1. Auto defekt?
Lisi Niesner / REUTERS
Zuletzt ging es bei Volkswagen oft um schlechte Nachrichten und große Zahlen, im Juni sickerte durch, dass Konzernchef Blume Entlassungen von 100.000 Mitarbeitern plane (hier mehr).
Eine aktuelle Meldung aber könnte VW-Fans noch mehr verunsichern: Volkswagen ruft allein in Deutschland 900.000 Autos zurück. 900.000! Weltweit sind Millionen betroffen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kann es bei einigen Modellen durch einen »Schraubenabriss« zu einem »Lenkungsausfall« kommen. Schraubenabriss, Lenkungsausfall: Man muss kein passionierter Schrauber sein, um zu ahnen, dass es hier um etwas Ernstes geht.
Konkret geht es um die Modelle Tiguan, Touran, Golf Variant, Caddy und Golf, hergestellt zwischen dem 24. September 2013 und dem 1. Juli 2024. Und wenn Sie nun aufatmen, weil Sie keinen Volkswagen fahren, sondern Audi: Auch der Q3 ist laut Kraftfahrt-Bundesamt betroffen, wenn er zwischen dem 31.10.2017 und dem 23.05.2024 gefertigt wurde.
Sorry für diesen Downer kurz vor dem Wochenende. Vielleicht macht Ihnen ja das Interview weiter unten bessere Laune, auch da geht es um Fortbewegung.
Lesen Sie hier mehr: Massenrückruf von VW – was Sie jetzt wissen müssen
2. Zug kaputt?
Minister Bilger
Foto:Julia Steinigeweg / DER SPIEGEL
Es ist gut zwei Monate her, da hörte man Spektakuläres vom Bundesverkehrsminister. Dummerweise drehten sich die Nachrichten nicht um Fortschritte bei der Deutschen Bahn, nicht um Sensationen auf der Schiene. Es wurde leider nicht gemeldet, dass es ab jetzt keine Störungen mehr in der Oberleitung geben wird und keine Verzögerungen mehr im Betriebsablauf.
Nein, es ging um Personalien, wie so oft in der Politik. Der Bundeskanzler entließ auf rustikale Art den Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) (hier mehr ). Für die allermeisten Menschen in diesem Land war dieser Vorgang wohl irrelevant. Die Mehrheit interessiert sich weniger für die Innereien der Politik als für ihre Ergebnisse. Aber für gute Ergebnisse braucht man starkes Personal.
Wie schlägt sich also der neue Verkehrsminister im Amt? Der Mann heißt Steffen Bilger, ist 47 Jahre alt, kommt aus Baden-Württemberg und war schon jahrelang als Verkehrspolitiker aktiv. Meine Kollegen David Böcking und Gerald Traufetter haben ihn getroffen und auf Herz und Nieren geprüft.
Was hält er von Raserei auf der Autobahn? Wie steht Bilger zur italienischen Konkurrenz auf der Schiene und gutem Espresso? Wie geht es bei der unterirdischen Milliardenbaustelle in Stuttgart weiter? Und, ernstes Thema, ab wann sind deutsche Brücken stabil genug, dass Panzer über sie rollen können?
Das Gespräch liefert einen guten Überblick über die Baustellen der Verkehrspolitik. Und ist ein Beleg dafür, wie fordernd dieses Amt ist, das Bilger nun bekleidet. Ob er seinen Job gut macht, werden wir in den nächsten Jahren an der Geschwindigkeit ablesen können, mit der wir uns durch dieses Land bewegen. Egal ob in der Luft, auf der Schiene oder auf Asphalt.
Lesen Sie hier das ganze Interview: »Man kann niemandem erklären, warum Strecken so lange gesperrt werden und die Situation danach nicht besser ist«
3. Trump hinüber?
Xi Jinping und Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses
Foto:Jim Lo Scalzo / EPA
Gute Politik braucht gutes Personal, das gilt weltweit. Vom Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping im Weißen Haus bleiben skurrile Szenen in Erinnerung. Donald Trump führte den Staatsgast wie einen Touristen umher und zeigte ihm den neu eingeweihten Helikopterlandeplatz oder die staubige Baustelle am Ostflügel, wo irgendwann, so Gott will und die Gerichte es zulassen, ein majestätischer Ballsaal stehen soll.
Es lohnt sich, den Text von Britta Kollenbroich und Bernhard Zand zu lesen, in dem sie sehr plastisch das nahezu kindliche Kräftemessen zwischen Trump und Xi beschreiben, in all der verstörenden Banalität (hier zu finden ).
