Der frühere DFB-Direktor Oliver Bierhoff warnt mit Blick auf die Fußball-WM 2026 vor einer ähnlichen politischen Debatte wie vor der Endrunde 2022 in Katar. Der DFB solle einmal Position beziehen und dann deutlich machen: »Lasst die Mannschaft in Ruhe! Tragt eure Moraldebatten gern aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler«, sagte der 58-Jährige im Interview mit dem »Stern« .
Vor dem Turnier in den USA, Kanada und Mexiko wird beim Deutschen Fußball-Bund über den Umgang mit US-Präsident Donald Trump debattiert. »Lasst die Fußballer ihren Sport in Wettkämpfen ausüben, für die sie 365 Tage im Jahr hart arbeiten«, sagte Bierhoff. Wenn Athleten unterschiedlicher Hautfarbe oder Religion sportlich fair miteinander umgingen, entstünden Bilder, die verbindend wirken könnten.
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Einen Boykott des Turniers lehne er ab, sagte der frühere Nationalspieler. Er verwies auf enge wirtschaftliche und politische Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. »Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?«, fragte Bierhoff. Ein kritischer Kommentar eines Fußballers werde an der Lage nichts ändern.
Bierhoff selbst hat enge geschäftliche Verbindungen zu den USA, er soll sich in Europa um die Belange der New England Patriots aus der nordamerikanischen Footballliga NFL kümmern. (Warum dieser Job zu ihm passt, lesen Sie hier ).
Die Lehren aus Katar
Bierhoff stand 2022 im Zentrum der Kritik, als über das Turnier in Katar und den Umgang mit der Menschenrechtslage im Gastgeberland diskutiert wurde. Von der Nationalmannschaft wurden klare Zeichen verlangt, am Ende überlagerte die Debatte das Sportliche. Damals hatte der Verband das Tragen der »One Love«-Kapitänsbinde angekündigt. Auf Druck der Fifa knickte der DFB aber schließlich ein.
Die DFB-Auswahl schied in der Vorrunde aus. Vor dem Spiel gegen Japan (1:2) sorgten die Spieler mit einer Geste für Aufsehen – aus Protest gegen die Vorgaben des Weltverbandes Fifa hielten sie sich beim Teamfoto die Hand vor den Mund.
Die Geste der Nationalspieler vor dem ersten WM-Gruppenspiel 2022
Foto: Christian Charisius / dpa»Die Idee kam aus der Mannschaft. Einige Spieler hatten die Debatte sehr beschäftigt, sie wollten eine Reaktion zeigen. Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert«, sagte Bierhoff. Die Aussagen müssten »von der politischen Führung des Verbandes erfolgen«, ergänzte er.
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Zugleich kritisierte er die damalige Verbandsspitze um den damaligen wie heutigen DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf (64). Er hätte sich gewünscht, dass sich das DFB-Präsidium klarer zu Katar äußert und sich vor die Mannschaft stellt. »Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt«, sagte Bierhoff, der im Präsidium Beisitzer, aber nicht stimmberechtigt war. Die Spieler sollten sich nicht verpflichtet fühlen, etwas zu sagen. »Das zu verlangen, halte ich für überzogen und unangebracht.« Die meisten Diskussionen über den Einfluss des Sports halte er für »verlogen«.
Verantwortliche des DFB betonten zuletzt, dass »Fehler« aus Katar nicht wiederholt und politische Themen aus der Kabine herausgehalten werden sollten. Menschenrechtsorganisationen blicken bereits seit Monaten mit Besorgnis auf die Entwicklung der USA unter Trumps Führung.
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