SpOn 12.08.2026
16:46 Uhr

USA: Moderater Demokrat David Crowley gewinnt Vorwahl in Wisconsin


Eigentlich hatte er sich bereits aus dem parteiinternen Wahlkampf in Wisconsin zurückgezogen. Nun hat David Crowley doch gewonnen, wohl wegen der zu linken Politik seiner Kontrahentin.

USA: Moderater Demokrat David Crowley gewinnt Vorwahl in Wisconsin

Sein Sieg in letzter Sekunde ist eine große Überraschung: Der moderate Demokrat David Crowley hat sich in der parteiinternen Vorwahl im US-Bundesstaat Wisconsin gegen die linke Politikerin Francesca Hong durchgesetzt.

Crowley bekam bei dem viel beachteten Rennen um die Kandidatur zur Gouverneurswahl in dem Swing State nur wenige Tausend Stimmen mehr, wie die Nachrichtenagentur AP prognostizierte. Sie berief sich zudem darauf, dass Hongs Wahlkampfteam eine Niederlage eingestanden habe. Crowley steht unter anderem für einen gemäßigteren Ansatz bei der Gesundheitsvorsorge, bezahlbarem Wohnen und Wirtschaftsförderung.

Die progressive Politikerin Hong galt als Favoritin der Partei, während der 40-jährige Crowley Anfang Juli eigentlich seinen Rückzug aus dem Wahlkampf bekannt gegeben hatte. Er hatte es für unwahrscheinlich gehalten, der demokratische Kandidat für die Gouverneurswahl zu werden. Nur Tage später sprach sich der scheidende Gouverneur von Wisconsin, Tony Evers, für ihn aus – und Crowley stieg wieder in das Rennen ein. Zuletzt war er Verwaltungschef des Bezirks Milwaukee.

Kritiker vermuten, dass Hong ihre dezidiert linke Politik wohl am Ende den Sieg gegen Crowley gekostet hat. Die Tochter südkoreanischer Einwanderer machte sich als Abgeordnete unter anderem für eine allgemeine Kinderbetreuung, bezahlten Urlaub für alle, vollständig finanzierte öffentliche Schulen und eine günstigere Krankenversicherung stark. In diesem Jahr brachte sie zudem einen Gesetzentwurf ein, der in dem Bundesstaat einen deutlich höheren Spitzensteuersatz vorsieht als bislang.

Die alleinerziehende Mutter sorgte in der Vergangenheit bei einigen US-Amerikanern mit ihren Äußerungen in der Öffentlichkeit für Stirnrunzeln. So sprach sie sich etwa für einen Boykott des traditionellen US-Feiertags Thanksgiving aus – ein Tabu in den Vereinigten Staaten. Später versuchte sie, diese Aussagen zu relativieren.

In Michigan konnte sich linker Demokrat durchsetzen

Die Vorwahl in Wisconsin war auch deswegen viel beachtet worden, weil sich auf der anderen Seite des Lake Michigan im gleichnamigen US-Bundesstaat der linke Demokrat Abdul El-Sayed bei der parteiinternen Vorwahl durchgesetzt hatte. Er will in den US-Senat einziehen und unter anderem eine allgemeine Gesundheitsversorgung vorantreiben, Spenden von Konzernen und Lobbyorganisationen in der Politik verbieten und die Einwanderungsbehörde ICE abschaffen.

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Viele von Hongs und El-Sayeds Kernanliegen gelten in den USA als progressiv – und womöglich zu weit links für die Mitte der Bevölkerung. Für Jon Cowan und Matt Bennett von der moderaten Denkfabrik Third Way etwa ist klar: Die Positionen werden bei der breiten Masse keinen Anklang finden.

Um etwa in Michigan bei der für die Demokraten wichtigsten Wählergruppe – den Weißen ohne Hochschulabschluss – punkten zu können, müsste El-Sayed seine progressiven Ambitionen aufgeben und auf israelkritische Äußerungen verzichten, heißt es in einem Gastbeitrag in der »Washington Post« . Bei Hong gingen die Autoren davon aus, dass ihre teils kontroversen Aussagen Probleme bereitet hätten. Ihr Fazit: »Daher ist die Annahme, dass irgendein Demokrat, egal, wie weit links er positioniert ist, diese Swing States gewinnen könnte, Wunschdenken und nicht realitätsnah.«

Hong selbst sieht ihre Niederlage nicht unbedingt als solche. Die Tatsache, dass ein demokratischer Sozialist in einem umkämpften Bundesstaat knapp am Sieg vorbeigeschrammt sei, sende eine klare Botschaft: Unter den Wählern der Partei herrscht eine nicht zu ignorierende Unruhe. »Wir haben etwas geschaffen, das die Politik für immer verändern wird«, sagte Hong zu ihren Anhängern. »Die Arbeit, die wir geleistet haben, wird für immer in Erinnerung bleiben.«

Gouverneurswahl im November

Für Crowley gilt es nun, das Amt am 3. November gegen den republikanischen Kandidaten Tom Tiffany zu verteidigen. Letzterer hatte sich ebenfalls in der Nacht zum Mittwoch gegen einen parteiinternen Kontrahenten durchgesetzt – mit deutlicher Mehrheit. Crowley könnte der erste schwarze Gouverneur Wisconsins werden.

Die Gouverneurswahl fällt auf denselben Tag wie die wichtigen US-Kongresswahlen, bei denen die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner neu über das gesamte Repräsentantenhaus und circa ein Drittel des Senats entscheiden werden.

Das Rennen im traditionellen Swing State Wisconsin wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da der Bundesstaat zwischen Republikanern und Demokraten umkämpft ist. In der Vergangenheit entschieden oft nur wenige Tausend Stimmen über den Sieg bei Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen.

czl/AP/dpa