Welt 06.06.2026
06:53 Uhr

Der Riese, auf dessen Penis Paare nachts Sex haben


Etwa alle zehn Jahre restaurieren freiwillige Helfer eine der berühmtesten Kreidefiguren Europas: den mysteriösen „Cerne Abbas Giant“ im südenglischen Dorset. Ein Ortsbesuch – und ein Gespräch über Schafe, Sex und Herkules.

Der Riese, auf dessen Penis Paare nachts Sex haben

Es ist die schweißtreibendste Schönheits‑OP Europas: Die 55 Meter große Kreidefigur des „Cerne Abbas Giant“, benannt nach der gleichnamigen Ortschaft nördlich von Dorchester (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article205686445/Wikinger-Sturm-Der-Geruch-von-Blut-und-Eingeweiden-hing-in-der-Luft.html) , soll wieder in frischem Weiß erstrahlen. Für die Mammutaufgabe tummeln sich derzeit mehr als 300 Helfer auf dem steilen Hügel in der südenglischen Grafschaft Dorset, kratzen altes Material und Gras aus den Umrissen und stampfen frische Kreide in den Linien fest. „Es ist brutal“, sagt Chefranger Luke Dawson, 42, der die Arbeiten überwacht. „Wir arbeiten im Schichtbetrieb, müssen aber immer wieder Nachmittagsschichten absagen, weil es schlicht zu heiß ist.“ Bei Regen wird der Hügel zur glitschigen Rutschbahn. Gut alle zehn Jahre restaurieren die Helfer den etwa 1000 Jahre alten, knüppelschwingenden Koloss. Geoglyphen nennt man großflächig auf dem Erdboden zu Bildern geformte Linien. Bei dem „Cerne Abbas Giant“ handelt es sich um ein „Scharrbild“, das durch das Entfernen der dunkleren Oberschicht des Gesteins entsteht. In den vergangenen Jahren wurde der Koloss mit dem Riesenpenis (verlinkt auf https://www.welt.de/wissenschaft/article6971e57fbcde554af96b60fb/sex-die-ungewoehnlich-grosse-groesse-des-penis-hat-sich-zu-einem-sexuellen-schmuckstueck-entwickelt.html) immer matter. „Es gab starkes Algenwachstum auf den Linien. Dies hat die Sichtbarkeit verringert“, sagt Dawson. „Zudem wurden die Regenfälle stärker und häufiger. So wurde immer mehr Kreide weggeschwemmt.“ Befördert werde die Erosion (verlinkt auf https://www.welt.de/wissenschaft/plus6a0427de1da06efdfa61880d/salz-bedroht-fluss-damals-zeigten-die-deutschen-mit-dem-finger-auf-die-polnischen-zustaende.html?icid=search.product.onsitesearch) durch zunehmend heißer werdende Sommer, in denen weniger Gras wachse, wodurch der Boden an Stabilität verliere. Die Helfer legen zunächst die Umrisslinien frei, stechen die Kanten aus und entfernen die obersten Schichten der Kreide. Dann schaffen sie etwa 17 Tonnen neue Kreide auf den Hügel, mischen sie mit Wasser, tragen das Gemisch auf und stampfen es in mühevoller Handarbeit fest. „Die Substanz ist wie Kitt“, sagt Dawson, „wir kleben die Linien gleichsam zu.“ In den Jahren zwischen den Einsätzen übernehmen Schafe (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/schafe/) einen großen Teil der Arbeit: Sie halten das Gras kurz. So bleibt das Scharrbild vom mehrere Hundert Meter entfernten Aussichtspunkt sichtbar. Dieses Jahr wollten Hunderte Helfer bei der Restaurierung des berühmten Kunstwerks mitarbeiten. „Normalerweise darf niemand den Giganten betreten, das ist schon ganz besonders, wenn man auf das abgesperrte Gelände darf“, sagt Dawson. Sie mussten viele Bewerber abweisen. „Es dürfen nur zweimal 25 Helfer in zwei Schichten gleichzeitig arbeiten, damit es nicht zu chaotisch wird“, sagt er. „Manche wollen unbedingt am Penis arbeiten. Der ist auch das beliebteste Fotomotiv der Helfer. Wahrscheinlich ist das so ein Testosteron‑Ding.“ Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen (verlinkt auf https://eur01.