SpOn 09.07.2026
05:49 Uhr

News: VW-Stellen in Gefahr, Iran-USA-Krieg, Ajatollah Ali Khamenei, Beerdigung, Kai Wegner


Der Volkswagen-Aufsichtsrat berät über Stellenabbau und Werksschließungen. Der Krieg zwischen den USA und Iran geht weiter. Und: Berlins Regierender Bürgermeister Wegner muss bangen. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen.

News: VW-Stellen in Gefahr, Iran-USA-Krieg, Ajatollah Ali Khamenei, Beerdigung, Kai Wegner
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Der schwankende Riese von Wolfsburg

Die kriselnde Automobilindustrie rührt an ihre Tabus. Schließungen deutscher Werke bei Volkswagen? Längere Arbeitszeiten bei Mercedes, natürlich ohne Lohnausgleich (mehr hier )? Im Jahr 2026 scheint das bislang Undenkbare denkbar.

Volkswagen-Konzernzentrale in Wolfsburg

Volkswagen-Konzernzentrale in Wolfsburg

Foto:

Jochen Eckel / picture alliance

Bei Volkswagen gibt es Topmanager, die den Konzern als akut »existenzgefährdet« bezeichnen. Konzernchef Oliver Blume stellt seinem Aufsichtsrat heute Nachmittag einen Sanierungsplan vor. Details sind schon durchgesickert: Zehntausende Jobs möchte Blume zusätzlich abbauen und das Ende der Autoproduktion in vier Werken von VW und Audi bis spätestens Ende 2034 einläuten. Mehr als 40.000 Menschen arbeiten dort.

Niemand erwartet, dass Blumes Kontrolleure seinen Sparplan einfach abnicken. Die Sitzung in Wolfsburg dürfte der Auftakt für monatelange Verhandlungen sein. Im Aufsichtsrat sitzt neben IG-Metall-Chefin Christiane Benner auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Eins der bedrohten Werke liegt in Hannover, keine 20 Minuten von der Staatskanzlei entfernt.

»Volkswagen war lange die Konsensmaschine der deutschen Industrie. Das ist jetzt offenbar vorbei«, schreibt mein Kollege Alexander Demling aus dem Wirtschaftsressort. »Selbst wenn Blume nur die Hälfte seiner Maßnahmen durchsetzt, wird Deutschlands größter Autokonzern in Zukunft völlig anders aussehen.« Das Endspiel hat begonnen.


Zurück im Irankrieg

Der Irankrieg flammt wieder auf. Ausgerechnet in dieser Woche, in der sich die Staats- und Regierungschefs zum Nato-Gipfel trafen. Ausgerechnet in diesen Tagen, in denen das iranische Regime den Abschied von Ajatollah Ali Khamenei inszeniert – als Machtdemonstration gegen die USA (mehr hier ). Heute soll der am 28. Februar bei einem Bombenangriff getötete Oberste Führer der Islamischen Republik Iran in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.

Schiffe in der Straße von Hormus (im Mai 2026)

Schiffe in der Straße von Hormus (im Mai 2026)

Foto: kyodo / dpa

Sechs Tage lang haben die pompösen Feierlichkeiten gedauert, Millionen Menschen sollen teilgenommen haben. »Überall halten sie Fotos von Trump, Netanyahu oder Hegseth hoch, mit Einschusslöchern in der Stirn oder Henkersstricken um den Hals«, schreibt meine Kollegin Susanne Koelbl, die für den SPIEGEL immer wieder aus Iran berichtet. »Diese sorgfältig inszenierte Massenveranstaltung schürt Hass und Rache für die gezielten Tötungen.« Vielen Menschen scheine es dabei nicht entscheidend, ob sie diese Führer des Regimes mochten oder sich mit ihnen identifizierten. »Was Millionen dort empfinden, ist die Ohnmacht eines Volkes, das unter schwierigsten Bedingungen leidet.«

Mitte Juni noch hatten sich Teheran und Washington auf 60 Tage Waffenruhe geeinigt. Doch in dieser Woche hat Iran einen katarischen Gastanker beschossen, die »Al Rekayyat«, die gerade die Meerenge von Hormus passierte. Die USA beantworteten die Aggression mit dem Beschuss von Dutzenden Zielen in Iran. Gestern kündigte Trump auf dem Nato-Gipfel in Ankara die Waffenruhe auf und kündigte neue Militärschläge an. In der Tat griff das US-Militär auch vergangene Nacht erneut an. Teheran reagierte mit dem Beschuss von Zielen in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait, dort sind US-Truppen stationiert.

Geht der Krieg mit Iran also wieder von vorn los? »Tatsächlich hat er nie aufgehört«, schreibt Susanne.


Eine Frau als Drogenboss?

