Welt 30.09.2026
08:28 Uhr

„Diese Gewalt ist unsäglich“ – Schülerproteste in Frankreich eskalieren, Polizei nimmt Hunderte fest


Die Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus. Hunderte Menschen wurden festgenommen, Dutzende verletzt. Die Regierung wirft Beteiligten vor, mit Blockaden und Gewalt Schüler und Lehrkräfte zu gefährden.

„Diese Gewalt ist unsäglich“ – Schülerproteste in Frankreich eskalieren, Polizei nimmt Hunderte fest

Bei den teils gewaltsamen Schülerprotesten in Frankreich sind am Dienstag nach Angaben der Regierung 440 Menschen festgenommen worden, überwiegend Minderjährige. Das Bildungsministerium meldete zugleich 31 Verletzte unter Schülern und Beschäftigten. Mindestens zehn Beschäftigte des Bildungswesens seien verletzt worden, erklärte Bildungsminister Édouard Geffray. Unter den Verletzten seien ein Lehrer, der im Norden des Landes geschlagen worden sei, sowie ein Schulleiter, der im Département Hauts-de-Seine durch einen Feuerwerkskörper verletzt worden sei, erklärte Geffray im Onlinedienst X (verlinkt auf https://x.com/EdouardGeffray/status/2104984717686657396) . Ein weiterer Schulleiter sei im Département Essonne mit dem Tod bedroht worden. „Diese Gewalt ist unsäglich“, schrieb der Minister. Das Demonstrationsrecht sei eine grundlegende Freiheit, dürfe aber nicht als Rechtfertigung für solche Taten dienen, erklärte Geffray weiter. „Wer sie legitimiert oder in diesem Zusammenhang zur Ausweitung der Blockaden aufruft, bringt unsere Schüler ebenso wie die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Gefahr. Das ist unverantwortlich.“ Nach Angaben des Bildungsministeriums waren am Dienstag insgesamt 416 Schulen von Protesten oder Störungen (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/article6abab20ff7cbe7cf0da4ce70/schlechte-schulausstattung-gewalt-in-reinform-164-festnahmen-und-dutzende-verletzte-bei-protesten-an-frankreichs-schulen.html) betroffen. Am Abend waren demnach noch 338 Schulen betroffen, 45 davon blockiert; an 46 weiteren gab es Blockadeversuche. Die Proteste hatten in der vergangenen Woche im Großraum Paris begonnen und sich anschließend auf andere Landesteile ausgeweitet. Bereits am Freitag hatte es Festnahmen gegeben. Schüler von weiterführenden Schulen, den Lycées, demonstrieren nach Medienberichten etwa gegen fehlende Mittel und Lehrkräfte, aber auch überfüllte Klassen und Stundenpläne. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez gab an, dass es am Montag 27 vollständige Blockaden von Schulen sowie 50 Blockadeversuche gegeben habe. Am Dienstag stand in Frankreich außerdem ein nationaler Streiktag im öffentlichen Dienst an. Dieser dreht sich um befürchtete Einsparungen im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr, den Premier Sébastien Lecornu am Donnerstag vorlegen will. Nötig sind Milliardeneinsparungen, da Frankreichs Staatsverschuldung inzwischen auf einen Rekordwert angestiegen ist.