SpOn 10.07.2026
18:00 Uhr

News des Tages: Kai Wegner gibt auf, Heizungsgesetz gekippt, Jimi Blue Ochsenknecht wieder vor Gericht


Berlins Regierender Tennisspieler gibt die Spitzenkandidatur als Bürgermeister auf. Die Bundesregierung beerdigt Habecks »Heizhammer«. Und Jimi Blue Ochsenknecht muss erneut vor Gericht. Das ist die Lage am Freitagabend.

News des Tages: Kai Wegner gibt auf, Heizungsgesetz gekippt, Jimi Blue Ochsenknecht wieder vor Gericht
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1. Aus für Wegner

Kai Wegner beim Hoffest vor dem Roten Rathaus: Tief in Schwierigkeiten

Kai Wegner beim Hoffest vor dem Roten Rathaus: Tief in Schwierigkeiten

Foto:

Soeren Stache / dpa

Der parteiinterne Druck wurde offenbar zu groß: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner gibt seine Spitzenkandidatur bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst dieses Jahres auf. Bis zum 20. September will er im Amt bleiben. Es gehe jetzt darum, »ein Linksbündnis in Berlin zu verhindern«, sagte Wegner bei einer spontan anberaumten Pressekonferenz am Nachmittag. Umfragen sahen die Christdemokraten in Berlin zuletzt bei 17 Prozent und damit hinter der Linkspartei. In der CDU gab es zuletzt viele Stimmen, die Wegner dafür mitverantwortlich machen.

In der Kritik steht das Krisenmanagement Wegners am Tag des Anschlags auf die Berliner Stromversorgung am 3. Januar, in dessen Folge 100.000 Menschen teils tagelang ohne Strom ausharren mussten. Wegner hatte zunächst verschwiegen, am ersten Tag der Krise mittags Tennis gespielt zu haben. Nach einem Eilantrag des »Tagesspiegels« musste Wegners Senatskanzlei diese Woche zugeben, am 3. Januar vor 12.45 Uhr keine dienstlichen Telefonate zum Blackout geführt zu haben. Wegners Behauptung gegenüber »Welt TV«, er habe »in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen«, war offenbar eine Lüge.

Andreas Niesmann aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro meint: »Es ist nie der Fehler selbst, über den Politiker stolpern, sondern immer der Versuch, ihn zu vertuschen. Selten hat dieser Satz so sehr gestimmt wie im Fall von Kai Wegner.«


2. Wünsch dir was im Bundestag

Blick in den Plenarsaal: Brandbeschleuniger für die Klimakrise?

Blick in den Plenarsaal: Brandbeschleuniger für die Klimakrise?

Foto: Elisa Schu / dpa

Dieser Tage denken wohl die meisten Menschen eher über den freiwilligen Einbau einer Klimaanlage nach als über den angeblichen Zwang zur Wärmepumpe. Wer dennoch wegen »Habecks Heizhammer«, wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) aus dem Jahr 2023 boulevardesk gern genannt wurde, schlaflose Nächte erleiden musste, kann ab heute aufatmen: Der Bundestag hat das Heizungsgesetz der Ampelregierung gekippt. (Hier mehr dazu.)

Das vor allem dem früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zugeschriebene Heizungsgesetz sah vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. In vielen Fällen kam dies einem Verbot des Einbaus neuer Öl- und Gasheizungen gleich. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte vor der Abstimmung im Bundestag gesagt, die Bundesregierung wolle »Heizungszwänge« durch »Technologieoffenheit« ersetzen. Ein Begriff aus dem Wortschatz der Union, der mir persönlich heizhammerharte Gänsehaut beschert. Wäre »Wunschdenken beim Klimaschutz« nicht ein schöneres Wort für die in konservativen und liberalen Kreisen viel beschworene »Technologieoffenheit«?

Es wird erwartet, dass Umweltverbände gegen die Gesetzesreform klagen. Finanzexperten wie der SPIEGEL-Kolumnist Hermann-Josef Tenhagen warnen außerdem davor, dass das neue GEG für viele Verbraucher teuer werden könnte.


3. Wilder Kerl

Schauspieler Ochsenknecht 2022 in Berlin: Aus der Recherche ergibt sich das Bild eines Gernegroß

Schauspieler Ochsenknecht 2022 in Berlin: Aus der Recherche ergibt sich das Bild eines Gernegroß

Foto:

Isa Foltin / Moët & Chandon / Getty Images

Die Zechpreller-Affäre um den früheren Kinderstar Jimi Blue Ochsenknecht (»Die Wilden Kerle«) geht in die Verlängerung. Das Oberlandesgericht Innsbruck hat den für den Schauspieler glimpflichen Prozessausgang gekippt. Der 34-Jährige muss wohl abermals die Reise in die Tiroler Hauptstadt antreten. Der Vorwurf: schwerer Betrug. 

