Otto Köhler war vom Ende des Zweiten Weltkriegs wenig begeistert. Als junger Pimpf des Nazi-Jungvolks war er, Jahrgang 1935, ein glühender Fan von Adolf Hitler. Später, als Journalist und Medienkritiker, kehrte sich seine Begeisterung ins Gegenteil um: Wenig brachte Otto Köhler so auf wie eine Nazivergangenheit von Kollegen.
Beim SPIEGEL der Nachkriegszeit hatte er diesbezüglich einiges an Anschauungsmaterial. Nach seinem Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Würzburg und Berlin, nannte er das Nachrichtenmagazin sechs Jahre lang seine berufliche Heimat – und beschäftigte sich als Erster in der Bundesrepublik regelmäßig mit dem Treiben der Konkurrenz. Von 1966 bis 1972 schrieb Köhler für die Redaktion als Medienkolumnist.
Kritische Biografie
Später und vor allem, nachdem er den SPIEGEL verlassen hatte, war er Redakteur bei »Pardon« und »konkret« und arbeitete für den WDR, den Deutschlandfunk, den »Stern« und die »Zeit« sowie für die Gewerkschaftszeitung »Metall«.
Über den SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein schrieb Köhler 2002 ein kritisches Sachbuch. »In dieser politischen Biografie des Aufklärers Augstein, der zugleich ein ›großdeutscher Nationalist war‹, werden die helle und die dunkle Seite jenes Mannes sichtbar, der den SPIEGEL zum ›Sturmgeschütz der Demokratie‹ machte«, heißt es im Klappentext des Buches.
2007 wurde Köhler für sein Lebenswerk mit dem Kurt-Tucholsky-Preis ausgezeichnet. Der Journalist und Publizist ist in der Nacht zum Mittwoch nach schwerer Krankheit in Buchholz im Alter von 91 Jahren gestorben.
