Welt 08.09.2026
10:29 Uhr

„Darüber lache ich, aber wirklich“ – Baumann spottet über Wüsts Vorstoß zu AfD-Verbotsverfahren


AfD-Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann erhöht nach der Sachsen-Anhalt-Wahl den Druck auf die CDU. Die Union müsse „Teil der Lösung“ werden, sonst drohe ihr der „Parteientod“. Auch Neuwahlen brachte er ins Spiel.

„Darüber lache ich, aber wirklich“ – Baumann spottet über Wüsts Vorstoß zu AfD-Verbotsverfahren

Der Parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann hat die CDU nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erneut zu einer Zusammenarbeit mit seiner Partei aufgefordert. Die Union müsse entscheiden, „ob sie jetzt Teil der Lösung werden“ wolle, sagte Baumann bei WELT TV. „Entweder die CDU insgesamt oder einzelne von der CDU.“ Alles zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und den Folgen lesen Sie in unserem Liveticker (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a9555d4ec27d32fb526a8ea/wahl-in-sachsen-anhalt-sepp-mueller-schliesst-cdu-ueberlaeufer-in-sachsen-anhalt-aus-merz-droht-afd-mit-massnahmen-liveticker.html) . Baumann sieht die CDU in der Pflicht, ihre bisherige Haltung gegenüber der AfD zu überdenken, weil es sowohl in Sachsen-Anhalt als auch auf Bundesebene inhaltlich die „größten Schnittmengen“ gebe. Die CDU hatte allerdings eine Zusammenarbeit mit der AfD bereits ausgeschlossen. Aus Sicht Baumanns ist eine Annäherung jedoch unausweichlich: „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die CDU, Einzelne in der CDU oder die CDU insgesamt springt“. Mit Verweis auf das Wahlergebnis seiner Partei ergänzte Baumann: „Wir sind hier nur noch einen Hauch von der absoluten Mehrheit entfernt.“ Als Rückenwind wertete er eine Umfrage, wonach „73 Prozent der Bundesbürger“ ähnliche AfD-Ergebnisse bei künftigen Landtagswahlen für möglich hielten. Baumann stellte die Union vor eine grundsätzliche Entscheidung: „Die CDU muss sich entscheiden, will sie sozusagen den Parteientod sterben oder will sie auf Seiten der Zukunft sein?“ Eine Zusammenarbeit mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hält Baumann dagegen für kaum vorstellbar. Eine Koalition mit dem BSW sei „extrem unwahrscheinlich“. Seine Partei wolle einen „kompletten Politikwechsel“, erklärte er. Dies könne man „nicht mit so einer Abenteurer-Truppe“. Für den Fall, dass keine stabile Mehrheit zustande kommt, brachte Baumann Neuwahlen ins Gespräch. „Wenn das jetzt nicht klappt und gar nichts zustande kommt, dann lass uns noch mal vor den Wähler treten. Dann soll er sagen, ob er jetzt den Wandel will oder nicht“, sagte der AfD‑Politiker. „Die Demokratie ist da ganz klar strukturiert. Die will Lösungen und sie wird Lösungen kriegen.“ Scharfe Kritik übte Baumann zudem an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der sich für eine erneute Prüfung eines möglichen AfD-Verbots ausgesprochen hatte. „Darüber lache ich, aber wirklich“, sagte der AfD‑Politiker. Das zeige „nur die Verzweiflung dieser Anhänger innerhalb der CDU von links und linksgrün“. Der Vorstoß sei aus seiner Sicht eine „Offenbarung von Teilen der CDU als politisch ernstzunehmende Organisation“. Der NRW-Ministerpräsident hatte sich zuvor erstmals für die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Prüfung eines möglichen AfD-Verbots ausgesprochen (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a9e636d5b4ed46cf0f04ea7/ministerpraesident-von-nrw-das-hat-oeffentlich-bisher-kein-cdu-mensch-gesagt-wuest-prescht-vor-beim-afd-verbotsverfahren.html) . Die Gruppe solle „diese Partei prüfen und die etwaigen Rechtsfolgen“, sagte Wüst bei einer Veranstaltung in Berlin. Dabei dürfe das Ergebnis nicht vorgegeben werden: „Das kann ein Verbot sein, das kann auch etwas anderes sein.“ Nach seinen Angaben habe bislang „kein CDU-Mensch“ öffentlich gefordert, eine solche Arbeitsgruppe einzusetzen. Auch Parteichefin Alice Weidel äußerte scharfe Kritik: „Ich musste lachen, als ich das gelesen habe, dass Herr Wüst tatsächlich diese Arbeitsgruppe zum Verbotsverfahren der Alternative für Deutschland anstrebt. Was soll man dazu sagen?“, sagte sie bei WELT. Es sage eher etwas über Herrn Wüst und sein Demokratieverständnis als über die AfD. „Das scheint einherzugehen mit den desaströsen Wahlergebnissen. Da muss man dann schnell mal die stärkste Kraft verbieten wollen. Also, ich wünsche ganz viel Vergnügen dabei.“ Mehr Informationen zur Landtagswahl finden Sie hier: • Alle Ergebnisse und Grafiken der Landtagswahl (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7b22960e3689919ec77ef0/wahlergebnis-sachsen-anhalt-2026-alle-ergebnisse-und-grafiken.html) im Überblick • So falsch lagen die Umfrageinstitute (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a9d6540240b302c8a83b1bc/sachsen-anhalt-cdu-massiv-ueberschaetzt-bsw-unterschaetzt-so-falsch-lagen-die-umfragen.html) bei der letzten Sachsen-Anhalt-Wahl • Alle Wahlkreise und ihre Sieger in Sachsen-Anhalt (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7b356e5a14d83b293f081c/landtagswahl-2026-alle-wahlkreise-und-ihre-sieger-in-sachsen-anhalt-im-ueberblick.html) im Überblick • Wählerwanderung: Mehr als jeder zweite neue AfD-Wähler war 2021 Nichtwähler (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7b304d5a14d83b293f07b7/waehlerwanderung-cdu-verliert-selbst-an-gruene-und-linke.html) • Demografie und Berufe: AfD holt in zwei Altersgruppen mehr als jede zweite Stimme (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7b2d4f5a14d83b293f074d/wahl-in-sachsen-anhalt-afd-holt-in-zwei-altersgruppen-mehr-als-jede-zweite-stimme-nur-5-prozent-fuer-cdu-bei-den-jungen.html)