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2Fpreferences%2Fsource%3Fq%3Dwelt.de&data=05%7C02%7Csoenke.krueger%40welt.de%7Ceddc4e23038a41bcc77008deb702b786%7Ca1e7a36c6a4847689d653f679c0f3b12%7C0%7C0%7C639149419608990620%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=fx9n7soUSdgRKEOxQl1TGsVO455FAZaEATZPGcQOA0Y%3D&reserved=0) Entstehung und Bedeutung des Giganten liegen weitgehend im Dunkeln. Warum ist er gerade hier entstanden? Wieso hält er einen riesigen Knüppel in der Hand? Was hat es mit dem riesigen Penis auf sich? Trotz jahrzehntelanger Forschungen ranken sich immer noch Rätsel um die Figur. Es gibt Dutzende Theorien. Als wahrscheinlich gilt, dass das Scharrbild als Sammelplatz für westsächsische Soldaten angelegt wurde. Der Riese diente möglicherweise als Symbol für Stärke und Männlichkeit (verlinkt auf https://www.welt.de/wissenschaft/article6a1ee0eaf2919cfc7489456d/evolution-wie-diese-seltene-spezies-lernte-sich-ohne-maenner-fortzupflanzen.html?icid=search.product.onsitesearch) und sollte angreifende Wikinger beeindrucken. Zuletzt wurde die Figur bei archäologischen Untersuchungen im Jahr 2020 auf ein Alter zwischen 1300 und 900 Jahren datiert. Zuvor war lange vermutet worden, dass sie aus römischer Zeit stammt. Erstmals erwähnt wurde der Gigant 1694. Manche glaubten, dass der Riese als Karikatur des Staatsmannes und Heerführers Oliver Cromwell angelegt worden ist, der während des im 17. Jahrhundert wütenden Bürgerkriegs für seine Skrupellosigkeit berüchtigt war. Modell der Männlichkeit Andere sahen in der Figur die Abbildung eines Abtes des örtlichen Klosters. Aktuelle Interpretationen sehen in der Figur eine Herkules (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article119158688/Herakles-Was-der-Sohn-von-Zeus-mit-Gibraltar-zu-tun-hat.html) ‑Darstellung. Demnach deuten Körperform und Haltung auf Abbildungen des römischen Helden hin. Die knotige Keule sei ein typisches Erkennungszeichen, so eine Studie von 2024: „Ein riesiges Bild von Herkules wäre ein idealer Hintergrund für die Monumentalisierung eines Sammelplatzes in der Landschaft gewesen“, heißt es. „Vor allem angesichts der seit Langem bestehenden Charakterisierung von Herkules als Modell der Männlichkeit, insbesondere unter Kriegern, und seiner Verbreitung im neunten und zehnten Jahrhundert.“ Frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass der „Cerne Abbas Giant“ vermutlich immer wieder für Jahrzehnte überwuchert war, dann aber wieder freigelegt wurde. Andere Forscher fanden heraus, dass er einst ein Tuch oder Tierfell über seinem Arm trug. Der sieben Meter lange Penis fehlt in vielen historischen Darstellungen. Möglich, dass er erst später angefügt wurde oder die Darstellungen ihn aus Gründen des Anstands nicht zeigten. Der „Cerne Abbas Giant“ ist nur eine der zahlreichen Scharrfiguren im Vereinigten Königreich. So zeigt der „Long Man of Wilmington“ in East Sussex einen stehenden Mann mit zwei Stäben. Das 200 Jahre alte „Osmington White Horse“ in Dorset und das 3000 Jahre alte „Uffington White Horse“ nahe Oxford stellen Pferde dar. Der „Cerne Abbas Giant“ ist das bekannteste und meistbesuchte Scharrbild des Landes. Das liegt vermutlich auch daran, dass es die Fantasie besonders anregt. „Das Faszinierende an unserem Riesen ist, dass er ein Gesicht hat“, sagt Ranger Luke Dawson. Für die Menschen in der Gegend sei er Teil der lokalen Gemeinschaft: „eine Art rätselhafter, liebgewonnener Vorfahr.“ Der Rest der Welt reduziere ihn weitgehend auf sein Genital, sehe in ihm vor allem „Englands berühmtesten Phallus“. Vor ein paar Jahrzehnten landete der Ballon einer Kondomfirma nahe des Scharrbilds – zu Publicityzwecken. Und nach wie vor klettern Paare in der Nacht über den Zaun, um auf dem Penis Sex (verlinkt auf https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus6a1da599ae59523b137e45e4/wechseljahre-warum-sex-nach-50-fuer-viele-frauen-erst-richtig-beginnt.html) zu haben. „Vermutlich erhoffen sie sich davon eine verbesserte Fruchtbarkeit“, mutmaßt Dawson lächelnd, „oder es ist einfach nur eine Mutprobe oder ein besonderer Thrill.“