Welt 03.07.2026
01:54 Uhr

Polizei rettet 16 verwahrloste Kinder aus Haus – Eltern und Großeltern festgenommen


Die Kinder im Alter zwischen einem Jahr und 18 Jahren haben in dem Haus unter „bedauerlichen“ Bedingungen gelebt und können teils nicht sprechen, heißt es. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass es bald Tote gegeben hätte.

Polizei rettet 16 verwahrloste Kinder aus Haus – Eltern und Großeltern festgenommen

Behörden haben 16 Kinder im Alter zwischen einem Jahr und 18 Jahren im US-Bundesstaat Ohio (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a24c0fab20db0d89b657c66/ohio-schuesse-in-der-naehe-eines-festivals-polizei-zaehlt-mindestens-zwoelf-verletzte.html) aus deren Elternhaus geholt – vier Erwachsene wurden unter dem Verdacht der Kindeswohlgefährdung festgenommen. Die Kinder hätten in dem Haus in Hamden im Bezirk Vinton unter „bedauerlichen“ Bedingungen gelebt und könnten teils nicht sprechen, hieß es auf einer Pressekonferenz. „Ein Großteil unseres Viehs wird unter besseren Bedingungen gehalten als die Kinder,“ sagte etwa Sheriff Ryan Cain vom Vinton County in einem Mitschnitt der Pressekonferenz. Es hätten überall Fäkalien und Müll herumgelegen. „Hätten wir noch weitere 24 Stunden gewartet, hätte es möglicherweise einen Todesfall gegeben, da bin ich mir ziemlich sicher“, sagte Ohios Generalstaatsanwalt Andy Wilson bei der Pressekonferenz. Das Haus wurde demnach am Dienstag durchsucht. Warum die Behörden Verdacht geschöpft hatten, wurde nicht erklärt. Staatsanwalt: Kein Menschenhandel, sondern innerfamiliärer Vorfall Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten, dass die Kinder in dem Haus in den vergangenen vier Jahren in einem nur rund 13 Quadratmeter großen Raum lebten. „Ich konnte nicht in diesen Raum gehen, ich habe nur zur Tür hineingeschaut“, so Wilson. „Das war gestern, und ich kann den Geruch immer noch nicht aus der Nase bekommen.“ Die vier festgenommenen Erwachsenen sind Medienberichten zufolge die Eltern und Großeltern der Kinder. Es bestehe keine Gefahr für andere Kinder außerhalb dieser Familie, betonte William Archer, der Staatsanwalt von Vinton County. „Es handelt sich nicht um Menschenhandel, das ist ein innerfamiliärer Vorfall“, sagte er, ohne weitere Details bekannt zu geben. Die Kinder wurden den Angaben zufolge medizinisch versorgt und befinden sich jetzt in sicherer Umgebung. Die Ermittlungen laufen. Für die vier Festgenommenen wurde eine Kaution von je 300.000 Dollar (gut 263.000 Euro) festgesetzt. Nachbarn hatten Kinder nie gesehen Im Ort rätseln viele, wieso niemand früher auf den Zustand der Kinder aufmerksam wurde. Die Kinder waren nicht in der Schule angemeldet, die Familie zog in den letzten zwei Jahrzehnten häufig um, und Nachbarn gaben an, die Kinder nie gesehen zu haben. „Direkt vor unserer Nase, und niemand konnte ihnen früher helfen“, sagte Emily Collins, Inhaberin von VC Farm & Floral im nahegelegenen McArthur. „Es ist einfach unglaublich, dass all die wunderbaren Dinge in unserer kleinen, idyllischen Stadt passieren, und ausgerechnet so etwas rückt uns in den Fokus. Es ist wirklich traurig“, sagte die dreifache Mutter. Anwalt der Familie spricht von „Fall von Isolation“ Die Mutter der Kinder heiratete deren Vater im Alter von nur 15 Jahren, alle Kinder stammen von ihm, erklärte deren Anwalt Thomas Stolly. Sie sei „weinend und erschöpft“ gewesen, als er sie am Donnerstag traf, so Stolly. „Tatsächlich war die erste Frage meiner Mandantin an mich, als ich das Gefängnis betrat und mich vorstellte, ob es ihren Kindern gut ginge, ob ich wüsste, wo sie seien, und wann sie sie wiedersehen könne“, sagte Stolly. Er konnte diese Fragen nicht beantworten, „aber ich fand es bezeichnend, dass ihre erste Sorge nicht war: ‚Wann komme ich aus dem Gefängnis?‘, sondern: ‚Geht es meinen Kindern gut?‘“ Stolly sagte, seine Mandantin habe ihm erzählt, dass alle Kinder in Krankenhäusern der Gegend geboren wurden und sie sich selbst als Vollzeitmutter betrachte. Sie habe die High School nach der 11. Klasse verlassen, sagte er, und ihr Mann habe für DoorDash gearbeitet und nach einer anderen Stelle gesucht. Stolly sagte, die Staatsanwaltschaft habe ihm ihre Beweise noch nicht vorgelegt, aber bisher habe er nichts gesehen, was die Beschreibung der Familie durch den Generalstaatsanwalt von Ohio, Andy Wilson, als „das pure Böse“ stütze. „Zum Bösen gehört Bosheit, und ich habe bei ihr keine Bosheit gesehen.“ Er fügte hinzu: „Ich glaube, es handelt sich hier eher um einen Fall von Isolation als um einen Fall von Bosheit, und ich denke, das ist ein wichtiger Unterschied. Denn wenn man nichts anderes kennt – und man muss bedenken, dass jemand mit 15 Jahren nicht viel über das Erwachsenenleben, über das Muttersein, über das Ehefrausein weiß – und das die eigene Weltanschauung in den letzten 17 oder 18 Jahren geprägt hat, dann wird man davon geformt.“