Lebenswege können verschlungen sein. Es gibt Sprachwissenschaftlerinnen, die sich als »Fotzenrap«-Künstlerin inszenieren. Sternehotelmanager, die ihre Liebe zur Altenpflege entdecken. Physikerinnen, die irgendwann Bundeskanzlerin werden. Oder Versicherungsmaklerinnen, die offenbar eine Leidenschaft für den Drogenhandel entwickeln – wie jene Dame, von der Ermittler glauben, dass sie sich im Darknet »Pygmalion« nannte.

Versandbereite Drogenlieferung

Versandbereite Drogenlieferung

Foto: Generalstaatsanwaltschaft Bamberg

Medina H., so heißt sie wirklich, steht derzeit vor einem Bamberger Gericht. Und zwar »wegen des Verdachts auf bandenmäßiges unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln«, wie es juristisch sauber, aber etwas umständlich heißt. Sollten die Ermittler recht behalten, wäre es ein außergewöhnlicher Fall: Wie meine Kolleginnen Sara Wess und Ella Knigge berichten, könnte zum ersten Mal eine Frau in Deutschland eine international tätige Onlinedrogenbande angeführt haben.

Im Jahr 2025 stellten Frauen nur etwa zehn bis zwölf Prozent der Tatverdächtigen in Sachen Betäubungsmittelhandel – so steht es in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Die meisten traten als Kurierinnen oder Verpackerinnen auf. H. allerdings, so sehen es die Ermittler, soll eine steile Karriere hingelegt und über das Darknet offenbar Drogen wie Ketamin, LSD oder Speed verkauft haben. Geliefert wurde per Postversand. Anfang 2025 wurde H. festgenommen, Teile der Vorwürfe weist sie von sich.

»Es ist ein Bereich, in dem sonst Männer die Strippen ziehen«, sagt Ella. »Statt chaotischer Drogenlager, die wir aus anderen Fällen kennen, führte Medina H. offenbar ihr Geschäft wie ein gut organisiertes Kleinunternehmen.« Mit meiner Kollegin Sandra Sperber hat sie im SPIEGEL-Podcast »Firewall« über die Recherche gesprochen.


Lesen Sie hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel

  • Eine Verurteilung, die der Karriere nützt: Marine Le Pen wird des Millionenbetrugs schuldig gesprochen – und will doch Staatspräsidentin werden. Frankreichs rechte Frontfrau fordert den demokratischen Rechtsstaat heraus .


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Verlierer des Tages…

CDU-Politiker Wegner

CDU-Politiker Wegner

Foto: Ardan Fuessman / Eibner-Pressefoto / picture alliance

…ist Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Als Krisenmanager steht er in der Kritik, weil er im Januar erst mal Tennis spielen ging, als zeitweise in über 40.000 Haushalten der Hauptstadt der Strom ausfiel. Nun wurde er erneut als Lügner enttarnt, weil er behauptet hatte, er habe an besagtem Tag von morgens an telefoniert, um die Krise zu lösen. Der »Tagesspiegel« hatte öffentlich gemacht , dass Wegner die Öffentlichkeit über seine morgendlichen Telefonate getäuscht hat.

Die CDU hat jetzt ein veritables Problem: Am 20. September wird in Berlin gewählt. Und auch in der Partei können sich viele kaum vorstellen, wie man mit einem derart ramponierten Kandidaten Wahlkampf machen kann. Am heutigen Donnerstag plant Wegner eine »Besuchstour im Bereich Energie«, so steht es auf der Terminliste der Senatskanzlei. Es klingt nach: einfach weiterwegnern.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Senatskandidat Platner gibt nach Skandalen auf: Sexuelle Übergriffe, ein naziähnliches Tattoo, fragwürdige Posts: Der demokratische Senatskandidat Graham Platner aus Maine hat seine Kampagne nach einer Serie von Vorwürfen beendet. Für seine Partei kommt das zur Unzeit.

  • Erdoğan schenkt Merz zum Abschied einen Revolver: Was könnte ein passendes Geschenk für Nato-Gipfelteilnehmer sein? Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan hat sich offenbar Gedanken gemacht und seine Gäste mit einem Revolver ausgestattet – samt Namensgravur und Munition.

  • Drei Männer verirren sich in unterirdischem Lava-Tunnelsystem: Mitten in einem erkalteten Lavastrom spannt sich unter der Stadt Mendig ein Netz von Felsenkellern – in 32 Meter Tiefe. Eine Gruppe von Männern betrat das Areal trotz Verbot und verlor die Orientierung. Zahlreiche Helfer mussten anrücken.


Heute bei SPIEGEL Extra: Wie ich meine Höhenangst überwinde

Foto:

Christina Stohn / DER SPIEGEL

In die Tiefe blicken? Zwischen Himmel und Erde schweben? Ein Albtraum. Besser mit einer Therapeutin am Sessellift verabreden .

Ich wünsche Ihnen einen prächtigen Start in den Tag.

Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft