Welt 06.10.2026
15:47 Uhr

Die meisten Bücher landen am Ende bei Oxfam


Reclam-Hefte laufen gut bei Jüngeren, denn sie ähneln einem Smartphone.

Die meisten Bücher landen am Ende bei Oxfam

Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet. Im vergangenen Jahr kamen immerhin 238.000 Besucher, also sehr viel mehr, als längere Texte verstehen. Tatsächlich können in Deutschland inzwischen mehr Menschen flüssig scrollen und wischen als lesen und schreiben. 85 Prozent der Bevölkerung sind immerhin in der Lage, allgemeinen Geschäftsbedingungen zuzustimmen, ohne sie gelesen zu haben. Gerade junge Menschen wollen ein Display in der Hand halten und kein unförmiges Buch. Den Verlagen fällt es schwer, sich auf die veränderten Haltegewohnheiten einzustellen. Von der Form her ähnelt am ehesten ein Reclam-Heft dem Smartphone, aber kaum jemand würde gelb als Hintergrundfarbe für seinen Desktop wählen. Das Buch wird von den meisten Besuchern der Messe als Dekoartikel wahrgenommen, der dafür sorgt, dass die Regale nicht so leer aussehen. Unverzichtbar sind Bücher aber für Performative Reading, also das wichtigtuerische, öffentliche Starren in ein aufgeschlagenes Buch, als herbstlicher und weihnachtlicher Tischschmuck und zum Befüllen von Kisten, die man bei Oxfam oder der Caritas abliefert.