Die Polizei hat in Hamburg nach dem untergetauchten früheren RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub gefahndet. Anlass war nach Angaben eines Polizeisprechers ein Hinweis aus der Bevölkerung. In Hamburg-Altona überprüften Einsatzkräfte am Donnerstag mehrere Passanten, eine Festnahme gab es jedoch nicht. Auch ein Polizeihubschrauber war im Einsatz. Nach rund eineinhalb Stunden wurde die Fahndung gegen 13.30 Uhr beendet. Zuerst hatte das „Hamburger Abendblatt“ berichtet. Staub wurde in Hamburg geboren und gehört zu den letzten noch flüchtigen ehemaligen Mitgliedern der linksextremistischen Roten Armee Fraktion. Nach ihm und Burkhard Garweg wird seit Jahren gefahndet. Beide sollen gemeinsam mit Daniela Klette an einer Serie von Überfällen auf Geldtransporter und Supermärkte beteiligt gewesen sein. Das Landeskriminalamt Niedersachsen führt die Fahndung nach Staub und Garweg weiter; die Behörde warnt ausdrücklich davor, die Gesuchten anzusprechen, da sie bewaffnet sein könnten. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Der Einsatz in Hamburg fiel in eine Woche, in der die RAF-Fahndung erneut stark in den Fokus rückte. Am Mittwoch hatte das Landgericht Verden die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Klette mit Staub und Garweg Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen überfallen hatte. Verurteilt wurde sie unter anderem wegen schweren Raubes, versuchten schweren Raubes, erpresserischen Menschenraubes, schwerer räuberischer Erpressung und Verstößen gegen Waffengesetze. Nach Angaben des LKA Niedersachsen werden Staub und Garweg insgesamt 13 Raubstraftaten aus den Jahren 1999 bis 2016 zugerechnet. Eine wichtige Spur ergab sich demnach nach einem versuchten Überfall auf einen Geldtransporter am 6. Juni 2015 vor einem Real-Markt in Stuhr bei Bremen. In der Folge kam es zu weiteren Taten, darunter ein Überfall in Cremlingen im Juni 2016, der laut LKA vorläufig das Ende der Serie markierte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Überfälle nicht mehr der politischen RAF-Agenda dienten, sondern der Finanzierung des Lebens im Untergrund. Bei den Taten sollen die Täter maskiert und teils schwer bewaffnet vorgegangen sein. Im Klette-Prozess ging es am Ende um acht Überfälle, bei denen insgesamt mehr als zwei Millionen Euro erbeutet wurden. Fünf ursprünglich verfolgte Taten wurden während des Verfahrens nicht weiterverfolgt. Mehr als 30 Jahre im Untergrund Klette war im Februar 2024 nach mehr als 30 Jahren im Untergrund in Berlin festgenommen worden. In ihrer Wohnung fanden Ermittler nach Medien- und Gerichtsberichten unter anderem Waffen, Munition, eine Panzerfaust-Attrappe, gefälschte Ausweise, Perücken, Gold und rund 240.000 Euro Bargeld. Seit ihrer Festnahme konzentriert sich die Fahndung auf Staub und Garweg. LKA-Präsident Thorsten Massinger sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Ermittler würden nicht nachlassen; aktuell gebe es aber keine heiße Spur. Staub, Garweg und Klette werden der sogenannten dritten Generation der RAF zugerechnet. Diese Generation gilt bis heute als besonders schwer aufzuklären. Ihr werden unter anderem Anschläge aus den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren zugeschrieben. Die RAF selbst erklärte 1998 ihre Auflösung. In den knapp drei Jahrzehnten ihres Bestehens ermordete sie nach verbreiteten Angaben 34 Menschen; zahlreiche weitere wurden verletzt. Für Klette könnte das Urteil von Verden nicht das letzte Verfahren bleiben. Der Generalbundesanwalt erhob im März 2026 Anklage wegen mutmaßlicher Beteiligung an drei RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993, darunter der Schusswaffenangriff auf die US-Botschaft in Bonn-Bad Godesberg und der Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt. Über die Eröffnung eines weiteren Prozesses muss das Oberlandesgericht Frankfurt entscheiden.