Die stark gestiegenen Treibstoffpreise bringen Teile der deutschen Fischerei unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Nach Angaben des Deutschen Fischerei-Verbands prüfen die Betriebe inzwischen vor jeder Fangreise, ob die erwarteten Erlöse überhaupt noch ausreichen, um die Kosten der Fahrt zu decken. In manchen Fällen fällt die Entscheidung gegen das Auslaufen. „Die Fischereibetriebe müssen vor der Fangreise kalkulieren, ob bei einer Fangfahrt die Kosten höher sein werden als die möglichen Erlöse, und dann wird entschieden, ob sie überhaupt losfahren“, sagte ein Sprecher des Verbands. Gegenwärtig blieben Kutter im Hafen, weil sich Fahrten nicht rechneten. Das wirke sich auch auf das Angebot an Fisch und Krabben aus. Besonders belastend sind dem Verband zufolge die Preise für Marinegasöl. Sie hätten sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Die Fischer könnten diese Mehrkosten jedoch nicht vollständig an Handel und Verbraucher weitergeben. Finanzielle Hilfen für Fischer Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat Hilfen angekündigt. Betriebe an Nord- und Ostsee können demnach rückwirkend Beihilfen von bis zu 50.000 Euro beantragen. Insgesamt stehen 4,5 Millionen Euro zur Verfügung, die Europäische Union hat die Unterstützung gebilligt. Dem Fischerei-Verband reicht das nicht. Vor allem Krabbenfischer könnten den Höchstbetrag bereits innerhalb weniger Wochen aufzehren. Die Hilfen seien deshalb lediglich „ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte der Verbandssprecher. Die Preise für Erdöl, Erdölprodukte und Erdgas sind nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar gestiegen. Produktionsanlagen wurden während des Kriegs beschädigt, zugleich sind Lieferketten auf dem See- und Landweg gestört. Forderungen von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, Katharina Fegebank (Grüne), fordert angesichts der hohen Preise zusätzliche Entlastungen. Viele Menschen und Unternehmen müssten inzwischen jeden Cent zweimal umdrehen. Gleichzeitig erzielten internationale Energiekonzerne infolge der Lage im Nahen Osten außergewöhnlich hohe Gewinne. „Es ist eine Frage der Fairness, hier für einen Ausgleich zu sorgen“, erklärte Fegebank. Krisenbedingte Sondergewinne im Energiesektor sollten gezielt abgeschöpft und zur Finanzierung von Entlastungen verwendet werden. Das Geld müsse nach ihren Vorstellungen schnell und möglichst unbürokratisch in Form direkter Pauschalen bei den Betroffenen ankommen. Darüber hinaus verlangt die Grünen-Politikerin eine deutliche Senkung der Stromsteuer. Strom müsse dauerhaft günstiger werden als fossiles Öl und Gas, um Haushalten und Unternehmen Planungs- und Investitionssicherheit zu geben. Zugleich warnte Fegebank davor, Hoffnungen auf eine Rückkehr zu früheren Energiepreisen zu wecken. „Die Zeiten dauerhaft billiger fossiler Energieträger sind vorbei“, sagte die Senatorin aber auch. Bei Kraftstoffen und Heizkosten werde es auf absehbare Zeit keine Rückkehr zu den alten Preisniveaus geben. Die langfristig verlässliche Antwort sei deshalb der konsequente Umstieg auf erneuerbare Energien.