdessen begebe sich das ZDF auf die Suche nach den Whistleblowern. Es werde versucht, diejenigen zu finden, die „aus der Reihe tanzen“. „Wir brauchen eine Selbstreflexion und müssen schauen, wie wir journalistische Standards wieder einhalten können, anstelle Jagd auf so einen Whistleblower zu machen.“ Aufnahmen aus einer internen Betriebsversammlung (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article699f40fa1c20ab5d852174be/zdf-kritik-am-eigenen-sender-mitarbeiter-sprechen-intern-von-relotius-moment.html) waren beim Portal „Nius“ gelandet, das Auszüge daraus veröffentlichte. Himmler wiedergewählt Norbert Himmler, der am Freitag im Fernsehrat des öffentlich-rechtlichen Senders im ersten Wahlgang als ZDF-Intendant wiedergewählt worden ist, sei dafür der Falsche. „Herr Himmler ist nun nicht dafür bekannt, dass er mit dem eisernen Besen durchs ZDF geht. Und das ist das, was das ZDF gerade bräuchte, um Reputation, vor allen Dingen auch wieder Anerkennung bei der Bevölkerung zurückzugewinnen“, forderte Ludwig. „Insofern sind das keine wirklich guten Signale.“