Wimbledon ist das älteste und wohl prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt. Auf dem Platz in Südlondon wurde unter anderem Boris Becker zur Legende, als er dort 1985 mit 17 als jüngster männlicher Spieler die Trophäe gewann. Doch Tennis rückt bei »den Championships«, wie Kenner sie auch nennen, (fast) in den Hintergrund. Denn neben dem Platz spielt sich noch so viel mehr ab, was den Grand Slam jährlich zu einem der größten Sportevents des Jahres macht. Von der penibel gemessenen Rasenlänge über die berüchtigte »Wimbledon Queue« hin zu absurd teurem Merch. Wenn Sie beim Wimbledon-Small-Talk punkten wollen, sind hier sieben Funfacts zum Turnier.
Der heilige Rasen
Acht Millimeter, keinen Tick kürzer oder länger. Auf diese Länge wird der Rasen in Wimbledon seit 1995 getrimmt. Den Turnier-Chefs zufolge hätten Experten die acht Millimeter als die optimale Länge zum Spielen und für die Langlebigkeit des Rasens ermittelt. Aber nicht irgendein Rasen wird penibel gemessen. Seit 2001 wird ausschließlich deutsches mehrjähriges Weidelgras ausgesät. Die Grassorte gilt als besonders trittfest und strapazierfähig. Zuvor wurde eine Mischung aus Weidelgras (70 Prozent) und Kriech-Rotschwingel (30 Prozent) genutzt. Doch Untersuchungen des Sports Turf Research Institute in Yorkshire hätten ergeben, dass 100 Prozent deutsches Weidelgras optimal sind, um die Haltbarkeit des Rasens zu verbessern und die Grasnarbe zu stärken.
Rasenpflege auf dem Center Court
Foto: Adam Vaughan / EPADie akribische Pflege des Rasens lohnt sich, Wimbledon ist der einzige Grand Slam, der auf Rasen gespielt wird und auch deshalb ist es so berühmt.
Erdbeeren, sehr viele Erdbeeren
Gibt es beim Fußball eher Bratwurst oder beim Football Hotdogs, werden in Wimbledon Strawberries and Cream, also Erdbeeren mit Sahne, verspeist. Um die Erdbeeren an die Zuschauer zu bringen, gibt es sogar ein ganzes Strawberry Center. Kein Wunder, denn dort müssen jedes Jahr mehrere Tonnen der roten Früchte verarbeitet werden. Geliefert werden die Beeren schon seit Jahrzehnten vom Familienbetrieb Hugh Lowe Farms in Kent.
Erdbeeren mit Sahne gehören zu Wimbledon wie der grüne Rasen
Foto: Julian Finney / Getty ImagesWährend des Turniers müssen sich die Mitarbeiter in Wimbledon um 15 bis 16 Paletten Erdbeeren täglich kümmern. Mit einem Löffel werden zunächst die grünen Blätter entfernt, dann die Beeren in Boxen sortiert und an die Verkaufsstände verteilt. Der Preis für eine Box liegt mittlerweile bei knapp drei Pfund (etwas über drei Euro). Und die Sahne können Gäste auch in veganer Variante bekommen. 140.000 Portionen werden jedes Jahr im Schnitt gekauft, das entspricht etwa 28.000 Kilo Erdbeeren und 7000 Liter Sahne. Und nicht nur die Zuschauer lieben den fruchtigen Snack, auch die Tennisprofis.
Die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka sagte der BBC zu den Wimbledon-Erdbeeren: »Die sind einfach das Beste, ich bin süchtig danach. Ich kann einfach nicht aufhören, sie zu essen.«
Korken bitte leise knallen lassen
Die Erdbeeren müssen natürlich mit einem Getränk heruntergespült werden. In Wimbledon entscheiden sich die Zuschauer meist zwischen dem legendären Pimm’s Cup oder Champagner. Der Pimm’s Cup besteht aus einem besonderen Likör auf Ginbasis (Pimm’s), Ginger-Ale, Eiswürfeln, einer Zitrone und wahlweise Minze oder Erdbeeren. Ein Becher kostet etwa 14 Euro.
Zuschauerin mit ihrer Pimm’s Cup
Foto: Tolga Akmen / EPAWer Champagner schlürfen möchte, muss rund 120 Euro für die Flasche in die Hand nehmen. Aber Vorsicht: die Korken bitte leise knallen lassen. Beim vergangenen Turnier ging ein Video viral, in dem die Zuschauer darauf hingewiesen wurden, ihren Champagner bitte nicht laut zu öffnen, während sich die Spielerinnen und Spieler auf ihren Aufschlag konzentrierten.
@wimbledon Only at Wimbledon 🍾 #Wimbledon #tennis
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Mehr Wimbledon in einer Warnung gebe es nicht, witzelten die Kommentatorinnen daraufhin.