Manches Signal der Stärke entpuppt sich als Ausweis von Schwäche und Verkommenheit. Das Weiße Haus verbreitete ein Video von jenem befremdlichen Moment, als Trump die chinesische Delegation zur Präsidentengalerie am Westflügel führte. Trump wies stolz darauf hin, dass er das Porträt seines Vorgängers Joe Biden mit dem Bild eines Autopen ersetzt habe. Was anspielt auf Trumps Anschuldigung, dass Biden in seiner Amtszeit einen Unterschriftenautomaten eingesetzt habe.
Der Gast aus China, Staatspräsident Xi Jinping, bog sich beinah vor Lachen. Aber was amüsierte ihn? Die Lächerlichkeit von Joe Biden? Oder die Lächerlichkeit von Donald Trump?
Lesen Sie hier mehr: Mein Helipad, mein Hubschrauber, meine Baustelle
Was heute sonst noch wichtig ist
Bundestagsvize Ramelow verlangt von seinem Parteifreund Koçak Klarheit: Seit Tagen streitet Berlin über eine mögliche Nähe von Ferat Koçak zum Rammo-Clan. Der Linkenabgeordnete selbst hat sich vorübergehend zurückgezogen. Mit Bodo Ramelow drängt nun erstmals ein prominenter Linker auf Aufklärung.
Deutsche Konzerne streichen die meisten Jobs: Im Vergleich mit mehreren europäischen Nachbarn bauen die deutschen Dax-Konzerne laut einer Studie am massivsten Stellen ab. Die Berater von EY zählen 46.000 Arbeitsplätze weltweit.
Italien beschließt Verschleierungsverbot und Sprachquote in Schulen: In Italiens Schulklassen sollen künftig maximal 30 Prozent der Kinder mangelnde Italienischkenntnisse haben. Auch Eltern mit Sprachproblemen sollen Unterricht erhalten. Verschleierungen sind an Schulen künftig verboten.
Bundestag beschließt im Eilverfahren neuen Tankrabatt: Die Regierung verspricht eine neue Entlastung an den Zapfsäulen – und holt den Tankrabatt zurück. Nun haben Union und SPD im Bundestag die entsprechende Steuersenkung beschlossen. Eine Hürde bleibt allerdings noch.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Der letzte Deutsche
Wer schon mal auf einer Preisverleihung war, kennt wahrscheinlich diese Beklommenheit, die man im Publikum empfindet. Auf der Bühne werden, im Modus der permanenten Übertreibung, Menschen ausgezeichnet, die zuvor sichtbar mit der Frage zu kämpfen hatten, was sie nur anziehen sollen. Dann folgen: Kitsch, Langatmigkeit, Technikpannen.
Mein Kollege Matern von Boeselager hat eine der umstrittensten Auszeichnungen der vergangenen Jahre besucht. Am Donnerstagabend prämierte in Berlin Springer-Chef Mathias Döpfner den Techmilliardär und Trump-Freund Peter Thiel. Er verlieh ihm einen Demokratiepreis, was für die Demonstranten vor der Tür wie eine Provokation klingen musste – oder wie eine gute Pointe.
Techmilliardär Thiel mit Springer-Chef Döpfner
Foto:Hannibal Hanschke / EPA
Für seine Kritiker ist Peter Thiel das finstere Genie, das beharrlich den Einsturz unserer Welt plant, ein Demokratiehasser und Medienschreck. Für seine Bewunderer ist Peter Thiel ein Technikphilosoph, ein disruptiver Daidalos. Oder auch, wie Palantir-CEO Alex Karp in seiner Laudatio formulierte: »Der letzte Deutsche.« Was auch immer das bedeutet.
Matern beschreibt die ungewollte Komik der Übertreibung, die Skurrilität der Heiligsprechung.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Peter Thiel kann verstehen, warum Berliner die Linke wählen
Was heute weniger wichtig ist
Liberales Lachen: Comedian Florian Schröder, 47, bekommt ab Oktober eine neue Satiresendung im ZDF. Nach dem verkündeten Böhmermann-Aus verspricht der Mainzer Sender eine »neue Satirefarbe«. Sie soll, laut Schröder, »liberaler« sein und keine Scheuklappen aufsetzen.
Mini-Hohlspiegel
Hinweis nach dem Kauf eines Films auf Amazon Prime
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons
Klaus Stuttmann
Und am Wochenende?
Am Abend eröffnet in Stuttgart der Cannstatter Wasen, das zweitgrößte Volksfest Deutschlands. Wer günstiger und entspannter Bier trinken will, schön Geisterbahn fahren oder Tontauben schießen, entscheidet sich für die sympathische Oktoberfest-Konkurrenz am Neckar.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Felix Dachsel, stellvertretender Ressortleiter Reporter
