Die Ziele der Angriffe durch die USA und Israel in Iran sind immer noch diffus – auch nach mehr als einer Woche des Krieges Dafür sind die unmittelbaren Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher umso konkreter. Ein drastischer Anstieg des Ölpreises infolge des eskalierenden Irankonflikts hat die Börsen weltweit am Montag auf Talfahrt geschickt.
Alle Entwicklungen im Irankrieg hier in der Liveanalyse
Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 17 Prozent auf 108,77 Dollar je Barrel, der stärkste Tagesanstieg seit Beginn der Coronapandemie 2020. Am Freitagnachmittag war Brent-Rohöl zur Lieferung im Mai noch mit über 90 Dollar gehandelt worden.
Seit Beginn des Irankriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus inzwischen auf rund 50 Prozent: Ende Februar lag der Preis noch um die 70 Dollar pro Barrel. Auch die Spritpreise sind seither deutlich angestiegen.
An den Aktienmärkten schürte dies massive Sorgen vor Inflation und einer Abkühlung der Konjunktur. In Asien stürzte der japanische Leitindex Nikkei um 7,5 Prozent ab. Auch die Terminkontrakte für die US-Börsen und die europäischen Märkte deuteten auf hohe Verluste hin.
Display mit Börsenkursen in Tokio (am 9. März)
Foto: Kazuhiro Nogi / AFPDie Anleger flüchteten aus Risikoanlagen. »Asien leidet am stärksten unter dem starken Anstieg der Ölpreise, und es gibt kaum sichere Häfen«, sagte Vishnu Varathan von der Bank Mizuho. Neben dem Nikkei in Japan brach auch die Börse in Südkorea um 8,1 Prozent ein. Der chinesische Leitindex fiel um 2,3 Prozent. Die Futures für den S&P 500 und den Nasdaq an der Wall Street fielen um 2,1 beziehungsweise 2,5 Prozent.
Der sich ausweitende Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen und Iran auf der anderen Seite weckt Befürchtungen vor Lieferengpässen und längeren Unterbrechungen der Transporte durch die strategisch wichtige Straße von Hormus am Persischen Golf. Wegen der Kämpfe und Drohungen aus Iran meiden Tanker weiterhin die für den Öltransport wichtige Meerenge. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien erhöht zwar seine Lieferungen über das Rote Meer, die Mengen reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um die Ausfälle auszugleichen.
Da kein Ende der Kämpfe im Nahen Osten absehbar ist und Tanker weiterhin nicht wagen, die Straße von Hormus zu passieren, stellten sich Anleger auf eine längere Phase höherer Energiekosten ein.
Die Spannungen verschärften sich, nachdem Iran am Montag Mojtaba Khamenei zum Nachfolger seines Vaters, Ajatollah Ali Khamenei, als Oberster Führer ernannte. Dies signalisiert, dass die Vertreter des harten Kurses in Teheran die Kontrolle behalten. US-Präsident Donald Trump hatte den Sohn als »inakzeptabel« bezeichnet.
Massive Auswirkungen auf globale Wirtschaft befürchtet
Die Weltwirtschaft sei weiterhin vom Öl- und Gasfluss durch die Straße von Hormus abhängig, erklärte der Chefvolkswirt von JPMorgan, Bruce Kasman. Er rechnet kurzfristig mit einem Preisanstieg auf bis zu 120 Dollar je Barrel. Sollte der Konflikt andauern, könnte der Ölpreis auch nachhaltig über 120 Dollar steigen und eine globale Rezession auslösen.
Ein solches Szenario könnte das weltweite Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr um 0,6 Prozentpunkte drücken und die Verbraucherpreise um einen Prozentpunkt anheben, so Kasman (mehr dazu hier ).
Angesichts dieser Entwicklung wirken die jüngsten Aussagen von Donald Trump wie Durchhalteparolen. Der steigende Ölpreis ist nach den Worten des US-Präsidenten nur ein kleines notwendiges Opfer angesichts der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm.
»Kurzfristige Ölpreise, die schnell wieder sinken werden, wenn die Zerstörung des iranischen Atomprogramms beendet ist, sind ein sehr kleiner Preis, der für Sicherheit und Frieden in den USA und auf der Welt zu zahlen ist«, schrieb Trump am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social. »Nur Narren würden anders denken«, fügte er hinzu.
Trotz dieses Gepolters müsste auch dem US-Präsidenten klar werden, dass ständig steigende Spritpreise für ihn zum handfesten politischen Problem werden. In der US-Bevölkerung ist die Unterstützung für den Irankrieg ohnehin schon verhalten. Immerhin hatte Trump im Wahlkampf versprochen, sein Land aus Konflikten dieser Art herauszuhalten.
Wenn nun auch noch der Besuch an der Tankstelle unbezahlbar wird, dürfte dies in der republikanischen Partei für Nervosität sorgen. Immerhin stehen im November die Midtermwahlen an. Trumps Partei fürchtet dabei einen Denkzettel der Wählerschaft.
