Welt 29.09.2026
11:25 Uhr

US-Uni soll Gruppenvergewaltigung mit Aufsatz bestraft haben – jetzt wird der Fall neu aufgerollt


An der Cornell University sollen sieben Studenten eine Frau sexuell missbraucht haben. Der Anwalt der damals 20-Jährigen sagt, die Beschuldigten sollen mit dem Schreiben eines Aufsatzes bestraft worden sein. Nun kommt der Fall vor Gericht.

US-Uni soll Gruppenvergewaltigung mit Aufsatz bestraft haben – jetzt wird der Fall neu aufgerollt

Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat New York hat Ermittlungen zu den Vorwürfen einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Cornell University wieder aufgenommen. Eine ehemalige Studentin wirft sieben Männern vor, sie 2024 in einem Verbindungshaus der Universität sexuell missbraucht zu haben. Nach Angaben ihres Anwalts wurden lediglich zwei der Beschuldigten von der Universität ausgeschlossen. Andere hätten deutlich mildere Sanktionen erhalten. Dazu hätten nach Darstellung des Anwalts unter anderem die Teilnahme an einem Workshop oder das Verfassen eines Aufsatzes gehört. Die Vorwürfe beziehen sich auf den 19. Oktober 2024. Die ehemalige Studentin, die unter dem Pseudonym Jane Doe auftritt, reichte am 16. September eine Zivilklage ein. Sie verklagt darin die Universität sowie sieben frühere Mitglieder der Studentenverbindung Chi Phi. Den Männern wirft sie vor, sie in einem Verbindungshaus auf dem Campus vergewaltigt zu haben. Der Uni wirft sie vor, sie nicht ausreichend geschützt und den mutmaßlichen Übergriff nicht verhindert zu haben. Nach ihrer Darstellung war die damals 20-Jährige stark alkoholisiert und nicht in der Lage, in sexuelle Handlungen einzuwilligen. Sie gibt an, innerhalb von drei Stunden rund zehn alkoholische Getränke konsumiert zu haben. Später sei sie in das Verbindungshaus gegangen. Dort habe sie mit weiteren Studenten Kontakt gehabt und auch Ketamin konsumiert. Anschließend soll ein Mann eine Nachricht in den Snapchat-Gruppenchat der Verbindung geschickt haben, in der er angedeutet habe, dass eine Frau für Sex zur Verfügung stehe. Laut Klageschrift kamen daraufhin weitere Männer hinzu. Jane Doe gibt an, über mehrere Stunden vergewaltigt worden zu sein. Staatsanwalt verweist auf abweichende Aussage Die Vorwürfe sind bislang nicht strafrechtlich bewiesen. Die Staatsanwaltschaft von Tompkins County erklärte laut CBS, sie habe die polizeilichen Ermittlungen „gründlich geprüft“. Zu dem damaligen Zeitpunkt habe es für eine strafrechtliche Anklage jedoch „nicht genügend Beweise“ gegeben. Am Montag hatte der Bezirksstaatsanwalt Matthew von Houten in einer Erklärung mitgeteilt, die Vorwürfe in der aktuellen Zivilklage wichen von der Aussage ab, die Jane Doe im November 2024 unter Eid gemacht habe. In ihrer damaligen Aussage habe sie „nicht angegeben, gegen ihren Willen unter Drogen gesetzt oder Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden zu sein“. Der Anwalt der Klägerin, Thomas Giuffra, wirft den Behörden dagegen vor, nicht konkret danach gefragt zu haben. Abgesehen von ihrem ersten Kontakt mit der Universitätspolizei sei seine Mandantin weder von Ermittlern der Staatsanwaltschaft noch von Ermittlern kontaktiert worden, die für die Befragung von Vergewaltigungsopfern geschult seien. Eine mögliche Anklage nannte er „einen Schritt in die richtige Richtung, wenn auch einen späten“. Vorwurf: Nur zwei Studenten ausgeschlossen Der Fall kommt nun erneut ins Rollen. Besonders umstritten ist der Umgang der Universität mit den Beschuldigten. Wie der US-Sender CBS unter Berufung auf Jane Does Anwalt berichtet (verlinkt auf https://www.cbsnews.com/newyork/news/cornell-university-lawsuit-fraternity-rape-allegations/) , wurden lediglich zwei der sieben in der Zivilklage genannten Studenten von Cornell ausgeschlossen. Die übrigen hätten – wie bereits erwähnt – mildere Sanktionen erhalten. Cornell weist die Darstellung zurück. Ein Gremium aus geschulten Lehrkräften und Mitarbeitern habe den Fall geprüft und anschließend verschiedene Sanktionen verhängt. Dazu hätten auch Suspendierungen und Ausschlüsse gehört. Die Universität bestreitet ausdrücklich, dass Beschuldigte lediglich einen Aufsatz als Sanktion hätten verfassen müssen. Keiner der Betroffenen sei ausschließlich mit einer solchen Maßnahme belegt worden, erklärte Cornell. Der Fall hat inzwischen weit über Cornell hinaus Aufmerksamkeit erregt. Die Vorwürfe lösten in den sozialen Medien Empörung und Bestürzung aus. Beiträge dazu wurden vielfach geteilt. Auch Prominente und Politiker äußerten sich. Die Schauspielerin Florence Pugh und die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez sprachen öffentlich über den Fall. Ocasio-Cortez kritisierte die Cornell University am Sonntag bei einer Veranstaltung in Ithaca, dem Sitz der Universität (verlinkt auf https://www.instagram.com/reels/Dd2nnqDjVIy/) .