Welt 28.07.2026
15:12 Uhr

Vibrionen-Gefahr in der Ostsee nimmt zu – Berlin meldet einen Toten


Vibrionen breiten sich besonders in warmen, seichten Gewässern aus. Die Berliner Gesundheitsämter verzeichnen bereits drei Fälle dieses Jahr. Ein Mensch starb.

Vibrionen-Gefahr in der Ostsee nimmt zu – Berlin meldet einen Toten

Eine Person aus Berlin ist infolge einer Vibrionen-Infektion aus der Ostsee (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/ostsee-urlaub/) gestorben. Das geht aus Daten der Berliner Gesundheitsämter hervor. Insgesamt verzeichnet das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in seinem jüngsten Wochenbericht zu Infektionskrankheiten in diesem Jahr drei Fälle von Vibrionen-Infektionen. Davon haben sich den Angaben zufolge zwei Erkrankungen vermutlich durch Wund- oder Hautkontakt mit Meer- beziehungsweise Brackwasser in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Zuvor hatte die „BZ“ berichtet (verlinkt auf https://www.bz-berlin.de/berlin/vibrionen-in-der-ostsee-drei-berliner-infiziert-einer-tot-6a6766bb2fce4e8d0201b546) . Bei allen drei Betroffenen lag demnach eine Wundinfektion vor, die sich in zwei Fällen zu einem septischen Krankheitsbild entwickelt habe, in einem Fall mit tödlichem Verlauf. Alle Betroffenen seien über 75 Jahre alt und gehörten somit zur Risikogruppe. Dazu zählten insbesondere ältere und immungeschwächte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen, etwa Diabetes, Leber- oder schweren Herzerkrankungen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit offenen Wunden. Vibrionen sind natürlicherweise in Süß-, Brack- und Salzwasser vorkommende Bakterien. Steigende Temperaturen fördern die Ausbreitung von Vibrionen in der Ostsee. „Bei Wassertemperaturen um die 20 Grad können sich die Bakterien in der Ostsee, in Bodden und flachen Gewässern stärker vermehren“, sagte Mikrobiologe Daniel Herlemann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) Anfang Juli dem Evangelischen Pressedienst. Mit seinem Team arbeitet der 48-Jährige an einem neuen Frühwarnsystem. Mit Hilfe von Drohnen und Künstlicher Intelligenz (KI) soll das Auftreten des Bakteriums „Vibrio vulnificus“ in der südlichen Ostsee frühzeitig angezeigt werden. Mit sommerlicher Hitze steigt das Risiko für Vibrionen-Infektionen an Nord- und Ostsee. Die aufgrund des Klimawandels (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/klimawandel/) erhöhte Wassertemperatur begünstigt die Ausbreitung der Bakterien. Die Ostsee erwärmt sich nach Angaben von Forschern des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel schneller als die meisten Meeresökosysteme der Welt. Gerade in flachen, sich schnell erwärmenden Küstenbereichen steigt das Risiko für ein vermehrtes Auftreten der Bakterien bei höheren Temperaturen deutlich. Die Ostsee ist aufgrund ihres niedrigen Salzgehalts besonders betroffen. Dem Lageso-Bericht zufolge verzeichneten die Berliner Gesundheitsämter im gesamten Jahr 2025 zwei Vibrionen-Infektionen und 2023 und 2024 jeweils fünf. In diesem Jahr sei eine vergleichsweise frühe Saison hierzulande erworbener Vibrionen-Infektionen zu beobachten, die wahrscheinlich auf die durch hohe Temperaturen verursachte frühe Erwärmung der Küstengewässer zurückzuführen sei. Die jüngsten Daten erfassen den Zeitraum einschließlich der 29. Kalenderwoche. Bis dahin sei in den Vorjahren im Mittel ab Jahresbeginn lediglich eine Infektion gemeldet worden. Schon Anfang Juli hatte die Stadt Kiel in Schleswig-Holstein vor dem Baden in der Ostsee gewarnt. Demnach sollen Badende nach dem Wasserkontakt auf lokale Hautreaktionen achten. Rötet sich eine Wunde oder ein Kratzer rasch, schwillt stark an, pocht oder schmerzt heftig – oft zusammen mit Fieber oder Schüttelfrost –, muss sofort ein Arzt oder die Notaufnahme aufgesucht werden. Das medizinische Personal sollte unbedingt erfahren, dass Ostseewasser im Spiel war.