The Queue
Tickets für Wimbledon sind heiß begehrt; wer kein Glück in der großen Ticketlotterie hat, berühmt ist oder als Influencer von einer Marke eingeladen wird, muss sich in The Queue stellen. Die Schlange hat sogar einen eigenen inoffiziellen X-Account mit Bildern und Updates von vor Ort. In der Schlange wird jeden Tag entschieden, wer noch ein Tagesticket bekommt. Und dabei ist Durchhaltevermögen gefragt. Einen Tag, bevor man ein Match sehen möchte, sollte man sich im Wimbledon Park anstellen. In der Schlange erhalten die Kartenanwärter eine Wartemarke. Wer sich bis zum Nachmittag anstellt und über Nacht dort bleibt, hat in der Regel am nächsten Tag Chancen auf eine Eintrittskarte für einen der Showplätze: Centre Court, Platz eins oder Platz zwei. Etwa die ersten 1500 Menschen der Schlange schaffen es auf die besten Plätze. Die Preise für Tickets liegen dabei zwischen 24 und 400 Euro.
Der britische Content-Creator Alex Dodman hat seine Erfahrung in The Queue auf TikTok geteilt.
@alexdodman The famous Wimbledon Queue 🎾🍓 #wimbledon #tennis
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Stundenlanges Anstehen, um am Ende 35 Euro für Tickets zu zahlen, die einen lediglich aufs Gelände, aber auf keinen der guten Plätze lassen. Sein Fazit: Das Ganze fühlt sich an wie ein abgehobenes Glastonbury, er würde es nicht noch mal machen. Viele Tennisfans dürften da anderer Meinung sein. Für sie gehört Die Schlange zu Wimbledon dazu.
Ein Giftshop für pralle Geldbörsen
Wer es aufs Gelände geschafft hat, kommt am Wimbledon-Giftshop wahrscheinlich nicht vorbei. Dort können die Zuschauer alles kaufen, von Schweißbändern über Tennisschlägertaschen hin zu Erdbeer-Kuscheltieren. Wer hier sparen will, hat die Auswahl zwischen einem Paar Socken für 20 Euro oder einem Anstecker für 13 Euro. Der Rest der Wimbledon-Kollektion fordert einen höheren Kreditrahmen. Die teuersten Teile im Shop kosten jeweils 885 Euro: ein Wimbledon Polo Ralph Lauren Kaschmirpullover und eine Wimbledon Polo Ralph Lauren Satinjacke. Wer 20 Stunden lang brav in einer Schlange gestanden ist, muss sich ja irgendwie belohnen dürfen.
Monatelanges Training für Ballkinder
Auf dem Platz spielen nicht nur die Profis und die Schiedsrichter eine wichtige Rolle, sondern auch die flinken Ballkinder. Seit den Zwanzigerjahren ist es Tradition, dass sie auf dem Court unterstützen. Aus rund 1400 Bewerbungen schaffen es etwa 280 Ballmädchen und -jungen im Alter von 15 Jahren nach Wimbledon. Diejenigen, die die Bewerbungsphase überstehen, starten im Februar, also etwa fünf Monate vor dem eigentlichen Turnier, ihr Training. Darin werden Schnelligkeit und Wissen in den Fokus genommen. Einen guten Monat vor Beginn des Turniers trainieren die Kinder dann in Uniform auf den tatsächlichen Plätzen.
Die Ballkinder warten auf ihren Einsatz
Foto: Henry Nicholls / AFPFür ihre Arbeit bekommen die Kinder rund 230 Euro Taschengeld für die gesamte Turnierdauer. Dafür könnten sie sich im Giftshop ein Wimbledon Polo Ralph Lauren Polohemd kaufen.
Kleiderordnung, auch für Zuschauer
Die Spielerinnen und Spieler müssen auf dem Court in Wimbledon Weiß tragen. Ganze neun Regeln gibt es dazu im Wimbledon-Handbuch. Nummer eins: »Die Spieler müssen angemessene Tennisbekleidung tragen, die fast vollständig weiß ist; dies gilt ab dem Zeitpunkt, an dem der Spieler den Platzbereich betritt.« Falls unklar ist, was »Weiß« genau beinhaltet, hilft Regel Nummer zwei weiter: »Unter ›Weiß‹ fallen weder ›Off-White‹ noch ›Creme‹.« Ist denn ein gestreiftes Shirt erlaubt? Nein, Regel Nummer drei macht klipp und klar: »Es darf keine durchgehende Farbfläche oder ein durchgehender Farbstreifen vorhanden sein. Ein einzelner farbiger Streifen am Halsausschnitt und an den Ärmelbündchen ist zulässig, darf jedoch nicht breiter als ein Zentimeter (10 mm) sein.« Um das Ganze abzukürzen: Auch Unterwäsche, Schuhe und etwa Pflaster müssen weiß sein.
Naomi Osaka versteht es, trotz der strengen Kleiderordnung herauszustechen
Foto: Peter van den Berg / ISI Photos / IMAGOFür Zuschauer ist der Dresscode nicht ganz so streng. Sie sollten sich jedoch eher an ungeschriebene Regeln halten, wenn sie nicht wie Meghan Markle in der Klatschpresse zerrissen werden wollen. Markle tauchte einmal in Jeans auf. Keine gute Idee. Weiß, Beige, Blazer, Kleider – auch mal mit Punkten oder Blumenmuster und ein schöner (aber nicht zu großer) Hut: Dazu rät Sport- und Modejournalist Daniel-Yaw Miller bei BBC .
