Lange Minuten spielte Donald Trump brav mit. Erstaunlich gelassen wirkte der US-Präsident, als er den Hauptdarstellern des WM-Finales minutenlang die Hände schüttelte, Schultern und Brustmuskeln beklopfte und ihnen Medaillen umhängte, zumindest gemessen am Geltungsdrang typischer Trump-Auftritte. Dann versammelte sich die spanische Mannschaft auf der schnell errichteten Tribüne zum traditionellen Siegerfoto. Aber Trump ließ sich Zeit, die Bühne zu verlassen. Und machte dabei ein Gesicht wie ein gutmütiger, aber ein wenig zerstreuter Onkel, der bei Familienfeiern seinen Platz für das Erinnerungsfoto sucht.
Rodri reckt den Pokal: Donald Trump gefällt das
Foto: Frank Gunn / ZUMA / ddpObwohl Trump als US-Präsident über das Land herrscht, in dem das WM-Finale dieses Mal stattfand, hat auch er nicht das Hausrecht – besser gesagt: die zeremonielle Hoheit – bei offiziellen Fifa-Terminen. Und so versuchte dann auch der eigentliche Hausherr, für Ordnung vor dem Jubelsturm der Spanier zu sorgen: Fifa-Präsident Gianni Infantino bedeutete erst mit einem Lächeln, dann mit einem Lachen und schließlich mit mehr oder weniger deutlichen Gesten seinem Buddy Trump, er möge doch bitte die Bühne räumen. Ohne den geringsten Erfolg: Denn nur Momente später wollten die frisch gebackenen Weltmeister ihre Freude nicht mehr zurückhalten. Kapitän Rodri riss den Pokal in die Höhe und seine Mitspieler taten es ihm ausgelassen mit ihren Armen gleich – wie man das in solchen Situationen eben so macht. Und links von ihm stand Trump, lächelnd wie ein zufriedener Funktionär der siegreichen Mannschaft.
Auf vielen Fotos ist Trump jetzt direkt neben den ekstatisch jubelnden Spaniern zu sehen, hochgereckter Pokal und goldener Lamettaregen inklusive. Aber schon wenige Stunden später zeigen zwei offizielle Veröffentlichungen genau diese Situation ohne Trump. Da ist zum einen das offizielle Fifa-Posting auf dem Messengerdienst X, das den neuen Weltmeister ausruft. Hier ist das Bild auf der rechten Seite so abgeschnitten, dass nur noch ein Hauch von Trump im Anschnitt zu sehen ist:
Champions.#FIFAWorldCup pic.twitter.com/h7BTVx8R6A
— FIFA World Cup (@FIFAWorldCup) July 19, 2026
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Vielleicht eine kleine Konzessionsentscheidung zugunsten der Beziehung zwischen Fifa-Boss und US-Präsident. Eindeutiger und auch viel konsequenter ging der spanische Fußballverband vor. Denn das Foto in der offiziellen X-Botschaft der Selección Española Masculina de Fútbol hat zwar einen viel weiteren Bildwinkel, dafür ist von Trump überhaupt nichts mehr zu sehen. Das Foto könnte später aufgenommen worden sein, als Trump die Bühne bereits verlassen hatte.
🙌🏼🏆 LOS SUEÑOS SE CUMPLEN.#VamosEspaña | #CopaMundialFIFA pic.twitter.com/yBbtjvKmg2
— Selección Española Masculina de Fútbol (@SEFutbol) July 19, 2026
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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde gemutmaßt, dass Trump auf dem Bild des spanischen Verbandes auch heraus retuschiert worden sein könnte. Ein solcher Vorgang kann allerdings weder anhand von Fotos noch anhand von Videos zweifelsfrei belegt werden. Wir haben daher die Formulierung entsprechend angepasst.
