1. Weiche Reiche
Bundeswirtschatsministerin Katherina Reiche
Foto:Liesa Johannssen / REUTERS
Seit die Spritpreise jenseits der Zwei-Euro-Marke liegen, gibt es allerhand lustige Memes im Internet. Eins zeigt einen Tankwart, der fragt, ob er Diesel oder Benzin einfüllen soll. Der Autofahrer entgegnet, als sei er in einer Boutique: Danke, aber ich schaue nur. Ein anderes zeigt ein Auto mit Dutzenden angeschnallten Benzinkanistern, das gerade aus Polen zurückkommt, wo der Sprit deutlich günstiger ist. Im SPIEGEL-Newsroom witzelte ein Kollege: »War gerade tanken. Die waren sehr nett. Haben die Niere als Anzahlung genommen. Den Rest kann ich in zwölf Monatsraten abzahlen.«
So witzig die Gags über die hohen Benzinpreise auch sind, so ernst ist die Lage für viele Pendlerinnen und Pendler sowie die deutsche Wirtschaft. Nun kündigte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an, dass Deutschland sich an einer international koordinierten Freigabe von Erdöl und Ölprodukten aus nationalen Reserven beteiligen will. Damit sollen die enormen Preisanstiege an den internationalen Märkten und damit die Folgen des Irankrieges gedämpft werden.
Die Kraftstoffpreise steigen bei höheren Rohölkosten extrem schnell – Reiche sprach von einer »Rakete«. Bei fallenden Kosten gingen sie jedoch nur langsam zurück. »Diesen Mechanismus wollen wir durchbrechen«, sagte die Wirtschaftsministerin. Daher sollen Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen, Senkungen hingegen sind jederzeit zulässig. Dieses Modell kommt ursprünglich aus Österreich und wurde dort inzwischen noch verschärft: Seit gestern dürfen österreichische Tankstellen die Spritpreise nur dreimal pro Woche erhöhen.
Die Maßnahme, für die das Kartellrecht geändert werden muss, wird den Mineralölkonzernen wehtun – auch wenn sie kein »Tankrabatt« ist, der auch diskutiert wurde. Mein geschätzter Kollege Nikolaus Blome sagte dazu noch vorgestern mit Verweis auf Ludwig Erhard und die freien Märkte voraus, »wenn der öffentliche Druck bei anhaltend hohen Preisen an der Tanke steigt, hält Ministerin Reiche am längsten stand, darauf wette ich.« In Bezug auf den Tankrabatt mag seine Wette noch halten, aber weich geworden ist die Ministerin schon, zumindest ein bisschen.
Lesen Sie hier mehr: Nur noch einmal am Tag – Regierung will Spritpreiserhöhung begrenzen
2. Muffensausen in Zuffenhausen
Neuer Porsche-Chef Leiters: Erst tief einarbeiten
Foto:Porsche AG
Porsche ist 2025 in eine schwere Krise geraten: Der operative Gewinn brach von über fünf Milliarden auf 90 Millionen Euro ein, der Aktienkurs stürzte von einst über 120 auf unter 40 Euro. Hauptgrund ist der Einbruch des Luxusmarkts in China. Dort verkaufte Porsche nur noch rund 40.000 statt der geplanten 100.000 Fahrzeuge. Zudem drücken Zölle in den USA die Marge, Preiserhöhungen konnten das nicht auffangen. Hinzu kommen hohe Kosten einer gescheiterten E-Offensive unter Ex-Chef Oliver Blume, etwa die eingedampfte Batterietochter Cellforce und milliardenschwere Lizenzgebühren an Audi für Verbrennerplattformen, analysiert mein Kollege Alexander Demling.
Der neue Vorstandschef Michael Leiters, seit Januar 2026 im Amt, vermied bei der Präsentation der Zahlen klare Ansagen und kündigte eine Strategie erst für den Herbst an. Ansonsten fielen die üblichen Managerfloskeln: Kostensenkung, höhere Rendite, gestrafftes Produktportfolio. Leiters will Porsche »schlanker, schneller, begehrlicher« machen, rechnet mit dauerhaft niedrigeren Stückzahlen als früher und setzt weiteren Stellenabbau auf die Agenda – zusätzlich zu den bereits bis 2029 geplanten 1900 wegfallenden Jobs.
Intern gilt er als durchsetzungsstark, gleichzeitig droht ein Konflikt mit dem Betriebsrat, der längere Beschäftigungssicherung und Standortgarantien fordert. Während über das Schicksal von E-Modellen wie Taycan und 718 spekuliert wird, zeichnet sich ein stärkeres Comeback von Verbrennern wie dem Macan-Nachfolger ab; bis konkrete Modellentscheidungen fallen, kann Porsche seine Lage fast nur über harte Sparprogramme verbessern. Und falls Sie jetzt denken, »aber dafür geht’s ja der Rüstungsindustrie ganz gut«, denken Sie falsch. Mein Kollege Martin Hesse kommentiert , Panzer statt Porsche seien keine Lösung für Deutschland.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Porsche im Niedergang – was der neue Konzernchef jetzt tun will
3. Das kommt Merz spanisch vor
Kanzler Friedrich Merz am Handy: Das wollte er nicht so stehen lassen
Foto:Christian Spicker / IMAGO
Als Bundeskanzler Friedrich Merz kürzlich zu Besuch bei Donald Trump war, schmähte der US-Präsident das EU-Land Spanien, weil es den USA die Nutzung einer spanischen Luftwaffenbasis für den Krieg gegen Iran verweigerte. Trump polterte und drohte mit Handelsstopp. Statt ihm zu widersprechen, sekundierte Merz sogar bei dessen Kritik an zu niedrigen Verteidigungsausgaben der Spanier. Zwar bemühte er sich später klarzustellen, dass er Spanien im persönlichen Gespräch mit Trump gegen die Handelsdrohungen verteidigt habe. Aber der Schaden war schon angerichtet.
