Donald Trump hat Deutschland und andere Nato-Länder für die ausbleibende Hilfe bei der Absicherung der Straße von Hormus kritisiert. Mit drastischen Worten hat der US-Präsident am Dienstag gegen die Verbündeten ausgeteilt. »Ich denke, die Nato macht einen sehr dummen Fehler«, sagte Trump sichtbar wütend.
Zuvor hatte er auf Truth Social geschrieben, dass die USA von den meisten Nato-Verbündeten darüber informiert worden seien, dass sie nicht in den US-Militäreinsatz gegen Iran involviert werden wollten. Das Wort Verbündete setzte er dabei in Anführungsstriche.
Trump schrieb weiter, er wolle nun auf Hilfe der Partner für die Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus verzichten. »Wir brauchen die Hilfe von niemandem«, schrieb er in Großbuchstaben in seinem Onlinedienst Truth Social. Er sei schließlich »Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, des mit Abstand mächtigsten Landes der ganzen Welt«.
Trump hatte Tage zuvor mit konfrontativen Worten Nato-Verbündete aufgefordert, bei der Sicherung von Öltransporten durch die Meerenge vor Iran zu helfen. Im Irankrieg ist die Durchfahrt praktisch zum Erliegen gekommen. Die Ölpreise stiegen auf das höchste Niveau seit Jahren. Aus den europäischen Hauptstädten hatte er dafür Absagen geerntet. So einig hatten sich die Europäer in den 14 ersten Monaten von Trumps zweiter Amtszeit bisher nicht gezeigt. Dabei hatte der US-Präsident die Verbündeten mit Zöllen malträtiert und ihnen mit einem angedrohten Angriff auf Grönland zugesetzt.
Die US-Forderung an die Verbündeten sei »außerordentlich« gewesen, sagt Philip Gordon von der Denkfabrik Brookings Institution. Der Sicherheitsberater der früheren Vizepräsidentin Kamala Harris ist sich sicher: Trump gehe zu weit, wenn er von den Partnern verlange, für den Schutz von Öltankern Menschenleben aufs Spiel zu setzen – zumal Trump für die Europäer bisher überwiegend Beleidigungen und Beschimpfungen übrig gehabt habe.
Rüge in Richtung Deutschland
Von diesen Tiraden hatte der US-Präsident Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bisher ausgenommen und ihn einen »großartigen Anführer« und Freund genannt. Nun aber rügte er auch Deutschland, ohne den Kanzler namentlich zu nennen. Das deutsche »Oberhaupt« – damit meinte Trump offenbar Merz – habe erklärt, sein Land habe nichts mit dem Irankrieg zu tun und wolle sich deshalb nicht in der Straße von Hormus engagieren, kritisierte der US-Präsident.
»Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg«, hatte Merz am Montag in Berlin gesagt. Dieses Nein gelte auch für eine militärische Absicherung der Straße von Hormus. »Niemand will aktiv in diesen Krieg ziehen«, sagte auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Ähnlich äußerten sich Großbritannien, Frankreich, Italien und andere Länder.
Vor dem US-Einmarsch im Irak 2003 verbrachte der damalige Präsident George W. Bush Monate damit, eine »Koalition der Willigen« aus mehr als 40 Ländern aufzubauen. Deutschland unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Frankreich unter Präsident Jacques Chirac waren schon damals nicht dabei, was in Washington auf scharfe Kritik stieß.
Trump hatte seinen Parteifreund Bush für den Irakkrieg immer wieder scharf kritisiert. Zugleich versäumte er es, eine ähnliche Allianz für den Irankrieg zu schmieden. Womöglich, weil Trump die Widerstandskraft Teherans unterschätzte und glaubte, der Krieg sei schnell vorbei. Darauf weisen seine Äußerungen aus der vergangenen Woche hin, der Einsatz sei nur »ein kurzer Ausflug« und »so gut wie« beendet.
