Am Ende stand die große Enttäuschung. Mit 2:4 war Australien im Elfmeterschießen an Ägypten gescheitert. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Doch dieses Aus war selbstverschuldet. Eine mutige wie unverständliche Auswechslung geriet zum Bumerang. Dass die Australier zum Ende der zweiten Halbzeit überhaupt noch auf das Achtelfinale hoffen durften, lag vor allem an ihm: Patrick Beach. Der australische Torhüter hatte seine Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft schon während der Gruppenphase mehrfach im Spiel gehalten. Auch im Sechzehntelfinale gegen Ägypten zeigte der 22-jährige Schlussmann eine tadellose Leistung. Mit einer Glanzparade in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit rettete er Australien dann sogar in die Verlängerung. Da dort lange Zeit nicht viel passierte und die Nordafrikaner ihre Überlegenheit nicht zu Zählbarem verwerten konnten, lief alles auf das Elfmeterschießen hinaus. Nun hat Ägypten nicht die besten Erfahrungen mit dem finalen Shootout vom Punkt. Australien (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/gp-australien/) schien – vor allem dank Beach – im Vorteil. Dann aber kam die 119. Minute und der vierte Offizielle hielt die Wechseltafel in die Luft. Darauf las sich durchaus Erstaunliches: eine Eins in Grün – und die 18 in Rot. Australiens Trainer Tony Popovic wechselte tatsächlich den Torwart aus. Für Beach, den besten Spieler der Aussies, kam der auch körperlich deutlich kleinere Routinier Mathew Ryan. „Sie haben sich schon erhofft, dass Ryan der bessere Elfmetertöter ist. Das ist ein bisschen Gambling. Das brauchst du im Elfmeterschießen“, sagte Tobias Schweinsteiger, Experte bei Magenta TV, später: „Da steht schon eine Idee dahinter. Das kann gut gehen. In dem Fall ging sie leider nicht gut.“ Ägyptens Spieler schauen auf den Laptop Während bei den Australiern gleich zwei Spieler verschossen, hielt Ryan keinen der vier Elfmeter Ägyptens, entschied sich jedes Mal viel zu früh für eine Ecke. Für den Zuschauer überraschend, doch die gegnerischen Schützen hatten genau diesen Fakt mit auf den Weg bekommen, wie das Team von Magenta-TV-Taktikexperte Jan Henkel umgehend herausfand. Den Ägyptern war vor Beginn des Elfmeterschießens auf dem Platz ein Strafstoß von Kylian Mbappé gegen Ryan gezeigt worden. Die Schützen hatten sich um einen Laptop versammelt, wo eben diese (zu) frühe Entscheidungsfreudigkeit des Torwarts zum Ausdruck gebracht wurde. „Wenn du das weißt, bist du als Schütze im Vorteil“, sagte Schweinsteiger. Und so konnte Ägypten um Starstürmer Mohamed Salah feiern: „Das hier ist Geschichte. Es ist das Größte, was ich jemals erlebt habe. Wir müssen jetzt den Moment genießen. Ich bin so glücklich. Aber Australien hatte auch Pech.“ Oder auch nicht. Die Auswechslung dürfte den Australiern letztlich die große Chance auf das Achtelfinale gekostet haben.