Seit seiner Rückkehr versucht Merz nun, seinen Amtskollegen Pedro Sánchez telefonisch zu erreichen – vergeblich, wie meine Kollegen Paul-Anton Krüger und Steffen Lüdke berichten. In Madrid spricht man von einer alten Nummer, in Berlin von politischer Absicht. Sánchez baut sich innenpolitisch als Anti‑Trump‑Figur auf und sucht Verbündete gegen den aus seiner Sicht völkerrechtswidrigen Irankrieg; Ursula von der Leyen, EU-Ratschef António Costa und weitere EU‑Staaten stellen sich hinter ihn.
Auch international erhält Sánchez viel Unterstützung, etwa von Linken und Trump‑Gegnern, seine innenpolitischen Probleme geraten immer mehr in den Hintergrund. Der Konflikt fällt in eine Phase, in der die Nato-Staaten in Den Haag höhere Verteidigungsausgaben von insgesamt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts beschlossen haben – ein Ziel, das auch Spanien trotz Zusagen bislang verfehlt. Der Gesprächsstoff zwischen Berlin und Madrid bleibt, wenn denn die direkte Kanzler-Verbindung zu Sánchez wiederhergestellt sein sollte.
Lesen Sie hier mehr: Der Kanzler schickt SMS und ruft an – doch in Spanien herrscht Funkstille
Was heute sonst noch wichtig ist
Präsident der Emirate reagiert mit martialischen Versen auf Angriff der Ajatollahs: Iran hat die Vereinigten Arabischen Emirate mit mehr als 1500 Drohnen angegriffen. Präsident Mohammed bin Zayed hat gewarnt, seine Untertanen hätten »dicke Haut und bitteres Fleisch«. Und hat nun mit einem Gedicht nachgelegt.
Sophia Mercedes Burtscher wird Kommissarin im Dortmund-»Tatort«: Eine geht, die nächste kommt: Nach dem Abschied von Stefanie Reinsperger wird Sophia Mercedes Burtscher neue Ermittlerin im Schleudersitz-»Tatort« aus Dortmund. Zu ihrer Rolle gibt es erste Details.
CSU holt in Bayern schlechtestes Ergebnis seit fast 75 Jahren: In Gemeinden und Landkreisen war die CSU zuletzt wenig erfolgreich: Nur 32,5 Prozent der Stimmen gingen an die Partei. Einige Kandidaten können auf die Stichwahl Ende März hoffen.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Asteroidenjäger Moissl
Foto:Marcus Simaitis / DER SPIEGEL
Der Förster des Alls erklärt, was da vom Himmel kam: Richard Moissl ist Europas oberster Asteroidenjäger. Mit Teleskopen, Frühwarnsystemen und seinem Team überwacht er täglich Tausende Objekte im All. Doch den spektakulären Meteoriteneinschlag in Koblenz verpasste er .
Was heute weniger wichtig ist
Routenverplaner: Gesundheitsministerin Nina Warken, 46, hat offenbar die Straße von Hormus mit dem Suezkanal verwechselt. »Durch die Straße von Hormus fahren normalerweise auch Schiffe mit Ladungen aus Indien und China, die für die Arzneimittelversorgung und -produktion unverzichtbar sind.« Die Standardverbindung für Container aus Indien und China nach Europa führt aber über das Arabische Meer, das Rote Meer und den Suezkanal, nicht durch die enge Wasserstraße zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel. Aber: I feel you, Nina Warken.
Mini-Hohlspiegel
Aus der »Badischen Zeitung«
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Ich möchte Ihnen eine junge Musikerin ans Herz legen – die 27-jährige Vibrafonistin Sasha Berliner aus San Francisco. Das Instrument hat es schwer in der Jazz-Szene, klobig in den Ausmaßen, filigran im Ton, komplex im Spiel. Es gibt mit Milt Jackson, Gary Burton oder Bobby Hutcherson große Vorbilder. Sasha Berliner stellt sich zwar in deren Tradition, führt aber ihr Erbe mit innovativen Eigenkompositionen fort. Emil Berliner, der Erfinder der Schallplatte, ist ihr Urururgroßvater. 1870 wanderte er aus Wolfenbüttel in die USA aus.
Machen Sie doch einen kleinen virtuellen Ausflug in die St. Paul’s Chapel nach Manhattan, entfliehen Sie für ein paar Minuten dem lärmenden Nachrichtenstrom und tauchen ein in die kreative und betörende Welt der Sasha Berliner (hier bei YouTube ). Am 30. März tritt die Künstlerin auch in Deutschland auf, im Jazz-Studio Nürnberg.
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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Janko Tietz, Ressortleiter Nachrichten
