SpOn 29.09.2026
07:14 Uhr

USA: 71-Jähriger nach Jahrzehnten im Todestrakt in Utah freigelassen


Douglas Stewart Carter wurde 1985 wegen des Mordes an der Tante eines Polizisten verurteilt. Mehr als 40 Jahre später kommt er nach einer neuen DNA-Analyse frei. Seine Unschuld steht allerdings noch nicht fest.

USA: 71-Jähriger nach Jahrzehnten im Todestrakt in Utah freigelassen

Im US-Bundesstaat Utah ist ein wegen Mordes verurteilter 71-jähriger Mann nach Jahrzehnten im Todestrakt freigelassen worden. Zuvor hatte es eine neue Analyse von DNA-Spuren gegeben.

Ein Richter ordnete trotz Einwänden der Familie des Opfers die Freilassung des Mannes gegen Kaution und unter Auflagen an. Carter muss eine Fußfessel tragen, während er auf einen neuen Prozess wartet. Außerdem darf er keinen Kontakt zu der Familie des Opfers aufnehmen. Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaats hatte im vergangenen Jahr einen neuen Prozess angeordnet und dabei Fehlverhalten der Ermittler angeführt.

Carter wurde 1985 wegen des Mordes an Eva Olesen in demselben Jahr verurteilt. Sie war die Tante des damaligen Polizeichefs der Stadt Provo. Sie wurde in ihrer Wohnung durch mehrere Stiche und einen Schuss in den Hinterkopf getötet. Ihr Ehemann gab an, er sei bei einem Freund zu Besuch gewesen. Nach seiner Rückkehr habe er ihre teilweise entkleidete Leiche mit hinter dem Rücken gefesselten Händen vorgefunden.

Erzwungenes Geständnis?

Den Gerichtsunterlagen zufolge konzentrierten sich die Ermittlungen schließlich auf Carter, der verdächtigt wurde, Olesen bei einem Raubüberfall getötet zu haben.

Carter hat stets seine Unschuld beteuert und behauptet, sein unterschriebenes Geständnis sei erzwungen worden. Es gab keine materiellen Beweise, die ihn mit dem Tatort in Verbindung brachten. Dennoch verurteilte die Jury Carter auf der Grundlage des Geständnisses und der Aussagen zweier Zeugen. Diese gaben an, Carter habe damit geprahlt, die Frau getötet zu haben. Sie widerriefen später ihre Aussagen und gaben an, für ihre Aussagen Geld und Geschenke von der Polizei erhalten zu haben.

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Eine neue DNA-Analyse schloss Carter als möglichen Verursacher von Blutspuren an einem Türknauf sowie für genetisches Material aus, das am Griff eines Messers sichergestellt wurde, mit dem Olesen erstochen worden war.

Opferfamilie hat »ernsthafte Bedenken«

Richter Derek Pullan sagte, diese Ergebnisse untergrüben die Vorwürfe gegen Carter weiter. Eine Jury könne jedoch dennoch zu dem Schluss kommen, dass er Olesen getötet habe. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall erneut. Carters Anwalt Neal Hamilton forderte die Staatsanwaltschaft auf, die Anklage fallen zu lassen.

Sein Mandant werde eine Therapie benötigen, um seine lange Haftzeit zu verarbeiten, sagte er. »Hätte der Staat Utah seinen Willen durchgesetzt, wäre er bereits vor 15 oder 20 Jahren hingerichtet worden, bevor wir das Fehlverhalten aufgedeckt haben.«

Theresa Olesen, eine Schwiegertochter von Eva Olesen, sagte hingegen, dass ihre Familie »ernsthafte Bedenken« hinsichtlich Carters Freilassung habe. Die DNA-Analyse bedeute nicht, dass Carter nicht am Tatort gewesen sei. »Wir wollen einfach nur Gerechtigkeit für Eva«, sagte sie. »Und wenn er irgendetwas damit zu tun hatte, wollen wir, dass das bekannt wird.«

bbr/AP