Die wichtigste Jahreszeit in Deutschland hat begonnen: die Spargelsaison. Sie prägt die Deutschen wie keine andere Jahreszeit und gibt uns dem Gelächter anderer Nationen preis, die nicht fassen können, warum wir Wasser unbedingt in Stangenform zu uns nehmen wollen, wo es doch auch holländische Tomaten gibt. Spargelstechende Migranten sind neben Altenpflegern die einzigen Ausländer, die mit wohlwollender Duldung rechnen dürfen, ideal wären spargelstechende Altenpfleger. Ein Viertel des deutschen Staatsgebietes ist für den Anbau von Spargel reserviert. Ein weiteres Viertel nehmen Spargelrestaurants ein sowie Verkaufsflächen der begehrten länglichen Ware. Kein Wunder, dass günstiger Wohnraum knapp ist. Für viele gilt Spargel allerdings nur als dürftiger aber recht teurer Vorwand, warme geschmolzene Butter über Kartoffeln zu kippen und diese dann mit Petersilie garniert zu zerdrücken. Kein anderes Gemüse enthält übrigens einen so hohen Anteil an Spargel wie der Spargel. Seine potenzsteigernde Wirkung wird allerdings grotesk überschätzt, wie die ständig sinkenden Geburtenraten beweisen.