SPIEGEL-Mitarbeiter Oliver Das Gupta erinnert sich: »Die Zechpreller-Affäre hatte 2025 das mediale Sommerloch gestopft. Der Sohn des bekannten Schauspielers Uwe Ochsenknecht hatte Ende 2021 mit Freunden seinen 30. Geburtstag in einem noblen Hotel in Kirchberg in Tirol gefeiert. Hinterher hielt er den Hotelwirt über Monate hin, dann brach der Kontakt ab, sein Wohnort war unklar. Der Fall endete spektakulär und öffentlich im vergangenen Jahr: Festnahme am Flughafen Hamburg, tagelange Fahrt im Gefängnisbus nach Österreich, Medienauflauf rund um den Prozess.«

Unklar ist, wie der Zechpreller auf die jüngste Entwicklung reagiert. Eine Anfrage des SPIEGEL an seinen Anwalt blieb bislang unbeantwortet. Ochsenknecht postete zuletzt auf Instagram ein Foto mit einem englischsprachigen Gedicht. Darin heißt es: »Hör auf zu versuchen, Probleme vorherzusagen, bevor sie auftreten.«


Was heute sonst noch wichtig ist

  • Zahl der Insolvenzanträge so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr: Allein im April haben 2276 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Im ersten Quartal waren es mehr als 8500. Am stärksten betroffen ist der Verkehrs- und Lagereisektor.

  • Trump drängt auch die letzten Mitglieder aus unabhängiger Wahlkommission: Der Oberste Gerichtshof hat die Macht des US-Präsidenten ausgeweitet. Zu den Ersten, die das zu spüren bekommen, gehört eine Behörde, die bei der Durchführung freier Wahlen hilft.

  • Ein Knall, dann bricht das Fenster – Ryanair-Flugzeug muss umkehren: Auf einem Flug von Griechenland nach Deutschland ist eine Scheibe in die Brüche gegangen. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen an Bord: Ein Passagier ragte wohl schon mit Kopf und Schultern aus dem Fenster.


Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Angehörige Maass mit Familienunterlagen: Unerwartetes Geschenk

Angehörige Maass mit Familienunterlagen: Unerwartetes Geschenk

Foto:

Michael Abril / DER SPIEGEL

Letztes Lebenszeichen aus Theresienstadt: 1933 wurde der jüdische Teilhaber Adolf Maass aus der Spedition Kühne + Nagel gedrängt, er und seine Frau Käthe wurden in Auschwitz ermordet. Enkelin Barbara Maass rekonstruiert nun das Schicksal ihrer Großeltern .

Was heute weniger wichtig ist

Schauspielerin Pamela Anderson

Schauspielerin Pamela Anderson

Foto:

Michael Tran / AFP

Hautsache natürlich: Pamela Anderson, 59, hat einen interessanten Imagewandel vollzogen. Wie sie in den Neunzigerjahren bei »Baywatch« im knappen Badeanzug und mit knallroten Lippen Menschen aus den Fluten zog, hat nichts mehr mit ihren Auftritten von heute zu tun. Seit drei Jahren zeigt sich die Schauspielerin vor der Kamera, meist komplett ohne Make-up. Nun sagte sie dem US-Magazin »People«, dass sie ihre Haut nicht mit Cremes zuspachteln wolle, um jünger auszusehen: »Weniger ist mehr.«


Mini-Hohlspiegel

Von der Website des »Kölner Stadt-Anzeigers«

Von der Website des »Kölner Stadt-Anzeigers«

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons

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Foto:

plassmann / Thomas Plaßmann


Und heute Abend?

Lily aus Suva auf Viti Levu: Nicht alle Klimaflüchtlinge des Pazifiks können nach Australien

Lily aus Suva auf Viti Levu: Nicht alle Klimaflüchtlinge des Pazifiks können nach Australien

Foto: Privat

Wütender Grunge, gesellschaftskritische Texte, drei junge Musikerinnen an Bass, Gitarre und Schlagzeug: Kennen Sie die Band Catcall? Ich bis gestern Nachmittag auch nicht. Am Münchner Stadtrand habe ich mit meinem Sohn ein Festival für Teenager und Newcomer-Bands besucht. Catcall  spielte dort ein Lied, das einen ungewöhnlichen Refrain für einen Heavy-Metal-liken Sound hatte: »1,5 Grad, bald 2« . Den Text aufs Wort verstanden habe ich nicht. Vermutlich üblich beim Genre Alternative Rock. Aber klar war: Es geht um die Bedrohung der Klimakrise für junge Menschen.

Darum geht es auch im neuesten DEIN SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder. In der Titelgeschichte  erzählen Jugendliche aus verschiedenen Regionen der Erde über ihr Aufwachsen mit zunehmender Hitze, Flut, Sturm oder Waldbrandgefahr.

Wenn Sie heute Abend lieber den vermutlich größten Rockstars des Planeten lauschen wollen, empfehle ich das neue Album der Rolling Stones. SPIEGEL-Musikexperte Andreas Borcholte schreibt, es sei beeindruckend, wie sich die Bandmitglieder mit spätem Furor »gegen das Erlöschen des Lichts stemmen und empören«. »Foreign Tongues«, wie das neue Studioalbum heißt, enthalte »die beste neue Stones-Musik seit Jahrzehnten« .

Ein schönes Wochenende wünscht

Ihre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion