SpOn 06.10.2026
14:14 Uhr

Ukrainekrieg: Drohnenangriffe auf zwei Schiffe im Schwarzen Meer vor Bulgarien


Vor der bulgarischen Küste sind zwei Handelsschiffe angegriffen worden. Die Besatzung eines Frachters wurde teils verletzt gerettet. Bulgariens Regierung hat eine Krisensitzung einberufen.

Ukrainekrieg: Drohnenangriffe auf zwei Schiffe im Schwarzen Meer vor Bulgarien

Nach einem Drohnenangriff im Schwarzen Meer vor der Küste von Bulgarien ist ein Frachter gesunken, die Besatzung wird vermisst. Bei dem Vorfall am Dienstag ​seien rund 112 Kilometer vor der östlichen Küstenstadt Bjala zwei Schiffe getroffen worden, erklärte der bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew in einer ‌Fernsehansprache. Er berief eine Krisensitzung seiner Regierung ein.

Während seinen Angaben zufolge die Besatzung eines Getreidefrachters gerettet werden konnte, sank das andere, unter der Flagge Togos fahrende Schiff. Radew verurteilte den Angriff als grobe Verletzung des Völkerrechts. Wer für die Attacke mit Luft- und Seedrohnen vor der Küste des Nato-Landes verantwortlich war, blieb erst mal unklar. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

Die Ukraine meldete zudem, dass ein ​Frachter nahe der Hafenstadt Odessa von einem russischen Drohnenangriff getroffen worden sei. Dabei sei ein Mensch getötet, sieben weitere Menschen ⁠seien verletzt ⁠worden, teilte der Gouverneur der ukrainischen Schwarzmeer-Region Odessa mit. An Bord des unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Schiffs sei ein Feuer ausgebrochen.

Ein verletztes Crewmitglied wird abtransportiert

Ein verletztes Crewmitglied wird abtransportiert

Foto: Bulgarian News Agency / AP

Bei dem Vorfall in bulgarischen Gewässern handelte es ‌sich dem britischen Risikomanagement-Unternehmen Vanguard zufolge um die unter der Flagge Togos ​fahrende »Alfa Watan« und die ‌unter der Flagge Palaus fahrende »Able«. Beide Schiffe hätten in der bulgarischen Wirtschaftszone Notsignale gesendet. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Radiosenders BNR lief eine Rettungsaktion rund 150 Kilometer östlich der Küstenstadt Byala. Laut dem bulgarischen Fachportal Maritime.bg wurden 18 Personen gerettet.

Aus maritimen Sicherheitskreisen verlautete, erste Einschätzungen deuteten auf einen russischen Angriff hin. Radew äußerte sich nicht direkt dazu, wer hinter dem Angriff steckte, verwies jedoch auf den russischen Krieg gegen die ‌Ukraine. »Wenn dieser Krieg nicht beendet wird, wird er sich geografisch ausdehnen und das Risiko eines globalen Konflikts erhöhen«, sagte er. »Wir erleben eine Intensivierung des Krieges, bei der alle Regeln ‌des Völkerrechts verletzt und zivile Schiffe auf See ​angegriffen werden. Das ist absolut inakzeptabel.«

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Erst am ‌Montag waren bei einem Brand auf einem türkischen Frachtschiff im Schwarzen Meer ‌außerhalb der rumänischen ​Hoheitsgewässer zwei Menschen ums Leben gekommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte russische Drohnen dafür verantwortlich.

Seit Beginn der russischen Invasion ​in der Ukraine im Februar 2022 haben europäische ⁠Länder wiederholt Luftraumverletzungen durch russische Drohnen sowie ​auf Schifffahrtsrouten ​im Schwarzen Meer treibende Seeminen gemeldet. Laut der türkischen Handelskammer für Seefahrt wurden seit Beginn des Krieges 226 zivile und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen, eine Mehrheit davon in diesem Jahr.

jpe/Reuters