Der frühere Pressesprecher des Berliner SPD-Landesverbandes, Jonas Gebauer, ist aus der Partei ausgetreten – und rechnet mit ihr ab. »Die SPD steht nicht mehr in aller Klarheit für die Vernunft und den Fortschritt, für die ich einst eintrat«, erklärt Gebauer in einem Beitrag auf dem Internetportal LinkedIn. Zuerst hatte der »Tagesspiegel« darüber berichtet.
Statt nach Lösungen für verschiedene Probleme zu suchen, werde in der SPD lieber über Begriffe diskutiert, schreibt Gebauer. »Bestes Beispiel: Sicherheit und Ordnung. Während darüber gestritten wird, welcher Begriff nun anstelle von »Clankriminalität« verwendet werden soll, haben die Menschen auf Berlins Straßen einfach keinen Bock mehr auf Bedrohungslagen.« Die SPD sei »kein bürgerlicher Debattierclub für soziologische Seminare, sondern eine Interessenvertretung für die hart arbeitende Mitte«.
Gebauer arbeitete als Büroleiter und Sprecher für SPD-Landesvorsitzende wie Franziska Giffey und Martin Hikel. Er bescheinigt seiner alten Partei eine »Arroganz der moralischen Überheblichkeit«. Diese bestehe auch darin, »so zu tun, als hätte man in den letzten 35 Jahren Berlin nicht mitgestaltet«, schreibt der Ex-Sprecher. Die SPD brauche »eine eigene Identität, statt zu Grünen oder Linken 2.0 zu werden«. Er sei überzeugt: »Es braucht eine starke sozialdemokratische Politik der Mitte, die klar benennt und löst, statt mit sich hadert.«

