Welt 17.08.2026
17:06 Uhr

Verdi ruft zu Warnstreiks an sechs Seehäfen auf


Es droht Stillstand an den Containerterminals: Verdi ruft Beschäftigte in sechs deutschen Seehäfen zu einem 24-stündigen Warnstreik auf. Die Gewerkschaft hält das jüngste Arbeitgeberangebot für unzureichend.

Verdi ruft zu Warnstreiks an sechs Seehäfen auf

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft zu 24-stündigen Warnstreiks an sechs deutschen Seehäfen auf. Der Warnstreik soll am Montagabend mit Beginn der Nachtschicht beginnen, teilte die Gewerkschaft mit. Betroffen sind die Häfen Hamburg, Bremerhaven und Bremen sowie die niedersächsischen Standorte Wilhelmshaven, Emden und Brake. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen für die rund 11.000 Beschäftigten der deutschen Seehäfen. In Hamburg richtet sich der Aufruf nach Angaben von Verdi an die Beschäftigten von mehr als einem Dutzend Hafenbetrieben. Dazu gehören unter anderem die großen Containerterminals der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) in Altenwerder, Burchardkai und Tollerort, das Containerterminal Eurogate sowie die Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft. Auch weitere Beschäftigte mit Bezug zum Tarifvertrag des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) sollen die Arbeit niederlegen. Bei früheren Warnstreiks in den Seehäfen kam es vor allem an den Containerterminals zu Verzögerungen bei der Be- und Entladung von Schiffen. Teilweise wurden Container erst später als geplant auf Lastwagen und Güterzüge verladen. Am Freitag war bekannt geworden, dass Verdi das zuletzt vorgelegte Arbeitgeberangebot abgelehnt hat. Die Gewerkschaft stützte sich dabei auf eine Befragung in den Betrieben. Nach eigenen Angaben beteiligten sich mehr als 6100 Arbeitnehmer. Die Mehrheit halte das Angebot des Arbeitgeberverbands nicht für ausreichend. Mehr Urlaubsgeld reicht nicht Die erste Verhandlungsrunde hatte im Juli in Bremen begonnen. Verdi fordert für die Beschäftigten eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent, mindestens jedoch 2,50 Euro pro Stunde mehr. Der Tarifvertrag soll nach dem Willen der Gewerkschaft zwölf Monate laufen. Die Arbeitgeber, die vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in Hamburg vertreten werden, hatten ihr Angebot in der zweiten Verhandlungsrunde nachgebessert. Es sieht eine Erhöhung der Entgelte um 5,1 Prozent rückwirkend zum 1. August 2026 vor. Außerdem sollen das Urlaubsgeld ab Januar 2027 um 300 Euro steigen und die Zulagen für Beschäftigte in umsatzstarken Containerbetrieben um 460 Euro erhöht werden. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nach Vorstellungen der Arbeitgeber 19 Monate betragen. Nach Angaben der Gewerkschaft stößt dabei vor allem die von den Arbeitgebern angestrebte Laufzeit von 19 Monaten auf Widerstand. Zwölf Monate, so wie von Verdi gefordert, seien in der Branche bislang üblich. Kritisch sehen viele Beschäftigte laut Gewerkschaft auch den Vorschlag, statt eines größeren monatlichen Zuwachses das Urlaubsgeld zu erhöhen. Das komme nur einmal jährlich zur Auszahlung. Stattdessen wünschten sich viele Beschäftigte eine stärker spürbare monatliche Einkommenssteigerung. „Die Rückmeldungen aus den Betrieben waren eindeutig: Das Angebot der Arbeitgeber überzeugt die Beschäftigten nicht“, sagte Christian Warnke, Mitarbeiter der HHLA am Burchardkai und Mitglied der Verdi-Bundestarifkommission. Mit den Warnstreiks werde nun der Druck auf die Arbeitgeber erhöht. „Dieses Signal an die Arbeitgeber, dass wir es ernst meinen mit unserer Tarifforderung, ist offenbar dringend nötig“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch. Für Dienstagvormittag plant die Gewerkschaft zudem eine Demonstration durch den Hamburger Hafen. Die Teilnehmer sollen sich zunächst am Containerterminal Burchardkai versammeln und anschließend durch das Hafengebiet ziehen. Zum Abschluss ist eine Kundgebung vorgesehen. Ein dritter Verhandlungstermin zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern steht bislang noch nicht fest. Der ZDS äußerte am späten Nachmittag in einer Mitteilung Unverständnis über die angekündigten Warnstreiks. Die Hafenunternehmen hätten „ein sehr weitreichendes und wirtschaftlich verantwortungsvolles Gesamtpaket vorgelegt\". In der chemischen Industrie seien zuletzt rund 4,6 Prozent bei 27 Monaten Laufzeit vereinbart, in der Energiewirtschaft rund 5,3 Prozent bei 24 Monaten und im Groß- und Außenhandel rund 5,1 Prozent bei 24 Monaten ausgehandelt worden. „Unser Angebot liegt damit – insbesondere angesichts der kurzen Laufzeit – am oberen Ende aktueller Tarifabschlüsse“, so ZDS-Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger Die Warnstreiks halte man „für unverhältnismäßig“. Arbeitskampfmaßnahmen träfen nicht allein die Unternehmen. Sie beeinträchtigten die Zuverlässigkeit der deutschen Seehäfen und damit zentrale Lieferketten für Industrie und Handel. Das Ziel des ZDS, so Keisinger, bleibe „eine schnelle und tragfähige Einigung, im Interesse der Beschäftigten ebenso wie im Interesse wettbewerbsfähiger und verlässlicher deutscher Seehäfen“.