Welt 30.04.2026
14:48 Uhr

Vor 45 Jahren ließ er sich schon „The End“ aufs Augenlid tätowieren – jetzt ist er gestorben


Timm Ulrichs schuf ein Kopfsteinpflaster aus Abgüssen seines Schädels und lief als menschlicher Blitzableiter mit einer Eisenstange auf einem Feld herum. So wurde er zum bedeutenden Vertreter der deutschen Konzeptkunst. Jetzt starb er mit 86.

Vor 45 Jahren ließ er sich schon „The End“ aufs Augenlid tätowieren – jetzt ist er gestorben

Er galt als eine der bedeutendsten Figuren der zeitgenössischen Kunst: Der Konzeptkünstler Timm Ulrichs (verlinkt auf https://kunst.celle.de/Sammlung/Timm-Ulrichs-/) ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren, wie der Kunstverein Hannover (verlinkt auf https://www.kunstverein-hannover.de/de) mitteilte. Demnach hat seine Witwe dem Kunstverein den Todesfall bestätigt. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang habe er die Kunst „mit provokanten Arbeiten voller Entschlossenheit“ geprägt, würdigte der Kunstverein. Er sei „streitbar, scharfsinnig, hintergründig humorvoll und rigoros“ gewesen. „Timm Ulrichs war einer der wenigen Pioniere, der äußerst konsequent an die Kraft der Kunst glaubte, mit ihr rang und sie händisch zu den Menschen brachte.“ Er habe eine ganze Generation geprägt. Der emeritierte Professor der Kunstakademie Münster, der in Hannover und Berlin lebte, galt als ein Pionier der Konzeptkunst. Der gebürtige Berliner, der im Oldenburger Land aufwuchs, blickte mit Humor und spöttischer Distanz auf die Welt und auch auf den Kunstbetrieb. Einst erklärte er sein Leben zur Kunst. Auf sein rechtes Augenlid ließ Ulrichs 1981 die Worte „The End“ von Horst Streckenbach (verlinkt auf https://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=5278) tätowieren – als Abspann für seinen Tod und gleichzeitig letzten Film. Er ließ seinen eigenen Grabstein meißeln und rannte nackt als „menschlicher Blitzableiter“ mit einer fünf Meter langen Metallstange auf einem Feld herum. Aus Beton-Abgüssen seines eigenen Schädels schuf er ein „Kopfsteinpflaster“.